Auf einen Blick
- Vor 3 Jahren hatte ich eine komplizierte Augen-OP mit ungewissem Ausgang. Seitdem sehe ich wieder klar und weiß, wie kostbar das ist.
- „Lichtblicke für Kinder“ ist ein Projekt der Stiftung der Deutschen Lions. 2026 geht es um Augenoperationen für Kinder in Äthiopien.
- Bis Freitag, 20. November 2026, 12 Uhr, spenden wir für jede Bewertung zu Kalender, Buch oder Pilgertagebuch 2 € und für jeden bestellten Kalender 2027 noch 1 €.
- Auf dem Jakobsweg wurden Pilger schon im Mittelalter in Hospitälern kostenlos gepflegt. Auf dem Camino Primitivo erinnert die Ruta de los Hospitales bis heute daran, und die Donativo-Herbergen tragen den Gedanken weiter.
Sehen ist nicht selbstverständlich. Das habe ich vor 3 Jahren gelernt, als mir eine schwierige Augenoperation bevorstand. Heute sehe ich wieder klar, und auf unserem Camino Primitivo im Sommer habe ich gespürt, wie dankbar ich dafür bin. Deshalb unterstützen Simone und ich in diesem November „Lichtblicke für Kinder“, ein Projekt der Stiftung der Deutschen Lions, das Kindern in Äthiopien Augenoperationen ermöglicht. Wie du mitmachen kannst, ohne selbst Geld zu spenden, liest du weiter unten.
Zu diesem Artikel gibt es auch eine Podcast-Folge. Du kannst sie direkt hier anhören:
Ein Morgen über dem Stausee von Salime
Auf unseren letzten beiden Jakobswegen gab es viele Augenblicke, an die ich immer denken werde. Einer davon war ein Sonnenaufgang auf dem Camino Francés, kurz hinter Castrojeriz. Wir sind in der Nacht im Dunkeln losgelaufen, die Sterne haben noch gefunkelt, und der Mond hat den Weg leicht erleuchtet. Vor uns zog eine Kette aus Stirnlampen den Anstieg zum Alto de Mostelares hinauf. Oben lag Castrojeriz unter uns im Morgennebel. Fast alle haben schnell ein Foto gemacht und sind weitergelaufen. Wir sind geblieben. Dann schickte die Sonne ihre ersten roten Strahlen über den Horizont. Im Zeitlupentempo hat sich die Landschaft verändert, die Farben wurden von Grau langsam rötlich, bis die Sonne hinter den Wolken aufging.
Genauso war es auf dem Camino Primitivo am Stausee von Salime. Simone und ich saßen auf einem großen Felsen und haben einfach nur geschaut. Der See in einem dunklen Blau, der Himmel in vielen Schattierungen, dazu das Spiel der Wolken. Wenn ich so etwas mit meinen eigenen Augen sehen kann, erfüllt mich das mit einer ganz großen Dankbarkeit.
Der Stausee liegt auf der Etappe von Berducedo nach Grandas de Salime. Hinter La Mesa führt der Weg lange bergab bis zur Staumauer aus den 1950er-Jahren, quert den Río Navia und steigt auf der anderen Seite wieder nach Grandas hinauf. Die schönsten Blicke auf das Wasser hast du beim Abstieg. Plan dort eine Pause ein, statt schon an die Steigung danach zu denken.
Warum Sehen für mich nicht selbstverständlich ist
Über die Jahre sind meine Augen immer schlechter geworden. Vor 3 Jahren hatte ich dann eine schwierige, komplizierte Augen-OP vor mir, mit ungewissem Ausgang. Die Operation ist gut verlaufen, und auch die Genesung danach. Heute kann ich wieder uneingeschränkt sehen.
Der Moment, in dem nach der OP langsam die Sicht zurückkam, lässt sich kaum beschreiben. Es war einfach pure Dankbarkeit. Wenn ich heute davon erzähle, zieht mich das immer noch in diese Zeit zurück. Und auf dem Camino, an einem Morgen wie über dem Stausee, ist diese Dankbarkeit sofort wieder da.
Viele Menschen haben dieses Glück nicht, auch viele Kinder. Bei manchen Erkrankungen würde schon eine vergleichsweise einfache und günstige Operation reichen, damit sie wieder sehen können.
Was ist „Lichtblicke für Kinder“?
„Lichtblicke für Kinder“ ist ein Projekt der Stiftung der Deutschen Lions. Seit 2011 finanzieren die deutschen Lions damit jedes Jahr ein großes Projekt für blinde und sehbehinderte Kinder: den Bau von Augenkliniken, die Ausbildung von Fachpersonal und Reha- und Bildungseinrichtungen. Ich bin seit 15 Jahren Mitglied im Lions Club Walldorf-Astoria, inzwischen als Schatzmeister, und begleite die Aktion jedes Jahr im November.
Das Projekt 2026: Augenoperationen für Kinder in Äthiopien

Augenerkrankungen bei Kindern sind in Äthiopien weit verbreitet. Viele davon, etwa angeborener Grauer Star, wären gut behandelbar. Doch es gibt kaum Kliniken, die auf Kinder spezialisiert sind.
2025 wurde in Addis Abeba mit Unterstützung der Lions die erste Kinderaugenklinik des Landes eröffnet. In diesem Jahr entsteht eine weitere Augenklinik, dazu werden Gesundheitseinrichtungen auf dem Land gestärkt.
Die Stiftung erzählt dazu die Geschichte von Oumer, 9 Jahre alt, aus Addis Abeba. Er hatte Grauen Star auf beiden Augen, konnte die Tafel nicht mehr erkennen und musste die Schule verlassen. Am ALERT Hospital wurde er an beiden Augen operiert und bekam eine Brille. Heute spielt er wieder mit anderen Kindern und bereitet sich auf die Rückkehr in die Schule vor. Sein Traum ist es, einmal Pilot zu werden.
Spenden, die bis zum 20. November 2026 eingehen, werden bis zu einer festen Summe verdoppelt. Zusätzlich beantragt die Stiftung einen Zuschuss beim Bundesentwicklungsministerium. So können aus 1 Euro am Ende 3 Euro werden.
Mehr zum Projekt bei der Stiftung der Deutschen Lions
Was der Jakobsweg mit Weitergeben zu tun hat
Wenn ich darüber nachdenke, passt so eine Aktion sehr gut zum Camino. Der Jakobsweg war schon im Mittelalter ein Weg, auf dem Menschen füreinander gesorgt haben.
Pilgerhospitäler im Mittelalter
Entlang des Weges gab es viele Pilgerhospitäler, die Vorläufer unserer heutigen Herbergen. Dort haben Pilger übernachtet und wurden gepflegt, wenn sie krank waren, und zwar umsonst. Einem Pilger ein Abendessen und eine Morgensuppe zu geben und ihm etwas Geld für den Weg mitzugeben, war damals selbstverständlich.
In Roncesvalles auf dem Camino Francés wurden Pilger aufgenommen, die gesundheitlich angeschlagen über die Pyrenäen kamen. Und wer in Santiago ankommt, steht auf der Praza do Obradoiro vor dem Hospital der Katholischen Könige, dem heutigen Parador. Um 1500 war es ein großes Pilgerhospital, in dem kranke Pilger kostenlos versorgt wurden.
Die Ruta de los Hospitales auf dem Camino Primitivo
Am deutlichsten spürst du diese Geschichte auf dem Camino Primitivo. Kurz hinter Borres teilt sich der Weg. Die Ruta de los Hospitales führt über die Berge nach Berducedo, rund 23 Kilometer auf 1.000 bis 1.250 Metern Höhe, ohne Ort und ohne Einkehr dazwischen. Gerade deshalb standen hier oben im Mittelalter mehrere kleine Hospitäler: Paradiella, Fonfaraón, Valparaíso und La Freita am Puerto del Palo. Von den meisten sind nur noch Grundmauern übrig. Von Fonfaraón steht noch ein Teil, er dient heute als Unterstand für Vieh.

Simone und ich sind diese Etappe Anfang August bei klarem Himmel gelaufen. Wer hier oben unterwegs ist, versteht schnell, warum ein Dach, eine warme Suppe und ein Platz am Feuer für die Pilger damals lebenswichtig waren. Und dass es Menschen gab, die genau das für Fremde bereitgehalten haben.


Wenn du den Primitivo planst: Geh die Ruta de los Hospitales nur bei gutem Wetter. Bei Nebel, Regen oder Schnee ist die Variante über Pola de Allande die sichere Wahl, beide Wege führen nach Berducedo. Nimm Wasser und Proviant für den ganzen Tag mit. Mehr zu unserem Weg findest du in meinem Erfahrungsbericht zum Camino Primitivo.
Donativo: gib, was du kannst
Von dieser Tradition sind bis heute die Donativo-Herbergen geblieben. Dort gibt es keinen festen Preis für die Übernachtung. Du gibst, was du geben kannst. Diese Spendenherbergen leben natürlich nicht nur von den Spenden der Pilger, meistens steht ein Träger im Hintergrund, der sie mitfinanziert.
Eine der bekanntesten ist das Pilgerhospital San Juan Bautista in Grañón auf dem Camino Francés. Es gehört zur Pfarrkirche, geschlafen wird auf Matten am Boden, und abends wird gemeinsam gekocht und gegessen. Bezahlt wird mit dem, was du in die Kasse legst. Weitere Herbergen am Weg findest du in meinem Beitrag zu den Pilgerherbergen.
Das funktioniert seit vielen Jahrhunderten, weil jeder, der schon einmal etwas bekommen hat, in der Regel auch wieder etwas zurückgibt. Früher in Form von Geld für den Weg, heute als Unterstützung für die Herbergen. Oder ganz einfach so, wie es viele erleben, wenn sie nach Hause kommen: Man hat die Hilfsbereitschaft der Pilger untereinander und der Menschen entlang des Weges erfahren, und irgendwann gibt man in einem anderen Moment selbst etwas weiter.
„Auf dem Camino sind wir nie allein und bekommen sehr viel geschenkt.“
So kannst du bei Lichtblicke mitmachen
So wie damals sind es auch heute die vielen kleinen Beiträge, die etwas bewegen. Deshalb haben Simone und ich uns 2 Wege ausgedacht, bei denen du selbst nichts spenden musst.
Am 20. November um 12 Uhr zählen wir zusammen und überweisen den Betrag rechtzeitig. Den Zwischenstand und das Ergebnis erfährst du im Newsletter und im Podcast.
Zwei Fragen zum Nachdenken
Wer hat dir auf deinem Weg, auf deinem Camino etwas gegeben, ohne etwas zurückzuwollen?
Und wem gibst du diese Woche etwas weiter? Manchmal reicht es schon, einem geliebten Menschen eine Stunde Zeit zu schenken.
Auf dem Camino bekommen wir Begegnungen und Gespräche geschenkt, schöne Augenblicke, Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge. Manchmal mit Blick auf einen Stausee, an dem wir einfach nur staunend dasitzen. Mit ein paar Sätzen von dir oder einem Kalender an deiner Wand kannst du dazu beitragen, dass ein Kind in Äthiopien wieder seinen eigenen Weg sehen kann.
Buen Camino, dein Peter
Über den Autor

Ich bin Peter Kirchmann und gehe seit 1993 Pilgerwege quer durch Europa, mehr als 6.000 Kilometer sind so zusammengekommen, den Camino Primitivo zuletzt im Sommer 2026 mit Simone. Seit 2015 schreibe ich auf Jakobsweg-Lebensweg darüber, was unterwegs wirklich zählt, und seit 2020 erzähle ich im Jakobsweg-Podcast davon. Seit 15 Jahren bin ich Mitglied im Lions Club Walldorf-Astoria.
Zuletzt aktualisiert am 7. November 2026
