Camino Primitivo-Unterwegs auf dem ältesten Jakobsweg

Der Camino Primitivo ist sehr anstrengend und anspruchsvoll. Er ist immer noch sehr ursprünglich geblieben und führt durch die faszinierende Bergwelt in Nordspanien. Diesr ursprünglich gebliebene Jakobsweg beginnt in der alten Königsstadt Oviedo.

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Über den Ursprünglichen Weg

Gleich nach der Entdeckung des Grabes des Heiligen Jakobus begann die Pilgerschaft zu seinem Grab. Eines der prominentesten Pilger gleich zu Beginn war im neunten Jahrhundert Rey Alfonso II. Er wollte das neu entdeckte Grab besuchen. Heute noch sehenswert ist die 2000 Jahre alte Römerstadt Lugo. Sie ist die älteste Stadt Galizien und hat eine sehr gut erhaltene Altstadt. Kurz vor Santiago de Compostela führt der Camino Primitivo in Melide auf den Camino Francés.

Respekt vor dem Weg, aber keine Angst

Der Camino Primitivo unterscheidet sich nicht nur landschaftlich von den anderen Jakobswegen in Spanien. Der Verlauf des Caminos führt zu Beginn durch das Kantabrische Gebirge und anschließend durch die Bergketten von Galizien.

Camino Primitivo Hospitales

Deshalb ist es wichtig, in der Vorbereitung auf diese Besonderheiten des Caminos einzugehen. Vor allem Jakobsweg Anfänger sollten sich auch mental darauf vorbereiten. Dennoch ist der Camino Primitivo machbar und man sollte sich durch die Beschreibungen nicht abschrecken lassen. Im Folgenden meine Tipps zur Einstimmung:

Gute Tipps für Anfänger auf dem Camino Primitivo

  1. Der Camino Primitivo beginnt an der Kathedrale von Oviedo. Die ersten Kilometer des Weges führen langatmig aus der Großstadt hinaus.
  2. Nach drei Tagen beginnt der Jakobsweg sich von seiner schönen Seite zu zeigen.
  3. Atemberaubende Wege führen durch die unberührte Natur Asturiens. Die Landschaft ist geprägt von Wiesen und Wäldern, von Wegaufstiegen und Täler. Die Ruhe und Einsamkeit in der Natur ist allgegenwärtig.
  4. Auf einzelnen Wegetappen gibt es unterwegs keine große Möglichkeiten mehr einzukaufen. Deshalb sollte Proviant und Wasser grundsätzlich für einen gesamten Tag in ausreichender Menge mitgenommen werden.
  5. Für Ungeübte Jakobswegpilger ist es manchmal ratsam, die vorgegebenen Etappen zu kürzen und Zwischenpausen einzulegen.
  6. Die Herbergsdichte und auch Nutzung der Infrastruktur ist auf dem Camino Primitivo zwar ausreichend vorhanden, jedoch nicht vergleichbar mit dem Camino Francés.
  7. Die Menschen entlang des Weges sind sehr freundlich und hilfsbereit. Sie wissen immer wo es den nächsten Brunnen gibt, eine Übernachtungsmöglichkeit vorhanden ist und geben gerne Informationen über die Wetterlage.
  8. Die Landschaft und Ruhe der Natur ändert sich spätestens kurz vor Santiago de Compostela, dort wo der Pilgerweg auf den Camino Francés trifft. Darauf sollten sich Naturliebhaber einstellen.

Der vielleicht härteste Jakobsweg der Welt

Seinen Namen „Camino Primitivo“, der „ursprüngliche Weg“, bekam dieser Jakobsweg, weil es sich um den ersten historisch belegten Pilgerweg handelt. König Alfons II. von Asturien pilgerte im 9.Jahrhundert nach der Auffindung des Apostelgrabes, als erster Pilger nach Santiago de Compostela.

Eines der Hauptmerkmale des Camino Primitivo im Vergleich zu anderen Jakobswegen in Spanien, ist die Härte des Weges. Die Route von Oviedo nach Lugo ist eine ausgesprochene Mittelgebirgsstrecke.

Der Abstieg zum Salime-Stausee und der Aufstieg zum Puerto del Palo müssen in einem Zug überwunden werden. Der Camino Primitivo ist ein ständiges Auf und Ab. Dabei läufst du durch alle Arten von Wegen: Pfade, Wiesen, Feldwege, Steinwege und auch Asphaltwege.

Im Winter ist der Weg nur für wirklich gute Wanderer geeignet. Da ein Großteil des Camino Primitivo über 800 Meter über dem Meer liegt, ist immer mit Schneefällen zu rechnen. Auch verschlammte und überschwemmte Abschnitte sind im Winter normal.

Camino Primitivo: Hospitales Route

Was ist die Hospitales Route? Sie ist auf dem Camino Primitivo die fünfte Etappe und sie wird als eines der landschaftlich schönsten Etappen aller Jakobswege bezeichnet. Es ist ein sehr beschwerlicher Weg führt durch hoch gelegene und unbewohnte Gebiete, die den Witterungseinflüsse stark ausgesetzt sind.

Camino Hospitales Mittelgebirge

Es ist also ratsam, in Begleitung zu gehen, Wasser und genügend Proviant mitzunehmen und natürlich die richtige Ausrüstung für Wind und Kälte dabei zu haben, auch im Sommer. Übersetzt heißt die Route die Strecke der Krankenhäuser oder aus dem Mittelalter stammend der Hospitäler beziehungsweise Klöster in denen die Pilger versorgt wurden.

Dieser Weg Abschnitt führt auch entlang mehrerer Ruinen von denen Hospitälern. Wenn man heute an den Ruinen von mehreren Hospitalen innerhalb von 15 Kilometern vorbeiläuft, dann kann man sich in etwa vorstellen, wie anstrengend der Weg auch damals schon gewesen sein muss.

Auf dieser Etappe mit insgesamt 26 Kilometern gibt es keine weitere Dörfer oder Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten und es geht von Boris auf 1200 Meter stetig bergauf. Es ist also ratsam, genügend PRoviant und Wasser zum trinken mitzunehmen.

Warum sollte man sich für den Camino Primitivo entscheiden?

Der Camino Primitivo ist eine wunderbare Möglichkeit die Wurzeln der Pilgerschaft nach Santiago de Compostela zu erleben. Die Route führt durch wenig besiedelte Gebirgsregionen mit beeindruckender Landschaft.

Camino Primitivo

Die Ursprünglichkeit der ersten Jahre auf den spanischen Jakobswegen ist hier noch fast vollständig erhalten. Wenn du genügend Zeit mitbringst und nicht in Tageskilometern denkst, dann kann dir dieser Camino sehr viel geben.

Wo beginnt der Camino Primitivo?

Der Camino Primitivo beginnt in der alten Hauptstadt von Asturien, in Oviedo. Offiziell starten die Pilger in der Kathedrale mit einem Pilgergebet. Eine weitere Möglichkeit gibt es für die Pilger des Küstenweges, die über einen Verbindungsweg in Gijon vom Camino del Norte abzweigen.

Der Jakobsweg führt dann über die alte Römerstadt Lugo um kurz vor Santiago de Compostela auf den Camino Frances zu treffen.

Camino Primitivo Etappenplanung, Länge und Dauer

Die Verbindungsstrecke zwischen dem Camino del Norte und dem Camino Frances beträgt 321 Km. Der „Ursprüngliche Camino“ gehört zu den anspruchsvollsten Jakobswegen in Spanien. Dabei überquert der Pilger einige Pässe durch das kantabrische Gebirge und führt durch eine unglaublich schöne Bergwelt im Norden Spaniens.

Camino Hospitales

Für diesen Weg sollten andere Tageskilometer geplant werden wie auf den anderen Caminos, da der ständige Wechsel zwischen bergauf und bergab Wandern viel Kraft erfordert. bei Tagesetappen zwischen 15 und 25 Kilometer kann man mit 20 Tagen Dauer rechnen um den Weg auch richtig genießen zu können.

Die Strecke des Camino Primitivo

Der Weg führt über fast unbewohnte Berggebiete mit geringen Dienstleistungen im weniger bekannten Landesinneren von Galicien und Asturien. Als Gegenleistung bietet diese Route herrliche Gegenden ohne Menschenmassen oder Straßen.

Camino Primitivo
Quelle: Wikimedia, Autor: almamía

Die Pilger haben die Möglichkeit zwei Städte mit bedeutenden Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Außerdem führt die empfohlene Route für Wanderer durch Gebiete mit wenig Asphalt, wahrscheinlich einer der verlockendsten aller Jakobswege. Der einzige Nachteil dieser Route ist in den Wintermonaten und im frühen Frühling der Schlamm und teilweise Überschwemmungen des Weges aufgrund der großen Niederschläge. Dafür erlebt man im Sommer herrliche grüne Täler.

Die Camino Primitivo Etappen: Wegstrecke

Distanz: 321 Km, Dauer: 13-15 Etappen, bzw. 2-3 Wochen.

Oviedo – San Juan de Villapanada (30 Km) – Salas (20 Km)- Tineo (20 Km)– Pola de Allande (28 Km) – La Mesa (23 Km) – Grandas de Saline (17 Km) – Fonsagrada (28 Km) – O Cádavo Baleira (23 Km) – Lugo (30 Km) – San Romao da Retorta (20 Km) – Melide (28 Km) – O Pedrouzo (33 Km) – Santiago (20Km).

Tipps zur Verpflegung für die gesamte Strecke und einzelne Etappen

Der Camino Primitivo, der von Oviedo nach Melide führt, ist 261 Kilometer lang und führt durch 36 Ortschaften mit Dienstleistungen. Somit gibt es durchschnittlich alle 7,3 km eine Stadt mit Dienstleistungen. Die Ortschaften sind gut über den gesamten Weg verteilt.

Notfalls kann ein gut organisierter Gepäcktransport bzw. Rucksacktransport entlang der gesamten Strecke in Anspruch genommen werden.

Es empfiehlt sich an den meisten Tagen den Rucksack mit Essen und Wasser für den kompletten Tag mitzunehmen. 

Die längsten Entfernungen, ohne eine Bar oder ein Geschäft, sind: 

Von San Roman da Retorta nach Melide (30,2 km). Der Camino Primitivo führt durch einige Dörfer, in denen es ein Lebensmittelgeschäft mit unregelmäßigen Öffnungszeiten gibt, und 4 km vor Melide liegt eine kleine Bar; 

Von Castroverde nach Lugo (22,2 km) führt der Camino Primitivo durch eine Reihe kleiner Dörfer, in denen es Getränke- und Lebensmittelautomaten gibt.

Von La Mesa nach Grandas de Salime (15,2 km), ohne ein dazwischen liegendes Dorf; 

Von Pola de Allande nach Lago (13,2 km), eine Bergstrecke, die den Aufstieg zum Puerto del Palo einschließt. Diejenigen, die mutig genug sind, der Variante der Ruta de los Hospitales zu folgen, sollten sich in Campiello mit Vorräten eindecken, denn zwischen dem letztgenannten Ort und Lago gibt es eine 24,8 km lange, einsame Bergstrecke. 

Schließlich ist noch zu erwähnen, dass die beiden größten Städte entlang dieser Strecke die beiden Hauptstädte sind: Oviedo mit etwas mehr als 200.000 Einwohnern und Lugo mit fast 100.000 Einwohnern. Die dritte ist Tineo, mit elftausend Einwohnern. Und natürlich am Ende des Camino Primitivo die Hauptstadt Galiziens, Santiago de Compostela.

Camino Primitivo GPS-Karten und GoogleMaps

Der Camino  Primitivo verbindet Oviedo am Camino del Norte mit Melide am Camino Francés. Dieser Weg verkürzt damit die Strecke des Camino del Norte bis nach Santiago de Compostela. Allerdings wird er deswegen nicht einfacher denn der Camino Primitivo gilt als schwerer Camino de Santiago.

Der Camino Primitivo beginnt bei der Kathedrale von Oviedo, das auch als Etappenziel auf dem Camino del Norte genutzt werden kann. Der Weg führt dann weg von der Küste Nordspaniens durch das Landesinnere von Asturien und Galizien.

Details zu GPS-Karten der einzelnen Etappen von Oviedo bis zur Kathedrale in Santiago de Compostela findest du hier:

Camino Primitivo GPX und KML

Höhenprofil Camino Primitivo – Ein einziges Auf und Ab

Wie bereits erwähnt, gehört der Camino Primitivo zu einem 310 Km langen Weg der gute Kondition erfordert. Der größte Höhenunterschied einer Tagesetappe beträgt 1200 Höhenmeter. In der unten stehenden Tabelle bekommst du eine Übersicht der einzelnen Tagesetappen. Wie immer sind diese exemplarisch aufgebaut. Abweichungen sind immer individuell von der jeweiligen Tagesform möglich.

EtappeKM bis SantiagoStartZielKmHöhenmeterDauer
Etappe 01321OviedoGrado28750 m 6,5 Std
Etappe 020GradoSalas23970 m6,0 Std
Etappe 030SalasTineo20800 m5,5 Std
Etappe 040TineoBorres16700 m4,5 Std
Etappe 05 V10BorresBerducedo über Hospitales241300 m7,0 Std
Etappe 05 V20BorresBerducedo über Pola de Allande291700 m8,0 Std
Etappe 060BerducedoGrandas de Salime211550 m5,5 Std
Etappe 070Grandas de SalimeA Fonsagrada27980 m7,0 Std
Etappe 080A FonsagradaO Cadavo241300 m6,5 Std
Etappe 090O CadavoLugo30700 m8,0 Std
Etappe 100LugoFerreira27600 m7,0 Std
Etappe 110FerreiraMelide20590 m5,5 Std
Etappe 120MelideArzua (CF)12200 m2,5 Std
Etappe 130Arzua (CF)O Pedrouzo (CF)19350 m4,5 Std
Etappe 140O Pedrouzo (CF)Santiago de Compostela20320 m4,5 Std

Das Höhenprofil in graphischer Form bei Outdooractive

Voraussetzung: Eine durchdachte Packliste für den Camino Primitivo

1.Etappe

2.Etappe

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Die beste Jahreszeit, um den Camino Primitivo nach Santiago de Compostela zu pilgern

Die beste Jahreszeit für den Camino Primitivo beginnt Ende April und geht bis Anfang Oktober. Auch im Hochsommer ist der Weg eine Alternative zum Camino Frances. Im Winter ist der Weg nicht zu empfehlen, da der Weg sehr verschlammt sein kann und auf den Berghöhen immer mit Schneeverwehungen zu rechnen ist. Viele Herbergen haben im Winter geschlossen.

Camino Primitivo Frühnebel

Camino Primitivo im Winter

Grundsätzlich raten die meisten Pilgerführer davon ab, die Strecke im Winter zu pilgern. Sowohl der Camino Francés als auch der Camino del Norte eignen sich besser für einen Wintercamino. Wer dennoch den Camino Primitivo im Winter gehen möchte, sollte wandererfahren sein.

Die Tage sind deutlich kürzer, längere Etappen sollten unterteilt werden. Häufig kann es sehr kalt werden. Möglichkeiten sich in Restaurants oder Bars aufzuwärmen gibt es deutlich weniger als auf dem Camino Francés. Entlang der Route sind viele Herbergen geschlossen. Deshalb sollte die tägliche Unterkunft optimalerweise vorgebucht werden.

Jederzeit kann die Strecke wetterbedingt Überraschungen aufweisen. Schneeverwehungen, nicht sichtbare Wegmarkierungen oder überschwemmte Wege sind nur eines der Abenteuer die auf den Pilger warten können.

Das Wetter auf dem Camino Primitivo

Die Daten sind in den letzten 30 Jahren erhoben worden und zeigen die Durchschnittswerte über diesen Zeitraum an. Die rote Linie zeigt die maximale Temperatur eines durchschnittlichen Tages für Oviedo und die blaue Linie das durchschnittliche Tagesminimum. Die gestrichelten Linien sind die jeweils heißesten und kältesten Tage eines Monats über 30 Jahre.

Wetter in Asturien: Oviedo

Wetter Camino Primitivo Oviedo

Wetter in Asturien: Borres

Borres Wetter Asturien

Wetter in Asturien: Fonsagrada

Fonsagrada Wetter Asturien

Lugo Wetter Camino PrimitivoWetter in Asturien: Lugo

Pilgerbericht vom Camino Primitivo

Im heutigen Interview zu Gast 2 Pilger, die am liebsten im letzten Jahr schon den Camino Primitivo gelaufen wären, aber aufgrund der Situation in Deutschland den Eifel Steig gelaufen sind. Zum Glück hat es jetzt dieses Jahr im September funktioniert. 

Sie waren fast drei Wochen auf dem Camino Primitivo unterwegs und haben über eine WhatsApp-Gruppe allen Freunden und Bekannten über ihren Weg live berichtet, die informiert werden wollten. Das war für mich besonders spannend, weil auch ich diesen Weg jeden Tag in Bild und Video miterleben durfte. 

Heide hat als Kosmetikerin jeden Tag mit vielen Menschen zu tun. Während Peter als Verwaltungsbeamter voll fit in den Camino Primitivo mit eingestiegen ist. Viel Spaß im heutigen Interview.


Liebe Heide, auf was könntest du auf dem Camino Primitivo nicht verzichten?


Auf dem Schlafsack würde ich nicht mehr verzichten wollen.


Hat es bestimmte Gründe, auf den Schlafsack nicht verzichten zu wollen?


Ja, das hat es. Es war ein Erlebnis vorausgegangen. Definitiv ein sehr bewegendes Erlebnis. 

Wir hatten die ersten drei Etappen ganz gut hinter uns gebracht und meine Lieblingsetappe, das war die Hospitals Route, stand noch bevor. Ich wusste zwar nicht, ob ich sie packen werde, deshalb sind wir so nah wie möglich an den Startort der Etappe gelaufen, das war das Dorf Borres.

Das war ein kleines Dörfchen und die Pilgerherberge war oben auf dem Berg. wir haben uns ein Bett ausgesucht und uns da breit gemacht. 

Gleich darauf hat uns auch ein junger Mann gesagt: Oh, wenn ihr duschen geht, schön aufpassen, weil wenn man nach links dreht, da wird es gleich heiß, da kommen heiße Tropfen raus. Und wenn, wenn ihr nach rechts dreht, wird es eiskalt. Na dann. 

Aber das war nicht das, was uns abgeschreckt hat zu späterer Stunde. Es sind dann einige Spanier noch hereingekommen und standen dann irgendwann vor Peters Bett und haben versucht, aus einem gebrochenen Englisch meinem Mann klar zu machen, dass sie das ganze hier gemietet hatten und wir raus mußten. 

Nun ja, irgendwo ging es rechts die Treppe hoch und noch mal links. Das hatte ich mir vorher schon angeschaut und da stand auch ein Etagenbett. Das war abgedeckt mit Plastik und da habe ich noch gedacht, da kann man nicht schlafen. 

Mir wurde dann ganz blitzartig klar, wir müssen da raus und da oben schlafen. Und das war nach außen hin offen und es war halt nicht so toll sauber. Und dann sind wir halt zähneknirschend raus und da hoch. Wir haben erstmal die zerschnittenen Müllsäcke von den Betten geholt. Das Bett, die Bettwäsche war nicht schmutzig, aber drum herum war halt alles offen. Von dem was Mücken da angerichtet haben und die Spinnweben die vom Bett und von der Decke gehangen haben möchte ich gar nicht viel erzählen.

Und den Tag vorher hatten wir noch in einem tollen Hotel übernachtet, im Vier-Sterne-Hotel und dann kamen wir sozusagen in ein Drecksloch. Das das war es für mich. 

Das hat mir wirklich schwer zu schaffen gemacht. Mein Ego war etwas schockiert und ich habe mit mir gekämpft. Wirklich zwei Stunden. Ich habe mich dann auch etwas verkrümelt. Mir sind dann etwas die Tränen gelaufen und irgendwann, nachdem ich mein Herz richtig Luft gemacht hatte, dann ging es mir besser. 

Und dann kam die Kraft zurück. Und was ich sagen will ohne meinen Schlafsack hätte ich mich nie auf das Bett gelegt. Niemals. Ich war richtig glücklich, den Schlafsack dabei zu haben. 

Durch diese Erfahrung war mir klar, am nächsten Tag werde ich die Hospitals Route laufen. Jetzt hält mich keiner mehr auf.


Peter wofür würdest du auf dem Jakobsweg mitten in der Nacht aufstehen?

Da würde ich schon sagen, wenn es uns wieder auf so eine schöne Etappe geht, wie die Hospitales Route. Das war so herrlich, die Höhen Etappe mit den Pferden. Da würde ich wirklich nachts aufstehen, auch um den Sonnenaufgang zu erleben.

Heide, wie seid ihr zum Jakobsweg gekommen? 

Ich habe eine Freundin, die den Jakobswegschon vor 10 Jahren gelaufen ist. Und sie kam sehr beschwingt und mit viel Energie zurück. Die war so richtig gut drauf, um es mal so zu nennen. 

Und dann habe ich sie gefragt: was hast du gemacht? Ich bin den Jakobsweg gelaufen. Was ist das? Ja, das ist ein Weg in Spanien. 

Dann an einem Sonntag, lief im Fernsehen wieder der Hape Kerkeling Film und ich habe mir den angeschaut. Und obwohl ich von dem Film eigentlich gar nicht so sehr begeistert war, habe ich das Gefühl gekriegt, jetzt ist es Zeit. Ich glaube, ich muss das machen.


Peter, wie hast du reagiert, als du gehört hast, Heide möchte den Jakobsweg laufen?


Also ich habe mir irgendwie gedacht, dass das nicht meine Priorität ist. So lange Strecken als Wanderer. Aber durch unsere Wanderung auf dem Eifelsteig, die wir letztes Jahr machten, bin ich schon ein bisschen auf den Geschmack gekommen und hab auch gemerkt, dass das das Laufen über so lange Zeiträume hinweg auch den Kopf sehr frei macht. 

Und man macht eigentlich nicht viel anderes als laufen, essen, schlafen. Damit wird man ein bisschen leer vom Kopf her. Man hat also gar keine Zeit sich um irgendwelche Probleme zu kümmern und das tritt alles im Hintergrund. Das fand ich sehr schön.


Es war eine fantastische Idee, den Jakobsweg über eine WhatsApp-Gruppe für sich und für seine Freunde, quasi diejenigen, die wollen, mit auf den Weg zu nehmen.

Heide, wie kam die Idee dieser WhatsApp-Gruppe bei dir auf?


Es kam, weil ich sehr vielen Leuten erzählt habe, dass ich den Camino Primitivo laufen werde. Und es bestand bei Einigen und bei meinen Freunden wirklich ein großes Interesse: Oh, das wird mich ja auch mal interessieren. Das das wird mir vielleicht auch mal Spaß machen. 

Und dann ist mir die Idee gekommen, vielleicht könnte ich einfach mal eine Whatsapp Gruppe mache, dann könnt ihr mitgehen. 

Zu Hause habe ich versucht ein bisschen zu filmen und zu trainieren. Eben wie das ist, wenn man filmt und Fotos einsetzt, wenn man das ein bisschen dokumentiert. Ich war da ziemlich unbedarft.

Dann sagte ich zu mir, Okay, ich denke ich probiere es einfach mal. 

Ich habe gesagt Ihr werdet aber wahrscheinlich überschüttet mit Bildern und Videos. Weil ganz einfach für mich ist es wie ein Tagebuch. Ich habe das erlebt, wie ich vom Eifelsteig zurückkam. Ich habe mir kleine Filme zusammengestellt und wenn ich mir die dann anschaue, bin ich direkt wieder in dieser Energie drin. 

Ich kann die Energie, die ich auf dem Weg da gefühlt habe, wieder abrufen. Ob es jetzt schön war oder auch wunderschön, ob sie hässlich war oder schön. Und das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht oder das bereitet mir viel Freude im Nachhinein noch. Ich schaue mir das an, auch im Fernsehen, am besten auf dem großen Bildschirm und dann bin ich direkt wieder auf dem Camino Primitivo. 

Ich bin direkt wieder auf dem Jakobsweg und ja, man kann das abrufen, kann die Energie abrufen, die ich da empfunden habe, kann in die Ruhe gehen. 


Dass das heißt, die ursprüngliche Idee von dir war, deine Bekannten mit auf den Weg zu nehmen. Und für dich persönlich ist es ein Tagebuch. Du kannst jetzt auch im Nachhinein nach dem Weg dir noch mal deine Filme anschauen, deine Fotos und kommst so auch noch mal ganz normal auf deinen Weg zurück und bist wieder präsent. 

Gab es auch Momente, wo es mit dem Handy zu viel war?


Es gab einen Tag, da habe ich gar nicht gefilmt. Da war es mir alles zu viel geworden, weil es mir nicht gut ging. Und der Weg war sehr bescheiden. Und da habe ich entschieden Heute filme ich nicht. Das war der Weg nach Lugo und da habe ich nicht gefilmt. 

Ich war die einzige, die das in der Form gemacht hat auf dem Camino Primitivo. Also ich habe niemanden gesehen, der in diesem Umfang das Handy in der Hand hatte. Das ist schon mühsam, aber da ich im Vorfeld das trainiert habe, hat es mich nicht belastet.

 Ich fange in diesen Momenten ganz bewusst Szenen ein, die Bilder werden noch stärker im Kopf, also noch präsenter meines Erachtens. 

Aber ich habe es gerne getan, weil mir das einfach wert war.


Peter, wie habt ihr euch auf den Jakobsweg vorbereitet?


Wir haben uns vorbereitet, in dem wir hier im Saarland von zu Hause aus mit Gepäck ziemlich lange Strecken gelaufen sind. Und wie gesagt mit dem Marschgepäck, das bei mir so um 14 Kilo und bei der Heide so 10 Kilo war.

Auf dem Camino Primitivo Herbergen vorbuchen oder nicht?

Viele Herbergen und auch viele Organisationen haben gesagt bitte vorbuchen, damit wir wissen, wie viele Pilger unterwegs sind und wie viele Pilger heute Abend in der Herberge ankommen werden. Ihr habt bewusst darauf verzichtet. Wie war dann für euch dieses am Abend noch nicht genau wissen, wo man unterkommt, wo man schläft? Wie seid ihr damit umgegangen?


Die ersten drei, vier Etappen hat das ganz gut geklappt und wir sind einfach angekommen, und haben vor Ort gesucht, wo wir schlafen können. Das haben wir eigentlich ziemlich locker gesehen. 

Und erst nach dem dritten Tag haben wir dann wirklich jeden Abend in unserer Unterkunft gesessen und haben unseren Weg für den nächsten Tag eingeteilt. Wir haben überlegt wo laufen wir hin? Dann haben wir im Internet gesucht. Was gibt es da vor Ort? Welche Herbergen? Wir haben auch wegen Corona versucht, mehr in privaten Herbergen zu schlafen oder Pensionen.


Teilweise ging es auch einfach über Internet. Booking.com war auch manchmal noch schnell was zu buchen, aber manchmal auch nicht. Da ging es eben direkt über irgendwelche Weblinks, wo dann eine Pension drauf war und dann kommt man eben angerufen und für den nächsten Tag was abgemacht. Hat natürlich auch den Vorteil gehabt, dass man immer schauen konnte wie weit laufen wir morgen schaffen wir 25, 30 km? Wie ist die gesundheitliche Verfassung zu?

Wie war der Beginn eures Camino Primitivo in Oviedo?


Man läuft erst mal eine ganze Weile aus Oviedo raus. Und was mich und auch meine WhatsApp Freunde so verwundert hat, der Camino Primitivo ist kein Premium Wanderweg, das heißt, es geht auch einiges über Straße. Das darf man nicht unterschätzen. 

Bis wir auf dem Weg waren, wo der Weg sich wirklich gezeigt hat, wo die Magie des Weges eigentlich erst sich bemerkbar gemacht hat, da sind wir erst mal drei Etappen gelaufen und die war nicht so toll. 

Ich denke, dass es auch eine Vorbereitung ist, die anderen Etappen wirklich genießen zu können. Und dann hat sich der Camino Primitivo von der schönsten Seite gezeigt, und zwar immer mehr. 

Es war faszinierend, das erleben zu dürfen und die Kraft, die dabei frei wurde auf dem Weg. Das war so toll, das hat uns so motiviert. Wir haben solche Schübe gekriegt. Wir sind gelaufen. 

Das war für uns selbst fast unfassbar, wo die Kraft herkommt. Da war einfach Kraft und das ging wirklich plötzlich. 30Km war kein Problem. Und zum Schluss sind wir ja auch zweimal 40 Kilometer gelaufen. Auch kein Problem. Das wir das schaffen, hätte ich mir nie zu träumen gewagt. 


Was war für dich, Heide, das schönste Erlebnis auf dem Camino Primitivo? 


Es war einfach Die Hospitales Route. Es war mitunter eines der schönsten Erlebnisse, die ich da hatte, weil es so lang anhaltend war. Im Nachhinein kamen einige schöne Erlebnisse, sie waren nur etwas kürzer. Aber die Hospitales Route auf dem Camino Primitivo war etwas ganz Besonderes.

Viele hatten gesagt, die Route ist so schwer. Dabei war es gar nicht so schwer, weil man so in den Bann gezogen wurde von diesem Weg. 1000 Höhenmeter Aufstieg. Man merkt ihn nicht, weil man nur am Gucken ist und am Staunen und am fühlen. 

Wir waren nur die ganze Zeit mit offenem Mund rumgelaufen. Mein Gott, ist das so schön. Und was man da so fühlt, das ist gigantisch. Es ist gigantisch und wir haben es nicht gemerkt.

Und deshalb sollte man wirklich auf sein Bauchgefühl hören und das machen, was das Bauchgefühl sagt. Ich hatte nur wirklich Angst gehabt, weil im Internet gesagt wurde die Route wäre so fürchterlich schwer und man könne sie nicht laufen. Und wenn man wirklich gutes Wetter hat, kann ich jedem nur nahelegen, wer dort ist, der muss das unbedingt machen. Es ist ein Highlight.


Was hat die Hospitales Route für dich so einzigartig gemacht?


Zum einen waren es die Bilder und zum anderen war es das, was ich gefühlt habe. Ganz tief in mir drin. Und das wurde da am meisten freigesetzt. Zumal es dort auch sehr ruhig war. Es sind schon einige Pilger diesen Weg gelaufen, aber man hat genug Abstand gehabt und man konnte ihn für sich alleine laufen. 

Und was das in mir freigesetzt hat, dieses Gefühl. Ich kam eigentlich da sehr weit zu mir selbst. Und wenn man sich sehr sehr nahe kommt, das ist schon sehr erhebend, wenn ich es mal so sagen darf, dieses spirituelle Erleben, das kann man nicht jedem so nahe legen. Aber vielleicht jemand, der selbst etwas spirituell ist, der weiß, wovon ich rede. Man kommt sich da sehr, sehr nahe. 

Man findet sich da sehr stark und der Geist ist wirklich der Weg. Man ist wirklich sich selbst. Ganz sich selbst und das ist wunderschön. Man wird eins mit allem und das ist wunder wunderschön. Ich kann es nur jedem empfehlen. 

Und ich denke, dass es viele erleben, unbewusst erleben. Sie finden es wunderschön, wissen nicht warum. Denke ich mal. 

Ich weiß nicht, wie ich es anders sonst beschreiben soll. Es macht einfach zufrieden, erfüllend, glücklich. So kann man sagen, das war da so. 


So unglaublich schön jetzt erklärt und unglaublich schön rübergebracht. Das Eins werden mit dem, was um dich herum ist, das Eins werden mit der Natur, mit dem, was ist. Diese Einfachheit und gleichzeitig diese Verbundenheit zu spüren, das ist das, was du dann später in den anderen Begegnungen oder an dem, was du später auf dem Weg auch noch mal erlebt hast, in Kürze in immer kürzerer Zeit. Aber an diesem einem Tag bringt dieser Weg so viele Momente und so viele. Wunderschöne Aussichten und und dass der Geist zur Ruhe kommt, so stelle ich mir das vor.


Also das ist doch der Geist ist eigentlich befreit von allem und man wird wirklich mit allem eins und das ist schön und man fühlt sich selbst ganz, ganz stark.

 

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6 Gedanken zu „Camino Primitivo-Unterwegs auf dem ältesten Jakobsweg“

  1. Hallo zusammen,

    ich habe nächsten Mai exakt 14 Tage Urlaub und schwanke zwischen dem Camino Ingles und dem Primitivo. Sportlich bin ich fit, aber ist der Primitivo in 2 Wochen wirklich machbar?
    Welcher alternative Einstieg wäre am Primitivo sonst zu empfehlen, um die Strecke etwas zu kürzen? Danke für eure Einschätzung, LG!

    Antworten
    • Liebe Gloria,
      Es gibt Pilger die sehr gut eingelaufen sind, weil sie vom Camino del Norte auf den Primitivo abzweigen. Diese könnenn bei guter Kondition in 14 Tagen bis Santiago kommen. Für normal gehende Pilger sind jedoch 14 Tage fast nicht machbar, zumal du ja auch noch den An- und Abreisetag hinzuzählen solltest.

      Falls dir das Ankommen in Santiago nicht ganz so wichtig ist, kannst du in Oviedo starten und in einem weiteren Urlaub dort beginnen wo du aufgehört hast. Dann könntest du das zweite Mal auch bis Finnisterre laufen. Eine weitere Möglichkeit wäre mit dem Bus/Taxi? bis Tineo und dort den Camino Primitivo beginnen. Du sparst so 3-4 Tage ein.

      Viel Spaß bei deinen Vorbereitungen.
      Buen Camino
      Peter

      Antworten

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