zu sich selbst finden auf dem Jakobsweg

Sich selbst finden auf dem Camino

Sich selbst finden: Eine spannende Reise

Manchmal wird einem einfach alles zu viel. Manchmal sehnst du dich nach Ruhe und Zeit für dich. Niemand der etwas von dir will, keine Pläne, keine Verpflichtungen.

Einfach nichts.

Nur Ruhe.

Du selbst sein.

Heutzutage kümmern wir uns um sehr viele Dinge, jedoch oft am wenigsten um uns selbst. Wir vergessen wer wir sind, was wir eigentlich wollen und was uns wirklich Freude macht. Stück für Stück verlieren wir uns selbst ohne es zu bemerken.

Dann wird es Zeit eine spannende Reise zu beginnen, uns selbst finden. Denn Reisen bedeutet lebendig sein, bedeutet Abenteuer, bedeutet Neues erleben.

 

Wer zu sich selbst finden will, kann sofort beginnen

Ein schlaues Buch zu lesen und es zu verstehen ist das eine. Es zu leben und in die Praxis umzusetzen etwas völlig anderes. Das beginnt schon damit, dass es uns schwer fällt, uns kurz Zeit zu nehmen um Fragen zu beantworten, die uns weiterhelfen können.

Wie sieht es mit dir aus, nimmst du dir ein paar Minuten Zeit um deine Antworten zu finden auf folgenden Fragen:

Muss man verloren sein um sich selbst finden zu können?

Wenn ich bei mir bin, kann ich mich dann noch finden?

Kann ich mich selbst finden, wenn ich gar nicht nach mir suche?

 

„Ein junger Mönch fragte den Zen-Meister:

Wie kann ich mich nur befreien?

Der Meister antwortete:

Wer hat dich nur versklavt?“

 

sich selbst finden und sofort beginnen

 

Sinnsucher und das Karussell voller Fragen

Was sollen all diese Fragen bewirken? In erster Line kommt es nicht so sehr auf die Antwort an, sondern viel mehr darum, sich überhaupt Zeit zu nehmen für sich. Durch die Fragen beschäftigst du dich mit dir selbst. Das ist der erste Schritt um dir näher zu kommen. Dich selbst zu erfahren.

 

Die Frage „Wer bin ich“ und „Was will ich“ hört sich einfach an. Unzählige Male habe ich mir diese Fragen schon beantwortet, aufgeschrieben, Tabellen erstellt.

Trotzdem stelle ich mir diese Fragen immer wieder gerne. Ungeachtet dessen, welche Antwort mir gerade kommt, ist der Sinn über die Jahre hinweg tiefer geworden.

Heute bewirken diese Fragen bei mir vor allem eines:

Ich weiss inzwischen, dass die Antworten darauf nicht das Wichtigste ist. Viel wertvoller ist, dass ich mir die Zeit genommen habe, über mich nachzudenken.

 

Zu sich selbst finden bedeutet auch deinen Platz finden

Hierbei kann der Jakobsweg helfen. Es wird Zeit, den Jakobsweg zu gehen. Damit meine ich auch, ein Stück des Weges in Ruhe und Langsamkeit zu verbringen. Das ist fast überall möglich auf dem Jakobsweg, nicht nur in Spanien sondern auch auf einheimischen Wegen.

Wie du deinen Lebensweg auf dem Camino finden kannst. 

 

Das Wesen des Jakobsweges hatte eine sehr starke Wirkung auf mich.

 

„Es gibt einen Platz, den du füllen musst,

den niemand sonst füllen kann,

und es gibt etwas für dich zu tun,

das niemand sonst tun kann“

Platon.

 

So bin ich dann auf meinen Camino gegangen.

sich selbst finden auf vielen Wegen

 

Sich selbst finden auf dem Jakobsweg 

Auf dem Jakobsweg kann jeder zu sich selbst finden. Du bist einzigartig so wie du bist. Sei mutig, du selbst zu sein lohnt sich. Jeder geht seinen Weg, keiner gleicht dem anderen. Unter Milliarden von Menschen gibt es keinen der die gleiche Persönlichkeit und die gleichen Gene hat wie du.

Lebe das Leben und deine Einzigartigkeit, sei Du. Lass dich nicht verbiegen. Gehe deinen Weg so wie er dir gut tut. Sei unverwechselbar, egal welchen Weg die anderen gehen. Egal was die anderen dir sagen, welche Empfehlungen sie geben – Du wirst den Weg für dich erleben.

Jeder hat seine eigenen Erlebnisse auf dem Weg, keiner gleicht dem anderen. Deshalb sei mutig: du selbst zu sein lohnt sich. Was mich der Jakobsweg über das Leben gelehrt hat:

 

Aus dem Inhalt:

1. Sich selbst finden ist ein großes Glück

2. Höre auf Deine innere Stimme

3. Glücklich sein durch inneren Reichtum

4. Innere Ruhe finden im Alltag

5. Die Sehnsucht läuft weiter

 

 

1. Sich selbst finden ist ein großes Glück

Ich war mir anfangs nicht klar was dieser Camino für mich bedeuten würde. Es schien so, als wäre er wie der Weg meines eigenen Lebens. In mein Tagebuch habe ich geschrieben:

„Immer meinen eigenen Weg suchend, manchmal verirre ich mich und werde traurig. Ich glaube ich kann diesen Weg nicht mehr in diese Richtung weitergehen, -umkehren, etwas anderes machen, aufgeben.

Mit den Menschen auf dem Camino ergeht es mir genau so. In den Herbergen treffe ich auf viele Menschen aber ich finde nicht wirklich jemanden mit dem ich den Weg gemeinsam laufen möchte.“

Heute weiß ich, dass mir die ersten Wochen alleine zu laufen sehr gut getan haben. Ich war mit mir selbst beschäftigt und das hat etwas in Gang gesetzt bei mir. In den ersten Tagen konnte ich alles loswerden was sich in meinem Kopf an Gedanken angesammelt hatte – wie die Entleerung eines Stausees.

 

Mein Gedankenkarussell

Unvorstellbar was mir alles durch den Kopf ging, wie viel ich denken konnte. Familie, Freunde, Arbeit, Aufgaben die noch zu erledigen sind und und und… Immer wieder das Gleiche denken. Und noch mal, und noch mal.

Aber irgendwann war plötzlich alles „aus gedacht“, plötzlich war Stille in meinem Kopf.

 

“ Das war himmlisch ! Da war Ruhe, einmalige Ruhe !“

sich selbst finden Steinmännchen

Ohne dass es mir zunächst auffiel hatte ich kein Gedankenkarusell mehr. Plötzlich nahm ich den Weg ganz anders war. Aufmerksam bemerkte ich Kleinigkeiten die mir bisher nie aufgefallen waren. Eine Schnecke die auf einem umgekippten Baumstamm kroch, mehr als 4m entfernt vom Weg ! Ein kleiner Stein, geformt wie ein Herz. Das zwitschern der Vögel, der Wind der über die Felder strich. Alles hatte sich irgendwie verändert.

Ich hatte diese Zeit für mich gebraucht. Niemand hätte mir dabei besser helfen können als ich selbst. Ich trug alles in mir, immer schon. Zu sich selbst finden ist ein großes Geschenk und ein großes Glück.

Von da an war ich viel offener für die Welt um mich herum. Das Leben veränderte sich unmerklich. Es war für mich in Ordnung mit anderen Menschen zu laufen, und plötzlich wurden daraus auch Freunde. So hatte ich unbewusst zu mir selbst gefunden. Ich wurde klar und wusste wer ich bin.

 

 

2. Höre auf Deine innere Stimme

Ich werde den zweiten Tag meines Jakobsweges nie vergessen. Mit meinem viel zu schweren Rucksack bin ich morgens um 6 Uhr in Roncesvalles losgelaufen. Nichts gefrühstückt, kein Essen dabei. Im kleinen Dorf Linzoain endlich in einer Bar gefrühstückt. Geplant hatte ich eine Strecke von 20 Km zum eingewöhnen.

Kurz vor meinem Tagesziel traf ich einen motivierten Spanier der gerade aus dem Bus ausgestiegen war und noch bis Pamplona laufen wollte. Ich ließ mich überreden, diese viel zu lange Strecke noch mitzulaufen – was für eine Idee – !

Noch dazu begann es in Strömen zu regnen. Der Weg verwandelte sich in ein einziges Matsch-Meer, an den Schuhen klebten riesige, schwere Klumpen. Ich fühlte mich wie ein Profifussballer mit 10 Kilo Bleimanschetten an den Füßen.

Zu Essen gabs auch nichts! An diesem Tag hatte ich 36 Kilometer zurückgelegt mit einem Rucksackgewicht von 19 Kg! Total platt konnte ich in der Herberge gerade noch ein Pilgermenue essen und bin direkt ins Bett gefallen.

 

“ Was habe ich daraus gelernt ?“

sich selbst finden auf dem Weg

Höre sensibel auf dein Inneres und deinen Körper, und nicht auf deinen Ergeiz. Jeder muss mit seinen Füßen, seinen Schuhen und seinem Gepäck seinen eigenen Wanderrhythmus finden.

Dies kannst du auch auf deinen Alltag zu Hause übertragen. Auf deine Innere Stimme hören, deinen eigenen Weg gehen.

 

 

3. Glücklich sein durch inneren Reichtum

Bei meinem ersten Jakobsweg musste ich mich sehr einschränken und hatte nur das nötigste Gepäck dabei. So dachte ich zunächst. Ich war stolz darauf gerade einmal mit 19 Kg Gepäck auszukommen.

Zugegebener maßen hatte nicht jeder verstanden, warum ich unbedingt eine Photoausrüstung von 4Kg mitnehmen wollte.

Auf meine Nikon verzichten ? Unmöglich – dafür waren mir die Bilder viel zu wichtig. Außerdem wollte ich eine gute Qualität für meine anschließenden Vorträge in Deutschland.

Mein dickes Wörterlexikon sowie der dicke Kunstreisefüher waren ein unbedingtes Muss. 3 Jeanshosen, eine dicke Thermoskanne, eine Daunenjacke ( nein, ich bin nicht im Winter gelaufen) und weitere unverzichtbare Gegenstände die meinem damaligen Sicherheitsbedürfnis entsprachen.

 

sich selbst finden

 

Ich kann mit sehr wenig materiellen Dingen glücklich sein. So dachte ich. Es wäre für mich unvorstellbar gewesen auf meinen Kunstreiseführer und mein dickes Langenscheid Spanisch-Deutsch Diccionario zu verzichten.

Dann kam der dritte Pilgertag. Spätestens jetzt war mir klar, dass ich auf noch mehr verzichten musste. Und so stand ich in Pamplona vor dem Postamt mit einem großen Karton. Ich musste mich von „lebensnotwendigen“ Dingen trennen.

Meine Daunenjacke, zwei Jeans, mein Mittelalter Roman den ich Abends in den Herbergen lesen wollte, Diccionario, Kunstreiseführer, Thermoskanne und die halbe Hausapotheke waren in dem Paket dabei, das ich nach hause schickte. Jetzt hatte ich „nichts“ mehr im Rucksack. Er wog nur noch 12Kg (inklusive meiner 4kg Photoausrüstung). Ich habe nichts vermisst.

Durch den Jakobsweg habe ich gelernt mit ganz wenigen Dingen Glücklich sein zu können. Dass Zufriedenheit aus meinem Inneren wächst. Dass durch Erleben und Wahrnehmen eine große Präsenz im Hier und Jetzt entstehen kann. Mehr brauche ich nicht. Im Augenblick Leben bedeutet auch nichts zu vermissen bedeutet zu sich selbst zu finden.

 

“ Nimm nur das Nötigste mit und davon die Hälfte“

 

 

4. Innere Ruhe finden im Alltag

Auf der Hochebene der Meseta fühlte ich mich richtig elend. Es war kalt, den ganzen Tag regnete es schon und ich hatte einen Bärenhunger. Ich hatte nichts mehr zu trinken und nichts mehr zu essen, ich wollte nur noch Ruhe! Wo ist die nächste Herberge ?

Gerade dann als ich Feierabend machen wollte und das gut erschlossene Herbergssystem brauchte war ich meilenweit weg von diesen Einrichtungen. Jetzt würde ich auch die primitivste oder selbst eine unmäßig teure Unterkunft in Kauf nehmen.

Das Geld dafür steckt in meiner Tasche, doch ich kann es nicht los werden. Es dunkelt schon und ich werde unruhig. Seit längerem vermisse ich die ersehnten gelben Markierungen. –Panik bricht in mir auf!

Jetzt wird mir langsam klar – Ich habe mich verlaufen ! Weit und breit kein Baum, kein Strauch, kein Haus, kein Dorf.

 

“ Nur noch Landschaft. Einsame Landschaft – und Ich.“

sich selbst finden Landschaft

Ich werde wütend und schimpfe vor mich hin, warum mache ich das hier überhaupt ?

Bis ich plötzlich aus der Ferne einen Traktor höre, der immer näher kommt. Mit dem Bauer fahre ich erleichtert ins nächste Dorf. Wir haben uns noch sehr lange über den Camino in der Bar unterhalten und philosophiert. Ich war ihm sehr dankbar. Der Tag war eine Bereicherung für mich.

Was habe ich daraus gelernt ?

Die Dinge gelassen annehmen so wie sie sind. Kein Beurteilen kein Verurteilen, sondern immer wieder ja, so ist es jetzt. Ja, ich habe mich verlaufen – gut – und wie geht’s jetzt weiter ? was will ich als nächstes ? Oft erweisen sich die Umwege im nachhinein als eine Bereicherung. Das Leben steckt voller Überraschungen. Sich selbst finden bedeutet seine innere Ruhe im Alltag finden können.

 

 

5. Die Sehnsucht läuft weiter

 

Wenn du einmal den Jakobsweg gelaufen bist wirst du bald merken, dass du ihn wieder laufen möchtest. Entweder in „Gedanken“ oder tatsächlich auf dem Weg. Der Wunsch wird in dir immer größer, noch mal eine Strecke oder eine andere Route zu laufen. Das geht vielen Jakobsweg Freunden so.

Jakobsweg laufen und ‚Du selbst sein’ verbindet sich miteinander. Es verschwimmt. Die Erinnerung an das Laufen ist auch die Erinnerung an die Freude, die Mühe und die Begegnungen des Weges.

Wenn du im Alltag zuhause Kraft brauchst, erinnere dich an deinen Jakobsweg. Aus dem Erlebten kannst du Kraft schöpfen, dir deinen Weg in Erinnerung rufen wenn du es brauchst. Du weißt, wie viel du erreicht hast und kannst dir mehr zutrauen.

Die Sehnsucht nach dem Weg ist auch die Erinnerung etwas großartiges erlebt und geleistet zu haben. Darauf kannst du stolz sein.

 

Zusammenfassung: 

Der Weg lebt weiter in uns. In den Erfahrungen die wir gemacht haben, in den Menschen denen wir begegnet sind. Erinnere dich, das auch jetzt in diesem Augenblick Menschen auf ihrem Jakobsweg sind, sich begegnen und voneinander lernen. Jeder kann auf dem Jakobsweg zu sich selbst finden.

 


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Sich selbst finden auf dem Camino.

Wie erging es dir auf dem Jakobsweg? Du kannst das gerne unten in die Kommentare schreiben. Ich freue mich darauf.

10 Kommentare
  1. Karin
    Karin sagte:

    Hallo Peter,
    deine Worte haben mich ganz tief berührt, du hast das in worte gefasst, was für mich die jakobswege bedeuten aber selbst nicht ausdrücken kann. Ich kann nur eins sagen D A N K E und
    buen camino auf all deinen wegen
    Karin

    Antworten
    • Peter
      Peter sagte:

      Liebe Karin,
      herzlichen Dank für deine schönen Worte, ich freue mich sehr darüber. JA, so kann der Camino sein, er verbindet Menschen und hat die Magie sich in unsere Herzen zu legen. Auch dir alles Liebe und Gute auf deinen Wegen.
      buen Camino, Peter

      Antworten
    • Peter Kirchmann
      Peter Kirchmann sagte:

      Liebe Laura,
      vielen Dank für deine Infos zum Camino Portugues, ich habe deinen Blog gelesen. Hierzu für dich noch folgende Ergänzung: Inzwischen sind es über 20% der Pilger, die den Camino Portugues laufen. Der Camino Frances ist erst ab Sarria stärker frequentiert. So kann es sich durchaus auch lohnen, den CF zu laufen. Vor allem für kulturell und geschichtlich Interessierte Pilger ist der Camino Frances ein lebendiges Freilichtmuseum mit teils wundervollen mittelalterlichen Kleinodes. Als Alternative für die letzten 100Km bietet sich dir der Camino Invierno an, falls dir die stärkere Frequenz ab Sarria zu viel ist.
      Viel Erfolg weiterhin mit deinem Blog

      Buen Camino
      Peter

      Antworten
  2. Albert Falke
    Albert Falke sagte:

    Lieber Peter
    Nach dem Tod meiner Frau bin ich 2012 zum ersten Mal den Jakobsweg gegangen und war seitdem jedes Jahr auf dem Camino. Letztes Jahr bin ich zuhause aufgebrochen.
    Ich fühle mich nirgendwo so frei und glücklich, wie auf dem Camino. Ich habe wieder ein Ziel und freu mich auf Begegnungen mit Menschen, Tieren und …..
    Dank für dein Engagement.
    Albert

    Antworten
    • Peter Kirchmann
      Peter Kirchmann sagte:

      Lieber Albert,
      vielen Dank für deinen sehr persönlichen Kommentar. Es freut mich sehr für dich, dass du für dich einen Weg gefunden hast mit deiner Trauer zu leben. Ich kann sehr gut nachvollziehen dass dir der Camino genau das gibt was dich frei und glücklich machen kann. Manchmal schaffen wir es sogar, unseren Camino in kleinen Häppchen in unseren Alltag zu integrieren. Viel Freude bei deinem weiteren Lebensweg und Camino.

      buen Camino
      Peter

      Antworten
  3. Carolina
    Carolina sagte:

    Hallo Peter,
    ich freue mich total, dass ich durch Zufall auf deinen Blog gestoßen bin! Unglaublich schöne und berührende Texte, die „Nicht-Pilgern“ wirklich das Gefühl vermitteln, was man auf dem Jakobsweg erleben kann. Ich bin gerade selbst zum zweiten Mal den Jakobsweg gelaufen und habe meine Erfahrungen in meinem Blog festgehalten; schau gerne vorbei: http://www.carolinatravelina.de
    Freue mich von dir zu hören und alles Liebe,
    Carolina

    Antworten
    • Peter Kirchmann
      Peter Kirchmann sagte:

      Hallo Carolina,
      das freut mich sehr, dass du meinen Blog gefunden hast. Du beschreibst in deinen Tagesetappen ebenfalls sehr schön deine Erlebnisse auf deinem Camino. Dir weiterhin viel Spaß für deine nächsten Caminos. Übrigens, falls es dir mal zu lange dauern sollte bis du wieder in Spanien laufen kannst:
      Es gibt inzwischen auch sehr viele Jakobswege die in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer besser gekennzeichnet sind. Für ein längeres Wochenende immer mal eine kleine Oase des Caminos.

      buen Camino
      Peter

      Antworten
  4. Michaela Stocker
    Michaela Stocker sagte:

    Hallo Ihr alle,
    Ich bin 66 Jahre und bin im vergangenen Juni mit einer Gruppe die Via Podiensis, Frankreich von Le Puy en Valey bis Conques gegangen.
    Erstmalig, vielleicht auch einmalig. Es war gut, doch auch zum Teil sehr beschwerlich, sodass man manchmal ums “ Überleben “ kämpft.
    Es hatte vorher und auch während unserer Wanderung ( 12 Tage 205 km ), viel geregnet und somit waren Wege zum Teil sehr ausgewaschen und sehr schwer begehbar. Es gab natürlich auch sehr gute und schöne Wege, Millionen von herrlichen Blumen und Co.
    Ich hatte anfangs große Probleme wegen Erschöpfung ( als Ungeübte ), Wut, Trauer ( mein Mann ist vor 3 Jahren verstorben an einem ganz grausamen Krebs ), die Frage: was mach ich da eigentlich und warum ?? Doch ab dem 5, Tag kamen Kraft, Kondition und ein freier Kopf, dass ich es keinesfalls bereut habe. Nur hätte ich vielleicht mit etwas Leichterem beginnen sollen – somit bin ich jetzt unsicher, ob ich nochmals losstarten soll. Alleine gehen kommt für mich nicht in Frage – dazu habe ich zu spät begonnen. In der wunderbaren Gruppe konnte ich aber viele km ganz alleine gehen – niemand hat gestört, ganz tolle Menschen. Und die Sicherheit, dass man bei Problemen Hilfe hat.
    Jedenfalls haben mich sämtliche Berichte von Peter Kirchmann sehr beeindruckt….

    Buen Camino oder Bon Chemin
    liebe Grüße
    Michaela

    Antworten
    • Peter Kirchmann
      Peter Kirchmann sagte:

      Liebe Michaela,

      herzlichen Dank für deine Offenheit. Der Weg bietet tasächlich die Möglichkeit an alle Gefühle zu kommen und diese auch ausleben und vielleicht auch annehmen zu können. Der Verlust deines Mannes drei Jahre zuvor tut mir sehr leid. So schmerzhaft es auch gewesen ist, so hilfreich kann das Zulassen von der berechtigten Wut und den Trauergefühlen sein. Das war wirklich sehr mutig von dir dich ganz darauf einzulassen und diesen Schritt für dich zu wählen.

      Ja der Weg biete alles und oft geht man über die Grenzen. Ich kann gut verstehen, dass du noch nicht sicher bist ob du dies nochmals machen möchtest. Das Gefühl und diese Frage „Was mache ich hier eigentlich?“ „Wieso tue ich mir das an?“ kenne ich auch. Diese Frage habe ich mir bei jedem Gehen des Jakobsweges, ob ich nun lang oder kurz unterwegs war, gestellt. Ich glaube das geht jedem Pilger so, denn der Weg bietet so viele schöne Momente, jedoch auch Momente der Verzweiflung, des Aufgeben wollens….es ist immer wieder eine Herausforderung sich diesem zu stellen.

      Ich denke, dass du spüren wirst ob du dich irgendwann wieder auf den Weg machen möchtest. Du darfst deiner inneren Stimme vertrauen

      Ich wünsche dir von Herzen alles Gute
      buen camino
      Peter Kirchmann

      Antworten

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