Ostern und der Jakobsweg: Warum Aufbruch immer auch ein innerer Weg ist

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Was Ostern und der Jakobsweg gemeinsam haben: ein persönlicher Artikel über Aufbruch, Zweifel, Mut und den ersten Schritt auf dem inneren und äußeren Weg.

Passende Podcastfolge zum Thema:

Ostern und der Jakobsweg: Warum Aufbruch immer auch ein innerer Weg ist

von Peter Kirchmann

Ich bin in Überlingen aufgewachsen, am Bodensee. Eine kleinere Stadt, überschaubar, mit einem Marktplatz, genannt Hofstatt, einem Münster und diesem wunderschönen Blick auf den Bodensee.

Und Ostern – das war bei uns immer etwas ganz Besonderes.

Als Ministrant war die Osternacht für mich jedes Jahr ein Moment, der mich wirklich bewegt hat. Dieses Osterfeuer draußen in der Dunkelheit. Diese Stille davor. Und dann das Licht, das sich Kerze für Kerze durch die ganze Kirche weitergibt.

Ich finde das bis heute ein unglaublich starkes Bild. Das Licht vertreibt die Dunkelheit. Der Winter weicht. Etwas Neues fängt an. Auferstehung – das steckt ja schon in dem Wort drin. Etwas steht wieder auf.

Und dann der Ostersonntag. Mit allen Geschwistern raus in den Garten, Ostereier suchen. Pure Freude und Ausgelassenheit. Wir haben uns keine Sekunde Gedanken gemacht, ob wir bereit sind, ob das der richtige Zeitpunkt ist, ob wir das auch schaffen werden. Wir haben gespürt, dass es losgeht – und sind einfach gerannt.

Diese Bilder begleiten mich bis heute. Und sie kommen mir jedes Jahr wieder, wenn Ostern näher rückt.

Und irgendwann habe ich gemerkt: Ich sehe in ihnen immer auch den Jakobsweg.

Ostern und der Jakobsweg Überlingen am Bodensee

Was ein Ei mit Aufbruch zu tun hat

Ich möchte kurz bei diesem Bild des Ostereis bleiben.

Nicht bei dem bunten Ei, das man im Garten versteckt. Sondern bei dem, was ein Ei eigentlich ist.

Von außen: fest, geschlossen, glatt. Man sieht ihm gar nichts an. Ob Leben drin ist. Was daraus wird. Es gibt keine Sichtbarkeit, keine Bestätigung. Man weiß es einfach noch nicht.

Und trotzdem ist das Leben schon drin. Es wartet schon. Es braucht nur Zeit und Wärme.

Das Ei ist in der christlichen Tradition seit Jahrhunderten ein Symbol der Auferstehung, des neuen Lebens. Und ich finde, man muss das gar nicht nur religiös deuten, um zu verstehen, worum es geht. Weil wir das alle kennen. Dieses Gefühl nach einer schweren Zeit, dass es irgendwann wieder weitergeht. Dass etwas in einem aufsteht, das man schon fast aufgegeben hatte.

Und wenn ich an Aufbrüche denke – an meinen eigenen, an die Aufbrüche von Menschen, die ich auf dem Camino getroffen habe –, dann sehen die von außen fast immer so aus wie ein Ei.

Unfertig. Unsicher. Man sieht ihnen nicht an, was daraus wird.

Und das Leben ist trotzdem schon drin.


„Manchmal zeigt sich der Weg erst, wenn man anfängt ihn zu gehen.“
— Paulo Coelho


Manches beginnt lange, bevor man es von außen erkennen kann.

schlüpfendes Ei

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Moment vor dem Camino Francés

Letztes Jahr, kurz vor dem Camino Francés. Meine Frau und ich hatten uns vorgenommen, von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Santiago zu laufen. Acht Wochen. Und wenn die Füße uns weitertragen, vielleicht noch weiter bis nach Finisterre.

Was dazugehört: Ich hatte kurz davor einen Bandscheibenvorfall auskuriert. Ich wusste nicht, ob mein Körper das mitmacht. Ob acht Wochen täglich laufen realistisch sind. Ob ich das durchhalte.

Und da war diese Frage, die immer wieder auftauchte: Soll ich das wirklich machen? Ist das der richtige Zeitpunkt?

Ich kann dir gar nicht mehr genau sagen, wann dieser Moment war. Es war kein großes Ereignis. Kein Aha-Moment mit Fanfare. Irgendwann kam einfach dieser Gedanke:

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und das war es. Das war mein Ja. Kein Plan dahinter, keine Garantie, kein Versprechen an mich selbst, dass alles gut wird. Einfach nur dieses ruhige: Ja. Ich mach das.

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Taschenbuch: Jakobsweg 200 Fragen

Was muss ich wissen, bevor ich losgehe? Diese Frage stellen sich fast alle, die vom Jakobsweg träumen – egal, ob sie ihn gerade erst entdecken oder schon bald die ersten Schritte auf dem Camino gehen.

Der erste Morgen in den Pyrenäen

Und dann der erste Morgen in Saint-Jean-Pied-de-Port. Rucksack rauf, die Pyrenäen vor uns. Und ich spüre: pure Freude. Unfassbar, jetzt sind wir wirklich da, jetzt geht es los.

Und gleichzeitig, ganz leise hintendrein: Wie sollen wir das eigentlich schaffen? 800 Kilometer. Jeden Tag laufen.

Beides war da. Die Freude und der Zweifel. Nebeneinander. Und ich bin trotzdem losgegangen.

Das, glaube ich, ist Aufbruch: losgehen, obwohl man noch nicht alles weiß.


„Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, über unsere Zweifel und Bedenken.“
— Demokrit

Ein schönes und passendes Lied dazu:


Aufbruch heißt nicht, dass keine Zweifel da sind. Aufbruch heißt oft, dass man trotz Zweifel losgeht.

Loslassen

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Was Ostern und der Camino gemeinsam haben

Ich denke oft darüber nach, was Ostern und der Jakobsweg eigentlich miteinander verbindet.

Beide handeln von Übergang.

Von diesem Raum zwischen dem, was war, und dem, was noch kommt. Von diesem Moment auf der Schwelle, wo das Alte schon nicht mehr trägt – und das Neue noch nicht sichtbar ist.

Das ist kein bequemer Raum. Das kennt jeder, der schon einmal auf dem Camino war. Die ersten Tage sind fast immer hart. Der Körper beschwert sich. Der Kopf zweifelt. Man fragt sich: Warum tue ich mir das an?

Und dann, irgendwann – meistens an einem ganz unscheinbaren Stück Weg, nicht auf einem Gipfel mit toller Aussicht –, ist da plötzlich etwas. Eine Stille. Einfach dieses Gefühl: Ich bin hier richtig.

Das kommt im Gehen. Das lässt sich nicht vorbereiten.

Und vielleicht war es an Ostern damals ganz ähnlich. Die Frauen am Grab, die Jünger – keiner hat das kommen sehen. Es war kein Plan. Und trotzdem war es da, für die, die offen waren hinzuschauen.

Vielleicht ist genau das die tiefste Gemeinsamkeit: Auferstehung und Aufbruch passieren auf dem Weg. In Bewegung. Für die, die losgehen.


„Pilgern bedeutet, jeden Tag aufs Neue den Aufbruch ins Ungewisse wagen, das Gehen und Ausruhen, das Ankommen. Es bringt es mit sich, sich auf das Wesentliche zu reduzieren – und es wird einem dabei manches geschenkt, wovon man nie zu träumen gewagt hätte.“
— Renate Florl

Aufbruch

Die Frage, die ich dir mitgeben möchte

Ich treffe viele Menschen, die vom Jakobsweg träumen. Manchmal schon seit Jahren. Die spüren, dass da etwas in ihnen ist, das nach diesem Weg ruft. Und die gleichzeitig warten. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf mehr Sicherheit. Auf ein Zeichen, dass es jetzt passt.

Ich verstehe das gut. Ich war selbst lange so.

Aber ich frage mich manchmal: Was wäre, wenn der erste Schritt gar kein äußerer wäre? Was wäre, wenn er einfach darin bestünde, sich zu sagen: Ja. Ich will das.

Erinnerst du dich an die Kinder beim Ostereiersuchen? Die haben sich keine Gedanken gemacht. Die haben gespürt, dass es losgeht – und sind gerannt.

Vielleicht haben wir das irgendwann verlernt. Dieses einfache, unbekümmerte Losgehen.

Das Leben steckt schon im Ei. Es braucht kein perfektes Wetter und keinen perfekten Zeitpunkt. Es braucht nur die Erlaubnis.

Zitat:
„Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne die alten Küsten aus den Augen zu verlieren.“
— André Gide


Vielleicht ist genau das deine Frage in diesen Tagen:
Was wartet da in dir schon, das längst leben will?

Wenn du spürst, dass der Jakobsweg dich ruft, und du dir dafür Begleitung, Austausch und ehrliche Impulse wünschst, dann schau auch gerne in unsere Jakobsweg Community. Dort findest du Menschen, die sich genauso mit Aufbruch, Vorbereitung, Fragen und inneren Wegstrecken beschäftigen wie du. Vielleicht ist genau das ein guter Ort für deinen nächsten kleinen Schritt.

Ich wünsche dir frohe Ostern und eine ruhige, schöne Zeit.

Buen Camino
dein Peter Kirchmann

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