Santiago de Compostela

Santiago de Compostela ist der Endpunkt des Jakobsweges und für viele Pilger bedeutet die Ankunft in Santiago pure Emotionen nach einer langen Pilgerreise. Die Ankunft am Apostelgrab ist etwas ganz Besonderes und Ziel der Pilgerschaft.

Santiago de Compostela

Im Folgenden erfährst du vieles über die Stadt des Apostel Jakobus, seine Geschichte und seine Entwicklung über die Jahrhunderte hinweg. Zum Schluss auch noch Tipps zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Inhaltsverzeichnis Anzeigen

Santiago de Compostela: Ursprünge und Historie

Vor der Entdeckung des heiligen Jakobus, scheint sich an dem Ort an dem sich der historische Stadtkern befindet, eine römische Kleinstadt befunden zu haben.

Archäologische Ausgrabungen unterstützen diese Theorie. Die römische Stadt soll bis in das 7. Jahrhundert hinein bestanden haben. Auch der Jakobsweg selbst könnte zuvor schon als Initiationsweg, als eine Art Lebensweg Vorbereitung betrachtet worden sein.

Sechs Jahrhunderte zuvor (im ersten Jahrhundert) war neben der Enklave auch ein Mausoleum errichtet worden, in dem der Legende nach die Jünger des Apostels Santiago, Teodoro und Atanasio, seine sterblichen Überreste begraben hatten. Der christliche Friedhof rund um die damalige religiöse Stätte wurde bis zum 7. Jahrhundert genutzt.

Die Gründung der Stadt Santiago de Compostela

Die Geschichte vom mittelalterlichen Santiago de Compostela reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück, als der Einsiedler Pelayo zwischen 813 und 830 eine Lichterscheinung entdeckte. Das Licht, (oder die Sterne) beleuchtete die Ruinen einer alten Nekropole. 

Der Einsiedler informierte Bischof Teodomiro, vom benachbarten Iria Flavia, über den Fund. 

Dies geschah zu einer Zeit, als die heftigen Maurenstürme das Abendland erschütterten. Bischof Theodemir von Iría Flavia ließ unter Fasten und Beten die von wundersamen Lichtzeichen überstrahlte Stätte ausgraben und bestätigte den Fund des in Vergessenheit geratenen Apostelgrabes.

Der Bischoff wiederum teilt die Entdeckung dem damaligen Monarchen des asturisch-galizischen Königreichs, Alfons II. mit. 


Film zur Geschichte von Santiago de Compostela:


König Alfons II. Als erster Jakobspilger

Der asturische König wiederum kam mit seinem ganzen Hof aus Oviedo, der damaligen Hauptstadt des Königreiches, nach Santiago de Compostela um das Grabmal zu besichtigen. Er war somit der erste Jakobspilger in der Geschichte der Pilgerschaft. Er legte damit auch den Grundstein für den späteren Camino Primitivo, der im Frühmittelalter von Oviedo bis nach Santiago de Compostela geführt hatte.

König Alfons II. erkannte die Grabstätte des Apostel Jakobus als echt an. Außerdem ernannte er den Apostel zum heiligen Schutzpatron seines Königreichs und ließ an dieser Stelle eine erste kleine Kathedrale von Santiago de Compostela bauen. Die einfache Kirche behütete in seinem Innenraum das aus der Römerzeit stammende Mausoleum.

Gleichzeitig befahl Alfons II., ein Kloster für die Mönche zu bauen, die den Tempel und die Überreste des Apostels bewachen sollten. Dies ist das heutige Gebäude des Kloster San Martin Pinaio, das sich in unmittelbarer Nähe der Kathedrale von Santiago befindet.

Was bedeutet Santiago de Compostela?

Die Namensgebung beinhaltet zum einen den Namen des Apostel Jakob, auf spanisch Santiago. Für den zweiten Teil des Namens gibt es mehrere Auslegungen: Campus stellare, das Sternenfeld, aus der Ableitung der Lichterscheinungen die zum Wiederauffinden des Sarkophags führte. In einer Legende waren es die Sterne, die diese Stelle beleuchteten. 

Eine weitere Legende besagt, dass Kaiser Karl dem Großen in einem Traum ein Engel erschien und ihn aufforderte, den Weg zum Grabmal nach Santiago zu befreien. Und gleich ihm werden die Menschen so zahlreich wie die Sterne am Himmel nach Santiago pilgern.

Wie kam der Apostel Jakobus nach Santiago de Compostela?

Es war ein unwirklicher und abgelegener Landstrich am Ende der damaligen Welt, Finis terrae nannten es die Römer, und auch für die späteren Eroberer der Iberischen Halbinsel, für Vandalen, Westgoten und Mauren, lag es unendlich fern von den Zentren der Welt.

Historische Jakobswege im Mittelalter

Jakobus soll der Legende nach, die Frohe Botschaft in Spanien verkündet haben. Nach seiner Rückkehr ins Heilige Land ließ ihn Herodes Agrippa 44 n.Ch. enthaupten. Sein Grab sollte man folglich in Jerusalem vermuten. Wie die sterblichen Überreste nach Spanien gelangten, bleibt unklar.

Die Legende über das Auffinden des Apostels

Den genauen übernatürlichen Hergang erzählt der mittelalterliche Pilgerführer ‚Codex Calixtinus‘: Der Leichnam des Apostels wurde nach seiner Enthauptung in ein Boot gebracht und dem Willen des Herrn überlassen. Engel haben dann das Boot nach Galizien gelenkt.

Die Legende um das Auffinden des Apostelgrabes in Santiago de Compostella im frühen Mittelalter ließ ganz Europa aufhorchen. Urplötzlich war sie aufgetaucht, Jahrhunderte erst nach dem Märtyrertod des Apostels in Jerusalem.

Dann entstanden Geschichten um Geschichten über den Lebensweg und das Wirken des heiligen Jakobus. Sie wurden ausgeschmückt und weitererzählt und bewegten die Menschen auf erstaunlichste Weise. Keine andere Heiligenstadt ist so lebendig geworden wie die des Zebedäussohnes.

Die Pilgerschaft zu seinem Grab durch ganz Europa, wurde zum waffenlosen Kreuzzug gegen die Mauren.

Das Apostelgrab in Santiago de Compostela

Santiago de Compostela übte mit dem zweiten Apostelgrab, neben dem von Petrus in Rom, eine ungemein starke Anziehungskraft aus. Trotz der Randlage dieses Ortes am Ende der damaligen Welt, machten päpstliche Privilegien, Ablässe und schier unglaubliche Wunderberichte den Jakobsschrein über Jahrhunderte hinweg zum einem bevorzugten Pilgerziel. 

Kathedrale Santiago

Mit der Eroberung Jerusalems 1187 durch die Araber war ein wichtiges Pilgerziel unerreichbar geworden. Dies stärkte wiederum die Wallfahrt nach Santiago de Compostela. So wurde Santiago zum bedeutendsten Wallfahrtsort der Christenheit, mit dem nur noch Rom konkurrieren konnte. Der Aufschwung des Weges begann.

Beginn der Pilgerschaft nach Santiago de Compostela

Die Arbeiten der romanischen Kirche beginnen bereits kurz nach der Stadtgründung und der Entdeckung des Grabes. Die Stadt wurde im Jahre 830 gegründet. Die erste Kirche Santiagos war eine einfache Kirche, die in ihrem Innern das aus der Römerzeit stammende Mausoleum behütete.

Anschließend unternahm Santiago seine ersten Schritte, auf seinem Weg zu einem spirituellen Leuchtfeuer Europas. Die Pilgerstätte wurde immer stärker besucht, der Kirchenschatz wurde größer.

Santiago de Compostela Rucksack

Von diesen Schätzen angezogen, fielen die Normannen immer wieder durch die Ria de Arousa ein und versuchten die Stadt zu überfallen.

Den größten Überfall erlebte die Stadt Santiago de Compostela allerdings im Jahr 997, als die Mauren unter Führung von Almanzor aus Cordoba kommend, die Stadt plünderten. Sie nahmen zwar die Glocken der Kathedrale mit nach Cordoba, ließen aber das Grabmal des Apostel Jakobus unberührt.

Die erste Stadterweiterung von Santiago de Compostela

Mit dem Wiederaufbau der Stadt beginnt die Stadterweiterung von Santiago de Compostela. Es wurden befestigte Mauern errichtet, die die Kontur der heutigen historischen Altstadt definieren. 

Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen der Grundmauern, damit im Jahr 1075 die Arbeiten einer deutlich größeren Kathedrale beginnen konnten. Dies entsprach auch der gestiegenen Bedeutung und Dynamik der Pilgerfahrten.

Santiago de Compostela wurde so zum geistlichen Zentrum Westeuropas und Empfänger vieler verschiedener Kirchenschätze, welche die Kathedrale bereicherten.

Die Kathedrale von Santiago de Compostela

Dank des anfänglichen Impulses von Bischof Diego Peláez und König Alfons VI. Und vor allem des Vorstoßes von Diego Xelmírez, dem ersten Erzbischof von Compostela und Architekten für die Umgestaltung der Stadt, begannen die Arbeiten der romanischen Kathedrale von Santiago de Compostela. 

Diego Xelmírez wurde 1099 zum Bischoff ernannt. 

Er war eine Hauptfigur in der Politik des Königreiches von Galicien, Kastilien und León und richtete sein Schaffen auf den Bau der Kathedrale von Santiago de Compostela.

Santiago de Compostela

Er koordinierte ebenfalls die Bauten des erzbischöflichen Palastes und weitere Kirchen, welche die von ihm herbeigebrachten Reliquien aufnehmen sollten. Zu diesen Kirchen zählt z.B. die Kirche Santa Susana, die zweite Schutzpatronin der Stadt. Meister Esteban wurde mit den Arbeiten beauftragt, die 1125 beendet wurden.

Dombaumeister Mateo 1168

1168 beginnt die zweite große Etappe des Dombaus. Hierbei wird der Baumeister Mateo mit den Arbeiten beauftragt. Er war zu jener Zeit der wichtigste Künstler auf der Iberischen Halbinsel. Seine Person ist in Santiago mit zwei Monumenten des Doms verbunden: Dem steinernen Chor und dem berühmten Glorienportal (‘Pórtico da Gloria’), das 1188 vollendet wurde.

Kathedrale von Santiago de Compostela Porta de Gloria

Das Glorienportal der Kathedrale von Santiago de Compostela zählt heute zu einem der bedeutendsten Meisterwerke der Romanik. 

Einweihung der Kathedrale von Santiago de Compostela 1211

Nach der Einweihung der Kathedrale im Jahr 1211 beginnt das goldene Zeitalter der Pilgerfahrt nach Compostela, ein Boom an Pilgern aus ganz Europa und eine religiöse Leidenschaft, die auch die Entwicklung der Stadt veränderte. 

Für viele Historiker war das zwölfte und dreizehnte Jahrhundert, das prächtigste in der Geschichte von Santiago de Compostela. 

Der große Pilgerstrom hatte sich längst vom Camino Primitivo auf den Camino Frances verlagert. Er wurde zum wichtigsten Pilgerweg nach Santiago.

Der Codex Calixtinus

Damals wie heute, war es ein Buch, dass zu einem weiteren Auslöser einer wahren Pilgerwelle beitrug. Der Codex calixtinus war der erste mittelalterliche Reiseführer über die Jakobswege in Europa.

Das Jakobsbuch (lateinisch Codex Calixtinus 1160-1180) ist der Eigenname eines Manuskripts aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, das den ältesten Text des Liber Sancti Iacobi (ca. 1140) enthält. Er ist der bekannteste aus dem Mittelalter stammende Codex über die Wallfahrten zu Ehren des Heiligen Jakobus und besteht aus 5 Büchern.

Inhalt des Jakobsbuches

Es beinhaltet Predigten, Hymnen, Wunder, Geschichten über die Übersetzung des Apostels, liturgische Texte und Musikstücke, die sich auf den Apostel Santiago beziehen. Sein viertes Buch erzählt die Entdeckung des Grabes durch Karl den Großen. Der fünfte Teil ist eine Art Leitfaden für Pilger, die dem Jakobsweg auf ihrer Reise nach Santiago de Compostela folgten, mit Ratschlägen, Beschreibungen der Route und der Kunstwerke sowie den örtlichen Bräuche der dort lebenden Menschen auf dem Weg.

Codex Calixtinus

Dieses Dokument wird heute im Museum der Kathedrale von Santiago de Compostela aufbewahrt. (Foto: Von M a n u e l from Valdemoro, Spain)

Der verschwundene Codex Calixtinus

Letztmalig größere Beachtung in den Medien fand der Codex Calixtinus im Jahr 2011, als das Buch aus dem Safe des Archivs der Kathedrale von Santiago de Compostela verschwand. Ein Jahr später fand man es unbeschädigt in der Garage eines Elektrikers wieder, der in der Kathedrale tätig gewesen war.

Die zweite Stadterweiterung von Santiago de Compostela

Die immer stärker werdenden Pilgerströme führten im Mittelalter zu einer zweiten Stadterweiterung, der Niederlassung der Bettelorden in neu gebauten Klöstern. 

Ansiedelung von Klöstern

Die Klöster von San Francisco, Santo Domingo, Santa Clara oder Belvís unter anderen, schufen dabei neue Siedlungen, welche die Struktur der Stadt außerhalb der Stadtmauern bestimmten. Die Pilger kamen inzwischen aus ganz Europa auf unterschiedlichen Jakobswegen nach Santiago.

Im Laufe des späten Mittelalters wurde Santiago de Compostela auch zu einem wichtigen Handelszentrum was wiederum zum Aufblühen reicher bürgerlichen Zünfte führte.

Die Concheiros, die die Muscheln verkauften und die Pilgerreise unterstützten, sind nur ein Beispiel. In jeder Straße blühte ein reicher Handel wie z.B. die Kesselbauer in der Calderería oder die Goldschmiede auf dem Praterias-Platz. Dieser Platz belebte auch das Stadtbild im Mittelalter.

Die Universität von Santiago de Compostela

Ein Notar von Santiago eröffnete mit Unterstützung des Abtes von San Martín Pinario eine Schule für die Armen, bekannt als Estudio de Gramática, der Keim der späteren Universität. 

Santiago de Compostela Bischoff

Das akademische Universitätszentrum, eines der ältesten der Welt, wurde hauptsächlich von Erzbischof Alonso de Fonseca gefördert. Bis heute ist die Universität eines der wichtigsten Institutionen in Santiago de Compostela.

Niedergang der Pilgerschaft

Wie in vielen Städten Europas steht die Zeit des 14. und 15. Jahrhunderts im Zeichen von Kämpfen des Bürgertums gegen die kirchliche Macht. Mit Aufkommen der Reformation in Europa und der Rückeroberung von Granada, dem letzten maurischen Königreich auf der Iberischen Halbinsel, begann der Niedergang des Jakobsweges. Für Santiago bedeutete dies ebenfalls ein abklingen der Pilgerströme.

Zeitgleich mit der Eroberung des letzten maurischen Königreiches auf der Iberischen Halbinsel entdeckte Christoph Columbus Amerika.

Der Heilige Jakobus in Amerika

Somit begann auch die Wanderung des Apostels Jakobus rund um den Erdball. Überall, wo es unter spanischer Herrschaft galt, das Christentum mit dem Schwert zu verkünden, erschallte der Schlachtruf „Santiago ultraea“, wie einst in Spanien als Matamorus.

Die Konquistadoren bedienten sich weiter seines Namens bei der blutigen Christianisierung der Neuen Welt. 

In Chile, Cuba und an zahlreichen anderen Plätzen Lateinamerikas entstanden ihm zu Ehren viele Ortschaften die seinen Namen Santiago tragen: Santiago de Chile, Santiago de Cuba, Santiago de Estero, San Diego.

Santiago de Compostela in der Renaissance

Im 16. Jahrhundert setzte Santiago seine Stadtentwicklung fort, es war die Blütezeit des Platereskstils in Spanien. Es begann die Einbeziehung von zivilen Gebäuden in die Architektur des Stadtbildes. 

Kathedrale von Santiago de Compostela Barockfasade

In diesen Jahren wurde der außergewöhnliche Gesamtkomplex öffentlicher Gebäude rund um die  Kathedrale von Santiago de Compostela errichtet. Unter ihnen sticht das alte königliche Krankenhaus hervor, heute Hostal dos Reis Católicos, das von den Monarchen Isabel und Fernando gebaut wurde, um den Pilgern Hilfe und Unterkunft zu bieten.

Kathedrale von Santiago de Compostela: Der Umbau im 17.Jh

Im 17. Jahrhundert erlebt die Stadt trotz des deutlichen Rückgangs an Pilgern viele große bauliche Veränderungen in seinem Stadtbild. Die Stadtverwandlung beginnt mit dem Umbau der Kathedrale. 

Der Hochaltar wird mit einem vergoldeten Baldachin überbaut. In der Mitte sitzt eine Figur des heiligen Jakobus. Sein Schulterumhang ist mit vielen Jakobsmuschel verziert. Die Pilger können heute eine Treppe hinaufsteigen und die Figur des Heiligen umarmen. Für viele Pilger ein Höhepunkt ihrer Pilgerschaft.

Gestaltung der Barockfasaden

Die baulichen Veränderungen im Außenbereich betreffen vor allem der Bau der Obradoiro-Fassade. Die letzte Episode des Bauprozesses der Barockzeit ist die Errichtung des Pazo de Raxoi, der sich auch am Obradoiro Platz befindet. 

Auch viele Klöster, Kirchen und Zivilbauten nahmen an diesem Prozess der Barockisierung teil, aus dem sich das heutige Stadtbild ergibt.

auch die Plätze und Adelshäuser, die die Kathedrale umgeben, werden endgültig konsolidiert, so auch der Bau des Raxoi-Herrenhauses, dem heutigen Sitz des Rathauses.

Santiago de Compostela, seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe

Die Stadt Santiago de Compostela ist das Ende des Jakobswegs und damit eines der herausragendsten Pilgerzentren der Welt. Seit 1985 ist Santiago de Compostela Weltkulturerbe der Menschheit. Die Kathedrale mit dem Pórtico de la Gloria sowie ihre Plätze, Klöster und anderen Gebäude im romanischen, gotischen und barocken Stil machen die Stadt zu einem Stadtgebiet von außergewöhnlicher Bedeutung für das Kulturerbe.

Kathedrale Santiago de Compostela

Die Stadt zu betreten ist heute ebenso wie im Mittelalter eine überwältigende Erfahrung. Heute ist Santiago wie in den besten Zeiten des Jakobswegs noch immer eine einmalige und liebenswerte Stadt. Wer den Camino zu Fuß gelaufen ist sollte sich gleich zur Kathedrale von Santiago de Compostela begeben.

Aufnahmeantrag zum Weltkulturerbe

Der Consejo Internacional de Monumentos y Sitios (ICOMOS) begründete die Aufnahme Santiagos in die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit so:

”Da Compostela einen außergewöhnlichen, die Grabstätte des Heiligen Jakobus umgebenden Komplex von Denkmälern bewahrt und Zielpunkt aller Routen des zwischen dem 11. und 18. Jahrhundert größten christlichen Pilgerzugs ist, gehört die Stadt zweifellos zu den unbestrittenen Kulturschätzen der Menschheit, denn sie vereint sowohl spezifische als auch universale Werte in sich. 

Zum einzigartigen Charakter ihrer romanischen und barocken Meisterwerke ist die transzendentale ästhetische Leistung hinzuzurechnen, in der diachronisch so unterschiedliche Elemente zum Ausdruck kommen, dass eine ideale Stadt entsteht, die zugleich von Historie und Zeitlosigkeit überquillt. 

Die vorbildliche Natur dieser christlichen, durch die ideologischen Begriffe der Reconquista bereicherten Pilgerstadt hat ihren Nachhall in ihrer großartigen geistlichen Bedeutung. Sie ist nämlich einer jener wenigen Orte, die so tief vom Glauben erfüllt sind, dass sie für die ganze Menschheit heilig werden. (…)”

Santiago de Compostela Sehenswürdigkeiten

Wie groß ist Santiago de Compostela?

Das Stadtgebiet erstreckt sich über 220 qKm. Vor allem die Altstadt mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten ist eine längere Besichtigung wert. Hier findest du die interessantesten Tipps für eine Besichtigung in der Stadt.

Kathedrale von Santiago de Compostela

Sie wurde 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die Kathedrale von Santiago de Compostela besteht aus Granit Mauerwerk. Auch die Dachplatten sind aus diesem Material erbaut. 

Das Innere der Kathedrale Santiago de Compostela

Die Grundfläche der Kathedrale beträgt rund 23.000qm. Wer durch die Puerta de Gloria in die Kathedrale eintritt, wird durch den ersten Blick in das Innere der Kirche überwältig sein. Das Langhaus misst fast 100m in der Länge, 8,5m in der Breite und 20m in der Höhe.

Kathedrale von Santiago de Compostela Hauptaltar

Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man den Hauptaltar der über dem Grabmal des Jakobus errichtet wurde.

Hochaltar und Krypta

Unter dem Hochaltar befindet sich die Krypta des Heiligen Jakobus. Ein silberner Schrein soll die Gebeine des Heiligen Apostels beinhalten. Die Besichtigung des Hochaltars mit der Umarmung der Apostelstatue und der anschließende Gang in die Krypta, gelten als emotionale Höhepunkte der beendeten Pilgerreise.

Kathedrale von Santiago de Compostela Krypta

Auf der Westseite am großen Obradoiro-Platz erheben sich die zwei 75m hohen Türme. Der südliche Turm als Glockenturm, der nördliche Turm als „Torre de las Carracas“. Benannt nach dem Klappern der Holzknarren, mit denen in der Semana Santa das Glockenläuten ersetzt wird.

Die Puerta Santa, die Heilige Pforte, öffnet sich nur in einem Heiligen Jahr, wenn das Patrozinium, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt, so z.B. 2021.

Botafumeiro

Eines der größten Weihrauchässer der Welt ist mit seinen 1,60m Höhe und 80Kg eine absolute Attraktion jeder Pilgermesse. Geschwungen wird das Weihrauchfass durch die Muskelkraft von acht Personen.

Kathedrale Santiago de Compostela Botafumeiro

Dabei schwingt es bis unter die Gewölbedecke der Kathedrale. Nach wochenlangen Fußmärschen der Pilger war der besondere Duft des Weihrauchs in der Kathedrale auch dringend nötig.

Portico de la Gloria

Ein Meisterwerk der romanischen Bildhauerei, vollendet im Jahr 1188 durch Meister Mateo. Der Baumeister hat sich in einer kleinen Figur selbst verewigt, die am unteren Ende des Porticos steht.

Das Portal besteht aus drei riesigen Rundbögen, in der Mitte wird das Gloria, das Schicksal der Gerechten dargestellt.

Auf seinem Thron sitzend, der wiederauferstandene Christus. Im linken Bogen, das jüdische Volk, wartend auf Christus und im rechten Bogen, das Jüngste Gericht, dem alle Menschen unterzogen werden sollen.

Der Handabdruck in der Säule

Am Fuße der Hauptsäule sitzt die Statue des Heiligen Jakobus. Zu seinen Füßen der Karbol de Jede, ein Marmor-Baum. Seit Jahrhunderten haben Die Pilger bei ihrer Ankunft in der Kathedrale den linken Fuß des Schutzpatrons berührt und so im weichen Stein einen Handabdruck hinterlassen. 

Porta de Gloria

Museum der Kathedrale von Santiago de Compostela

Das Museum wird über die Plaza del Obradoiro betreten. Die bedeutenden Bestände des Museum beinhalten Sammlungen, archäologische Fundstücke rund um die Kathedrale und Bücher von unschätzbarem Wert. So z.B. auch die mittelalterliche Schrift Codex Calixtinus. Ergänzt werden die Ausstellungsstücke durch eine sehenswerte Gobelin-Sammlung. Außerdem kann man den Kreuzgang, den Kapitelsaal und die Schatzkammer besichtigen.

Dachbesichtigung der Kathedrale von Santiago

Wer die Möglichkeit hat, auf die Dächer der Kathedrale zu kommen, sollte dieses Angebot unbedingt nutzen. Es ist ein einmaliges Erlebnis über den Dächern der Kathedrale die Stadt und die Umgebung von einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.

über den Dächern der Kathedrale von Santiago de Compostela

Die organisierte Besichtigung beginnt über den Palacio de Xelmirez (Obradoiro) und führt weiter hoch zum Torre da Carraca. Über die Puerta de Gloria geht es hinauf zum Glockenturm. Dort beginnt der Rundgang im Freien auf dem Dach der Kathedrale.

Kloster San Martin Pinario

Das ehemalige Benediktiner-Kloster San Martin Pinario gehört mit seinen fast 20.000 qm zum zweitgrößten Kloster Spaniens nach dem Kloster Escorial in der Nähe Madrids. Neben der Kathedrale ist es das bedeutendste Bauwerk Santiago de Compostelas.

Nach Süden hin, an der Plaza de Azabacheria, ist die Hauptfasade des Klosters, gegenüber des Nordportals der Kathedrale. Die Hauptfasade im Barockstil ist etwas 100 Meter lang. Die ursprüngliche Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut, während der heutige Bau, das Kloster und die heutige dazugehörige Kirche aus dem späten 16. Jahrhundert stammen. Die Kirche wird heute nur bei privaten Zeremonien und besonderen Anlässen genutzt.

Das Kloster wurde von einer Gruppe von Benediktinern gegründet, die kurz nach der Entdeckung der mutmaßlichen Überreste des heiligen Apostels auf dem Gelände angesiedelt wurden. 

Derzeit beherbergt der Komplex verschiedene Nutzungen wie das Hauptseminar, die Schule für Sozialarbeit, den Hauptsitz für Theologiestudien und das Diözesanarchiv. Ebenfalls beherbergt der Gebäudekomplex die Hospederia San Martin Pinario mit einfachen Zimmern und die Pension con Encanto San Martin Pinario . Für mich ein MUSS hier zu übernachten mitten in der Altstadt direkt gegenüber der Kathedrale.

Obradoiro Platz

Der imposanteste Hauptplatz in Santiago, wird umschlossen von der  Kathedrale von Santiago de Compostela, vom Hostal de los Reyes Catolicos, dem großen Rathaus und dem Colegio de San Jeronimo.

Der großartige Platz ist für viele Fußpilger, nach Wochen ihrer Pilgerschaft, ein Ort der Begegnung, des Endpunktes ihrer Pilgerschaft. Es ist immer wieder sehr beeindruckend, wie die Menschen hier ihren Gefühlen   am Ende ihrer Reise freien Lauf lassen.

Hostal de los Reyes Catholicos

Das ehemalige königliche Hospital wurde von den Katholischen Königen 1499 gegründet. Sie hatten bei einem Besuch in Santiago de Compostela die Gesundheitsversorgung der Pilger bemängelt und beschlossen, ein Hospital bauen zu lassen. Es hatte die Aufgabe, die Jakobspilger am Ende ihrer Reise unterzubringen und zu versorgen. Im Mittelalter war es die größte und am besten ausgestattete Pilgerherberge auf dem Jakobsweg. Das Hospital verfügte über eigene Ärzte, eine Apotheke und einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Chroniken besagen, dass Pilger sogar in mehr als einem halben Dutzend europäischen Sprachen betreut wurden.

Santiago de Compostela Hospital de los reyes catolicos

Seit 1958 befindet sich in dem Gebäude ein komfortables Fünf-Sterne-Hotel, ein sogenannter Parador National, mit eleganten Zimmern und einem luxuriösen Speisesaal. Das Hotel bietet noch aus Tradition für die ersten zehn Pilger ein völlig kostenloses Essen an, sobald sie den Nachweis erbracht haben, den Camino zu Fuß abgeschlossen zu haben.

Parque de la Alameda

Außerhalb der ehemaligen Stadtmauer befindet sich der Alameda Park, der seit dem 19. Jahrhundert der traditionellste Stadt- und Freizeitgarten der Bevölkerung von Compostela ist. In wenigen Minuten hat man den Park von der Altstadt aus erreicht. Der Park bietet nicht nur Erholung, sondern auch einen herrlichen Blick auf die Kathedrale von Santiago de Compostela.

Santiago de Compostela Alameda Park

Die Anordnung der zentralen Promenade ist bemerkenswert. Mit seinen verschiedenen Korridoren für die verschiedenen sozialen Schichten vor 200 Jahren, zeigt er eines der ersten geplanten Naherholungsgebiete der Stadt.


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2 Kommentare
  1. Bianca Krille-mensing
    Bianca Krille-mensing sagte:

    Ich bin so traurig, dass meine Pulgerreise im Juli ausfallen muss und hoffe es im nächsten Jahr zu schaffen😔

    Antworten
    • Peter Kirchmann
      Peter Kirchmann sagte:

      Hallo Bianca,
      ja, das geht vielen Pilgern so. Alle sind im Moment mehr oder weniger hin- und her gerissen. Einerseits würde ich gerne laufen und durch meine Übernachtungen und meine Pilgerschaft die Herbergen und die Region unterstützen. Die Verordnungen in Spanien werden zwar langsam gelockert, andererseits möchte ich nicht unbedingt mit einem emotionalen Virus im Rucksack pilgern.

      Im nächsten Jahr wird die „Heilige Pforte“ wieder geöffnet sein. In einem heiligen Jahr zu pilgern ist jedenfalls etwas ganz besonderes für mich gewesen. Vielleicht ist es deshalb garnicht so schlimm erst nächstes Jahr zu pilgern.

      buen Camino
      Peter

      Antworten

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