Heiliges Jahr 2027 in Santiago de Compostela

Von Peter Kirchmann · zuletzt aktualisiert am 31. Oktober 2026

2027 ist ein Heiliges Jahr in Santiago de Compostela, weil der 25. Juli, der Festtag des Apostels Jakobus, auf einen Sonntag fällt. Es beginnt am 31. Dezember 2026 mit der Öffnung der Heiligen Pforte an der Kathedrale und endet am 31. Dezember 2027, wenn sie wieder verschlossen wird. Das nächste Heilige Jahr danach ist 2032.

Auf einen Blick

  • Öffnung der Heiligen Pforte: Donnerstag, 31. Dezember 2026, diesmal schon zur Mittagszeit
  • Jakobstag: Sonntag, 25. Juli 2027, das Herz des Heiligen Jahres
  • Schließung der Pforte: Freitag, 31. Dezember 2027
  • Die nächsten Heiligen Jahre: 2027, 2032, 2038, 2049
  • Rhythmus: abwechselnd nach 6, 5, 6 und 11 Jahren
  • Im letzten Heiligen Jahr 2022 haben rund 438.000 Pilger eine Compostela erhalten
Kathedrale von Santiago de Compostela an der Praza do Obradoiro im Sonnenlicht

Ich bin zweimal in einem Heiligen Jahr in Santiago angekommen: 1993 auf meinem allerersten Camino Frances, ohne zu wissen, dass es ein Heiliges Jahr war, und 2022 zusammen mit Simone nach dem Camino Primitivo. Auf dieser Seite findest du alles, was du für 2027 wissen musst, und dazu, was ich selbst erlebt habe.

Warum ist 2027 ein Heiliges Jahr?

Ein Heiliges Jahr, spanisch Año Santo Jacobeo, galicisch Xacobeo, wird in Santiago immer dann gefeiert, wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Der 25. Juli ist seit dem Mittelalter der Festtag des heiligen Jakobus des Älteren, des Bruders von Johannes. In Spanien heißt er Santiago, und nach ihm ist die Stadt benannt, in der sein Grab verehrt wird.

2027 ist der 25. Juli ein Sonntag. Deshalb ist 2027 wieder ein Heiliges Jahr, sechs Jahre nach dem letzten von 2021.

Heilige Jahre in Santiago: Liste mit Pilgerzahlen

Wie viele Menschen in einem Heiligen Jahr kommen, zeigen die Zahlen des Pilgerbüros in Santiago. Gezählt werden die Pilger, die eine Compostela erhalten haben, also mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer mit dem Rad gekommen sind.

Heiliges JahrPilger mit Compostelazum Vergleich
199399.4361992: 9.764 · 1994: 15.863
1999154.6132000: 55.004
2004179.9442005: 93.924
2010272.4122011: 183.504
2021 (Corona)rund 178.9002019: 347.578
2022 (verlängert)rund 438.0002024: 499.239 · 2025: 530.919
2027ab 31.12.2026
2032
2038
2049
Quelle: Pilgerbüro Santiago (Oficina del Peregrino), Stand Oktober 2026

Früher hat sich die Zahl der Pilger in einem Heiligen Jahr vervielfacht und ist danach wieder eingebrochen. 1993 kamen zehnmal so viele Pilger an wie im Jahr davor. Heute ist der Camino auch in normalen Jahren so voll, dass der Unterschied kleiner geworden ist: 2025 kamen mehr Pilger nach Santiago als im Heiligen Jahr 2022.

Wie oft gibt es ein Heiliges Jahr?

Im Schnitt etwa alle sieben Jahre, aber nicht regelmäßig, sondern im Wechsel von 6, 5, 6 und 11 Jahren. Das letzte Heilige Jahr war 2021, das nächste ist 2027, danach folgen 2032, 2038 und erst 2049 wieder.

Der Grund liegt im Kalender: Ein Datum rutscht jedes Jahr um einen Wochentag weiter, in einem Schaltjahr sogar um zwei. Durch die Schaltjahre überspringt der 25. Juli manchmal den Sonntag, und dann dauert es elf Jahre bis zum nächsten Mal. So entsteht der Rhythmus 6, 5, 6, 11, der sich alle 28 Jahre wiederholt.

Warum heißt das Heilige Jahr auch Jubeljahr?

Die Idee eines Heiligen Jahres ist viel älter als Santiago und stammt aus dem Alten Testament. Im dritten Buch Mose heißt es:

„Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt im Land eine Freilassung ausrufen für alle, die darin wohnen. Es ist das Jubeljahr, in dem jeder bei euch wieder zu seinem Eigentum kommen und zu seiner Familie zurückkehren soll.“

3. Buch Mose (Levitikus) 25,10

Alle sieben Jahre feierten die Israeliten ein Sabbatjahr, in dem die Felder ruhten. Nach sieben mal sieben Jahren, also nach 49 Jahren, folgte das große Ruhejahr, das Jubeljahr: Wer in Schuldknechtschaft geraten war, kam frei, Land ging an seine Familien zurück, und die Felder blieben unbestellt. Wenn du heute von jemandem hörst, der ein Sabbatjahr einlegt, dann weißt du, woher das Wort kommt.

Von diesem Jubeljahr hat die Kirche den Gedanken eines heiligen Jahres der Vergebung und des Neuanfangs übernommen, in Rom genauso wie in Santiago. Den Takt in Santiago bestimmt dagegen allein der Sonntag am 25. Juli.

Wann war das letzte Heilige Jahr?

Das letzte Heilige Jahr war 2021. Wegen der Corona-Pandemie hat Papst Franziskus es bis zum 31. Dezember 2022 verlängert. Das war erst das dritte Mal in der Geschichte, dass es eine Ausnahme vom Sonntagsrhythmus gab: 1885 rief Papst Leo XIII. ein außerordentliches Heiliges Jahr aus, nachdem die wiederentdeckten Gebeine des Apostels als echt anerkannt worden waren, und 1938 verlängerte Papst Pius XI. das Heilige Jahr 1937 wegen des Spanischen Bürgerkriegs.

Die Heilige Pforte in Santiago 2027

Die Heilige Pforte, spanisch Puerta Santa, auch Pforte der Vergebung genannt, liegt an der Ostseite der Kathedrale an der Praza da Quintana. Über dem Eingang steht Jakobus als Pilger mit Hut und Stab, links und rechts seine Schüler Athanasius und Theodorus. Daneben sind in die Wand 24 Figuren von Propheten und Aposteln eingelassen, die aus dem alten romanischen Chor der Kathedrale stammen.

Geöffnete Heilige Pforte der Kathedrale von Santiago an der Praza da Quintana mit Jakobusfigur über dem Eingang

Wann wird die Heilige Pforte geöffnet?

Am 31. Dezember 2026. Der Erzbischof von Santiago, Francisco José Prieto, klopft dreimal mit einem silbernen Hammer an die Pforte und öffnet sie, danach wird eine feierliche Messe gefeiert. Anders als früher beginnt die Feier diesmal schon zur Mittagszeit und nicht erst am Nachmittag. Die Zeremonie wurde in den vergangenen Heiligen Jahren live im Fernsehen und im Internet übertragen.

Das Leitwort für 2027 hat Erzbischof Prieto im September 2026 vorgestellt: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“, ein Satz aus dem Matthäusevangelium über die Sterndeuter. Ein Bild, das gut zum Camino passt, denn der Name Compostela wird oft als „Sternenfeld“ gedeutet. Das ganze Programm des Heiligen Jahres will die Regierung Galiciens bis Ende 2026 vorstellen. Aktuelle Informationen der Kathedrale findest du auf catedraldesantiago.es.

Wie oft wird die Heilige Pforte geöffnet und wann wird sie geschlossen?

Die Pforte ist nur in einem Heiligen Jahr offen, also etwa alle sieben Jahre. Am 31. Dezember 2027 geht der Erzbischof als Letzter hindurch und verschließt sie wieder. Danach bleibt sie zu bis zum nächsten Heiligen Jahr 2032.

Was ist hinter der Heiligen Pforte?

Hinter der Pforte liegt ein kleiner Vorhof, von dem aus du direkt in den Chorumgang hinter dem Hochaltar kommst, ganz in der Nähe des Apostelgrabs. Wer durch die Heilige Pforte geht, betritt die Kathedrale also nicht durch einen Seiteneingang, sondern auf dem kürzesten Weg zu Jakobus.

Innen öffnet sich die Pforte im Chorumgang zwischen der Erlöserkapelle (Capilla del Salvador) und der Peterskapelle (Capilla de San Pedro). Die Fassade an der Quintana ist über Jahrhunderte gewachsen: 1611 wurden dort zwölf Figuren aus dem mittelalterlichen Steinchor von Meister Mateo eingesetzt, um 1660 wurden es 24, und 1694 kamen die drei Pilgerfiguren von Jakobus, Athanasius und Theodorus darüber hinzu. Zum Heiligen Jahr 2004 erhielt die Pforte bronzene Türflügel mit Szenen aus dem Leben des Apostels.

Seit wann gibt es die Heilige Pforte?

Ganz sicher weiß das niemand. Eine Erklärung sieht das Vorbild in Rom, wo Papst Alexander VI. das Ritual der Heiligen Pforte für das Jubeljahr 1500 festgelegt hat. Eine andere führt die Pforte auf eine Tür der romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert zurück. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Brauch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter Erzbischof Alonso de Fonseca entstanden ist. Seitdem hat sich der Ablauf der Öffnung kaum verändert.

Welcher Heilige liegt in Santiago de Compostela begraben?

In der Krypta unter dem Hochaltar der Kathedrale werden in einem silbernen Schrein die Reliquien des Apostels Jakobus des Älteren aufbewahrt. Der Überlieferung nach wurde sein Grab im 9. Jahrhundert in Galicien wiederentdeckt, darüber entstand die erste Kirche und später die Kathedrale. Mehr dazu liest du unter Auffinden des Apostelgrabes.

Silberschrein mit den Reliquien des Apostels Jakobus in der Krypta der Kathedrale von Santiago

Zu den Ritualen gehört für viele Pilger der Weg hinunter zum Grab und hinauf zur Jakobusfigur hinter dem Hochaltar, die du von hinten umarmen kannst. Diese Umarmung war während der Pandemie gestrichen und ist seit Juni 2023 wieder möglich. Zu welchen Zeiten der Zugang offen ist, regelt die Kathedrale und ändert es gelegentlich. Rucksäcke darfst du nicht mit hineinnehmen.

Was bedeutet der Ablass im Heiligen Jahr?

Für katholische Christen ist das Heilige Jahr ein Jubiläumsjahr mit einer besonderen Gnade: Wer in diesem Jahr die Kathedrale besucht, kann einen vollkommenen Ablass erhalten, für sich selbst oder für einen verstorbenen Menschen. Dafür gelten drei Bedingungen:

  • Du besuchst die Kathedrale und betest dort, zum Beispiel das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis, und für die Anliegen des Papstes.
  • Du gehst zur Beichte, in Santiago selbst oder in den 15 Tagen davor oder danach.
  • Du empfängst die Kommunion.

Den Ablass kannst du einmal am Tag erhalten. Der Weg durch die Heilige Pforte gehört für viele Pilger dazu, ist laut Kathedrale aber keine Bedingung. Wie du nach Santiago gekommen bist, spielt für den Ablass keine Rolle, auch wer mit dem Bus kommt, kann ihn erhalten. Die Compostela dagegen bekommst du nur, wenn du die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer mit dem Rad gepilgert bist. Für deutschsprachige Pilger gibt es in Santiago eine eigene Pilgerseelsorge mit Gottesdiensten auf Deutsch.

Meine Heiligen Jahre: 1993 und 2022

Als ich 1993 meinen ersten Camino gegangen bin, wusste ich gar nicht, dass es ein Heiliges Jahr war. Es hatte für mich keine Bedeutung, ich wollte Spanien sehen und fotografieren. Unterwegs waren im Vergleich zu heute sehr wenige Pilger, erst in Santiago war es voll. Erst später habe ich verstanden, dass Galicien genau in diesem Jahr begonnen hatte, den Jakobsweg unter dem Namen Xacobeo bekannt zu machen. Auf einem Stein am Weg hatte jemand neben den gelben Pfeil geschrieben: Bon Camiño Xacobeo 93.

Gelber Pfeil auf einem Stein mit der Aufschrift Bon Camiño Xacobeo 93, Jakobsweg im Heiligen Jahr 1993

Damals war der Haupteingang der Kathedrale geöffnet. Ich bin durch den Pórtico de la Gloria gegangen und habe meine Hand an die Säule gelegt, so wie es Pilger seit Jahrhunderten getan haben. Das war für mich ein sehr emotionaler Moment. Heute geht das nicht mehr, der Pórtico ist restauriert und die Säule ist zu ihrem Schutz abgesperrt.

Pilger mit Pilgerstäben drängen sich im Heiligen Jahr 1993 am Pórtico de la Gloria der Kathedrale von Santiago

2022 war ich mit Simone auf dem Camino Primitivo unterwegs und wir sind im verlängerten Heiligen Jahr in Santiago angekommen. Ich hatte mit langen Schlangen vor der Heiligen Pforte gerechnet. Als wir hinkamen, war sie fast menschenleer. Es gibt also auch in einem Heiligen Jahr Tageszeiten, in denen du ohne Warteschlange durch die Pforte gehst, wenn du dich ein bisschen antizyklisch verhältst.

Fast leere Heilige Pforte an der Praza da Quintana im verlängerten Heiligen Jahr 2022

„Es ist etwas ganz Besonderes, in einem Heiligen Jahr in Santiago anzukommen. Und es lohnt sich für jeden Pilger.“

Peter Kirchmann im Jakobsweg-Podcast, Folge 38

Ist der Jakobsweg 2027 überfüllt? So findest du trotzdem Ruhe

Das ist die Frage, die in unserer Community gerade am häufigsten auftaucht. Manche haben ihren Camino für 2027 geplant, ohne zu wissen, dass es ein Heiliges Jahr ist. Andere verschieben ihn bewusst, weil sie zu viele Menschen erwarten. Beides ist verständlich.

In den letzten Heiligen Jahren kamen ungefähr 100.000 Pilger mehr nach Santiago als in normalen Jahren. Wenn das 2027 wieder so ist, rechne ich mit rund 680.000 Pilgern, das ist meine eigene Schätzung. Die meisten davon gehen nur die letzten 100 Kilometer. Noch mehr Betrieb machen in Santiago selbst die Tagestouristen und Kreuzfahrtgäste, das lässt sich aus den Tourismusstatistiken der Stadt herauslesen. Deshalb sind viele Fußpilger bei der Ankunft erst einmal fast erschlagen von den Menschenmassen rund um die Kathedrale, obwohl sie unterwegs oft lange allein waren. Dazu kommt, dass der Anteil der Spanier steigt, weil das Heilige Jahr für viele von ihnen etwas ganz Besonderes ist. Eine echte Nebensaison gibt es dann kaum noch.

Trotzdem kannst du 2027 gut gehen. Diese Erfahrungen gebe ich dir mit, einige davon kommen aus unserer Community:

  • Unterkunft in Santiago früh buchen. Ich selbst werde 2027 in Santiago nichts dem Zufall überlassen. Viele Herbergen nehmen schon jetzt Reservierungen für das Heilige Jahr an. Wer es in Santiago ruhig haben will, schläft in einem Haus abseits der Plätze oder etwas außerhalb, zum Beispiel in Richtung Fisterra.
  • Die letzten 100 Kilometer reservieren. Auf dem Stück vor Santiago geht es im Heiligen Jahr kaum noch ohne Reservierung. Davor kannst du Herbergen auch am Vortag per Telefon oder WhatsApp anfragen, unser Herbergsverzeichnis hilft dir dabei.
  • Die ruhigeren Monate wählen. Im März und ab Mitte Oktober ist es deutlich ruhiger. Ostern fällt 2027 auf den 28. März, die Karwoche davor ist in Spanien Reisezeit.
  • Den Jakobstag bewusst planen. Rund um den 25. Juli ist Santiago so voll wie im ganzen Jahr nicht. Vom 15. bis 18. Juli 2027 ist außerdem eine europäische Jugendwallfahrt angekündigt.
  • Antizyklisch gehen. Die meisten Pilger laufen zwischen sieben und acht Uhr los und hören an denselben Etappenorten auf. Wenn du in den Orten dazwischen übernachtest, gehst du den ganzen Vormittag fast allein. Eine Pilgerin aus unserer Community ist 2022 auf dem Francés einfach erst gegen neun Uhr losgegangen, und schon war der Weg wieder leer.
  • An der Heiligen Pforte nicht in die erste Schlange stellen. Wie voll es an der Quintana ist, wechselt über den Tag stark. Schau lieber zwei- oder dreimal vorbei, irgendwann ist es ruhig, so wie bei uns 2022.
  • Einen ruhigeren Weg wählen. Auf dem Camino Francés ab Sarria wird es am vollsten. Auf die Vía de la Plata hatten die bisherigen Heiligen Jahre kaum Einfluss, und auch der Primitivo oder der Camino de Invierno bleiben deutlich stiller.

Lohnt es sich, am 25. Juli 2027 in Santiago anzukommen?

Am Jakobstag in einem Heiligen Jahr in Santiago zu sein, ist etwas, das viele einmal erleben wollen. Du solltest nur wissen, worauf du dich einlässt: Die Stadt ist an diesen Tagen so voll wie sonst nie, vor der Kathedrale und an der Heiligen Pforte wartest du lange. Wenn du dir diesen Tag vornimmst, reserviere die letzten Etappen und dein Zimmer in Santiago so früh wie möglich. Wenn du Menschenmassen nicht magst, komm lieber ein paar Tage früher an und erlebe das Fest von einem ruhigeren Platz aus.

Jakobsweg-Kalender 2027: Cover und Juli-Blatt mit dem Jakobstag am Sonntag, 25. Juli 2027

Das Heilige Jahr 2027 an deiner Wand

Unser Jakobsweg-Kalender 2027 begleitet dich durch genau dieses Heilige Jahr, mit 36 Bildern und Gedanken vom Camino Primitivo. Auf dem Blatt für die letzten Julitage steht der Jakobstag am Sonntag, 25. Juli, und darüber ein Satz, der gut zu einem vollen Heiligen Jahr passt:

„Jeder trägt seinen eigenen Camino in sich, auch wenn ihr denselben Weg teilt.“ Juli-Blatt

Ob du 2027 selbst nach Santiago gehst oder den Weg von zu Hause aus mitgehst: So hast du das Heilige Jahr jeden Tag vor Augen.

Unseren Kalender ansehen

Feste in Santiago im Heiligen Jahr

Beleuchtete Kathedrale von Santiago de Compostela bei Nacht mit Vollmond über der Praza do Obradoiro

Der Jakobstag am 25. Juli 2027

Die Feiern beginnen schon am Abend des 24. Juli. Auf der Praza do Obradoiro wird die Fassade der Kathedrale zur Leinwand für eine Licht- und Musikshow, danach folgt das Feuerwerk, die Fuegos del Apóstol. Am 25. Juli selbst, dem Nationalfeiertag Galiciens, bringt der spanische König oder ein Vertreter des Königshauses in einem Festgottesdienst die traditionelle Opfergabe an den Apostel dar. Wenn du an diesen Tagen in Santiago sein willst, buche deine Unterkunft sehr früh. Mehr zum Fest findest du unter Jakobstag in Santiago.

Botafumeiro und Pilgermesse

Das riesige Weihrauchfass schwingt an hohen Festtagen und zu besonderen Anlässen durch das Querschiff. Wann der Botafumeiro im Heiligen Jahr im Einsatz ist, gibt die Kathedrale kurzfristig bekannt. Alles zur Pilgermesse und zu den Ritualen in der Kathedrale findest du unter Kathedrale von Santiago de Compostela.

Die Tuna am Abend

Mein Tipp für den Abend: Gegen 23 Uhr spielen im Torbogen zwischen Obradoiro und Kathedrale fast jeden Abend die Tunas, Studenten und ehemalige Studenten in schwarzen Umhängen, mit Gitarren, Mandolinen und Tamburin. Die Leute bleiben stehen, singen mit und liegen sich in den Armen. Für mich ist das einer der schönsten Momente, um in Santiago anzukommen.

Woher kommt das Heilige Jahr? Die Geschichte

Für alle, die tiefer einsteigen wollen: Die Geschichte des Heiligen Jahres in Santiago ist spannender, als die offizielle Version vermuten lässt.

Die umstrittene Bulle „Regis aeterni“

Die Kathedrale von Santiago sagt, das erste Heilige Jahr sei 1182 gefeiert worden. Sie beruft sich auf eine päpstliche Bulle mit dem Namen „Regis aeterni“ (Ewiger König), die Papst Alexander III. 1179 ausgestellt haben soll und die ein Privileg von Papst Calixt II. bestätigt.

Historiker haben daran große Zweifel. Die Bulle verweist auf Ereignisse, die es 1179 noch gar nicht gab, zum Beispiel auf das erste römische Jubeljahr, das erst im Jahr 1300 gefeiert wurde, 121 Jahre später. Erhalten sind nur Abschriften aus dem 15. Jahrhundert. Viele Forscher halten die Bulle deshalb für eine spätere Fälschung. Belegt ist, dass der Besuch der Kathedrale schon im 13. Jahrhundert mit Teilablässen belohnt wurde. Für einen vollkommenen Ablass, ohne den es kein Heiliges Jahr gibt, fehlt aber vor dem 15. Jahrhundert jeder sichere Beleg.

Die ersten belegten Heiligen Jahre im 15. Jahrhundert

Jakobswegforscher wie Paolo Caucci von Saucken sehen 1434 als das erste Heilige Jahr, das sich historisch sicher belegen lässt. Einen spannenden Hinweis liefern die Lizenzen, die die englische Krone für Schiffspassagen nach Santiago ausstellte. 1428, als der 25. Juli auf einen Sonntag fiel, erhielten 916 Pilger aus England eine Lizenz, deutlich mehr als in den Jahren davor. 1434 waren es 2.310. Im Jahr 1423 dagegen, als der 25. Juli ebenfalls ein Sonntag war, wurden nur 60 Lizenzen ausgestellt. Damals wurde offenbar noch kein Gnadenjahr ausgerufen.

In den Heiligen Jahren standen die Pilger unter besonderem Schutz. Der kastilische König Johann II., zu dessen Reich Galicien gehörte, gewährte 1434 und 1445 Pilgern aus Italien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Schweden, Norwegen und jeder anderen Nation freies Geleit, zu Wasser und zu Land, bei Tag und bei Nacht.

Niedergang und Neubeginn

1630 bestätigte Papst Urban VIII. Jakobus als Schutzpatron Spaniens. Trotzdem gingen in den folgenden Jahrhunderten immer weniger Menschen nach Santiago, bis die Wallfahrt fast zum Erliegen kam. Im Spanischen Bürgerkrieg machte Franco 1937 den 25. Juli wieder zum nationalen Feiertag und belebte die staatliche Opfergabe an den Apostel neu, die bis heute am Jakobstag gefeiert wird.

Den großen Aufschwung brachte das Jahr 1993, als die Regierung Galiciens die Heiligen Jahre unter dem Namen Xacobeo zu bewerben begann. Ich habe es selbst erlebt, ohne es zu wissen. Seitdem wachsen die Pilgerzahlen fast jedes Jahr. Kritiker sagen, dass dabei das Religiöse hinter dem Tourismus zurücktritt. Die Erzbischöfe von Santiago erinnern deshalb in jedem Heiligen Jahr daran, worum es ursprünglich geht: um Umkehr und einen neuen Anfang. Mehr dazu findest du in der Geschichte des Jakobsweges.

Was ist der Unterschied zum Heiligen Jahr in Rom?

Die beiden werden oft verwechselt, auch bei uns in der Community. Das Heilige Jahr in Rom ist ein Jubiläum der ganzen katholischen Kirche und findet regulär alle 25 Jahre statt, zuletzt 2025. Das Heilige Jahr in Santiago ist eigenständig und hängt allein am Jakobustag. Beide haben eine Heilige Pforte, die nur im jeweiligen Jubiläumsjahr geöffnet ist.

Peter Kirchmann und Simone Ganz mit ihren Rucksäcken vor der Kathedrale von Santiago nach dem Camino Primitivo 2022

Du planst deinen Camino im Heiligen Jahr?

In unserer kostenlosen Jakobsweg-Community planen gerade viele ihren Weg für 2027. Dort kannst du deine Fragen stellen, Erfahrungen austauschen und bei unseren Live-Abenden dabei sein.

Kostenlos in die CommunityWelche Route passt zu mir?

Wie lief die Öffnung der Heiligen Pforte früher ab?

Bis vor wenigen Jahren war die Heilige Pforte zwischen zwei Heiligen Jahren zugemauert. Am Abend des 31. Dezember klopfte der Erzbischof auf der Praza da Quintana dreimal mit einem silbernen Hammer gegen die Mauer, die daraufhin eingerissen wurde. Als Erster ging er mit erhobenem Bischofsstab hindurch, gefolgt von einer Prozession aus Geistlichen, Ehrengästen und Gläubigen. Die Mauerbrocken waren begehrte Andenken, und der Hammer wurde am Ende einem Ehrengast geschenkt.

Seit der Restaurierung der Kathedrale wird keine Mauer mehr eingerissen, um die Innenräume vor Staub zu schützen. Der Erzbischof klopft heute an die Pforte und öffnet sie mit einem Schlüssel. Wie die Zeremonie aussieht, zeigt dieser Mitschnitt des spanischen Fernsehens von der Öffnung am 31. Dezember 2020, ab Minute 3 siehst du den Moment an der Pforte.

Heiliges Jahr 2027 in Santiago de Compostela 1

Zum Weiterhören: Heiliges Jahr 2021/22 in Santiago de Compostela

In dieser Folge von 2021 erzähle ich, wie es zur Verlängerung des Heiligen Jahres kam und welche Rituale in Santiago dazugehören.

Buen Camino, dein Peter

4 Kommentare zu „Heiliges Jahr 2027 in Santiago de Compostela“

    • Liebe Claudia,
      Bis Mai gilt Ausnahmezustand. Wie es danach weitergeht ist heute noch nicht zu sagen. Auch nicht, welche Herbergen dann geöffnet sind bzw. wieviele Herbergen es dann noch gibt. Und- eine Impfung ist natürlich eine persönliche Entscheidung sofern es nicht hierzu auch bald Regeln gibt.
      Buen Camino
      Peter

      Antworten
  1. Ein Gutes Neues Jahr euch allen!
    Heiliges Jahr, Ablass und erforderliches: hinsichtlich Beichte und Eucharistie in Santiago de Compostela – die sollte ja einerseits verständlich für den Beichnehmer sein und andererseits sollten die beichtende Person von diesem Beichtgespräch geistlich profitieren, Die deutschsprachigen Pilger können sich an die Auslandsseelsorge wenden
    https://www.auslandsseelsorge.de/pilgerseelsorge-santiago-de-compostela
    2019 waren deutschsprachige Messen in in der Kirche San Fiz de Solovio um 8:00 Uhr, direkt neben den Markthallen, im Heiligen Jahr 2021-22 wird gewiss, wenn es coronabedingte Auflagen zulassen, eine geistliche Betreuung deutschsprachiger Pilger möglich sein.
    An den caminos selbst gibt es eine Vielzahl von Pfarrkirchen, dazu folgende interaktive Karte
    https://www.google.es/maps/@40.6631256,-6.2287334,7z/data=!4m2!6m1!1s1Ri9eQL2rE26aoP3mQkZYbHWzBC4?hl=es
    Bernhard aus Tinos

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