5 Dinge, die mich der Camino über Vertrauen gelehrt hat

Vertrauen

Fünf Gedanken, die mir auf dem Camino begegnet sind. Sie passen auf deinen Weg, auch wenn der Jakobsweg für dich noch weit weg ist und dein Camino gerade im Alltag liegt.

Jakobsweg Vorbereitung: Du musst nicht alles wissen, um loszugehen

Du musst für den Jakobsweg nicht perfekt vorbereitet sein. Eine grobe Planung gibt dir eine Richtung, aber was unterwegs geschieht, kannst du vorher nicht wissen. Ich habe zu Hause mit fünf Kilo Rucksack trainiert, und der erste Tag auf dem Camino war trotzdem ganz anders, als ich dachte. Vertrauen entsteht, wenn du losgehst und erlebst, dass sich der Weg Schritt für Schritt zeigt. Fünf Erfahrungen von meinen Jakobswegen zeigen dir, wie das aussieht und was du davon in deinen Alltag mitnehmen kannst.

Vielleicht stehst du vor deinem ersten Jakobsweg und hast das Gefühl, noch nicht genug zu wissen. Oder du steckst mitten im Alltag in einer Veränderung fest und weißt nicht, wie es weitergehen soll. Diesen Moment kurz vor dem ersten Schritt kenne ich gut. Auf dem Jakobsweg habe ich gelernt, wie er sich verändert, sobald man losgeht.

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Jakobsweg Kalender mit 36 Impulsen und stimmungsvollen Bildern vom Camino. Für mehr Achtsamkeit, Inspiration und innere Ruhe im Jahr 2027.

In der Hektik des Alltags spüren viele Menschen: Irgendetwas fehlt. Ruhe. Klarheit. Oder einfach ein Moment zum Durchatmen. Und genau hier setzt der Jakobsweg-Kalender 2027 an – als stiller Begleiter für ein Jahr, das dich immer wieder an das Wesentliche erinnert. Lieferbar ab 03. Oktober 2026.

1. Vertrauen beginnt mit dem ersten Schritt

Ich liebe Planung. Als ich damals in die Planungsphase gekommen bin, bin ich ganz tief eingestiegen, bis zu dem Moment, in dem ich gemerkt habe: Was ich plane, wird in der Realität anders. Das lernst du auf dem Camino als Erstes. Ein Plan kann dir eine grobe Richtung geben. Was du unterwegs erlebst und erfährst, steht in keinem Plan.

Zu Hause bin ich mit fünf Kilo Rucksack gelaufen und habe trainiert, auch einige Märsche über zehn und zwanzig Kilometer. Das Gewicht fand ich gut, es fühlte sich völlig normal an. Am ersten Tag auf dem Camino hatte ich zusätzlich zwei Liter Wasser dabei und bin damit den ganzen Tag gelaufen. Es fühlte sich ganz komisch an, viel schwerer, als ich es von zu Hause kannte.

Mit dem ersten Schritt kam ein zweiter Gedanke: Dieses Gepäck begleitet mich jetzt die nächsten Tage. Beim Training war nach einem Tag oder einem halben Schluss. Allein dieser Gedanke verändert etwas. Und dann kommt der zweite Tag, der dritte, und man gewöhnt sich schnell daran. Man weiß, dass nicht jeder Tag so verläuft wie geplant, und man gewöhnt sich auch an Dinge, die einem zuerst fremd erscheinen.

Deshalb frage ich dich: Worauf wartest du gerade noch, bevor du deinen ersten Schritt machst? Bevor du in ein Abenteuer gehst, in unbekanntes Terrain, in ein Thema, das du bisher nicht kanntest?

2. Der Weg zeigt sich Schritt für Schritt

Auf dem Camino weißt du nie wirklich, was hinter der nächsten Kurve kommt. Ob du durch den Wald gehst oder an Gersten- und Sonnenblumenfeldern entlang: Du weißt es nicht. Irgendwann wird das auch unwichtig, weil du unterwegs bist.

Das Gehen, Schritt für Schritt, wird zur Gewohnheit und zum Vertrauten. Du weißt: Heute habe ich diesen Tag vor mir. Was morgen kommt oder auf der nächsten Etappe, kann ich heute noch nicht wissen, und vielleicht ist es für heute auch gar nicht so wichtig.

Du musst also nicht den kompletten Weg nach Santiago auswendig kennen, jeden einzelnen Kilometer. Es reicht eigentlich aus, wenn du den nächsten Schritt gehst. Das lernst du auf dem Camino sehr schnell, sobald du dich auf den Weg einlässt.

Zu Hause im Alltag ist es genauso. Wenn du von deinem Camino zurück bist, entstehen neue Wege und Übergänge, sobald du dich darauf einlässt. Dazu gehört, Vertrauen in das Ungewisse zu gewinnen, also darin, nicht zu wissen, was am nächsten oder übernächsten Tag auf dich wartet.

3. Umwege gehören zum Weg

Auf dem Camino läuft nicht alles nach Plan. Du kommst an einer Unterkunft an, die du vorher reserviert hast, und deine Reservierung ist vergessen worden. Die Unterkunft ist voll. So ging es uns. Dann heißt es, spontan zu sein und einen kleinen Umweg zu nehmen: Mit Glück findest du im selben Dorf noch einen Platz, sonst ziehst du ein Dorf weiter. Auch das Wetter spielt mit, wenn es schlecht ist, und manchmal auch, wenn es zu gut ist. Beides hatten wir unterwegs.

Dann gibt es die klassischen Umwege durch das Verlaufen. Wenn du eine halbe Stunde unterwegs bist, ohne einen gelben Pfeil oder eine andere Wegmarkierung zu sehen, kannst du das auch annehmen. Manchmal triffst du dadurch Menschen, die du sonst nicht getroffen hättest, und führst Gespräche, die ohne diesen Umweg nie entstanden wären. Solche Begegnungen lassen sich nicht planen. Vielleicht läufst du eines Morgens mit einem Einheimischen, der dort jeden Morgen seinen Spaziergang macht, und aus dem Weg wird ein ganz tiefes Gespräch.

Auch wenn du deine Pause nicht so machen konntest wie gewollt oder langsamer gehen musstest als geplant, hast du etwas Wertvolles erfahren. Im echten Leben ist es ähnlich. Vermeintliche Umwege und Stolpersteine bringen dich weiter, und aus einem Stolperstein kann plötzlich eine neue Chance entstehen.

Welche Umwege in deinem Leben waren im Rückblick vielleicht sogar Geschenke?

4. Begegnungen, die dich spiegeln

Auf dem Camino begegnen dir Menschen, die dich spiegeln. Manche würden sagen, die dich antriggern. Andere ermutigen dich mit einem „Buen Camino“ oder einem „Ánimo“, einem „Auf geht’s“. Wieder andere inspirieren dich oder bringen dich zum Nachdenken, und aus manchen Gesprächen nimmst du etwas mit, das dir noch lange nach dem Camino im Gedächtnis bleibt.

Manchmal begegnest du Menschen ganz ohne Worte. Du sitzt oben auf einem Berg und erlebst gemeinsam mit einem anderen Pilger oder einer anderen Pilgerin schweigend einen Sonnenaufgang. Das ist etwas Magisches, und es bleibt vielleicht ein Leben lang in Erinnerung.

Vertrauen wächst, wenn du dich öffnest. Wenn du offen bist für das, was geschieht, und Menschen ohne Vorurteile und ohne Urteil so annimmst, wie sie sind, werden sie zu Wegweisern.

Etwas Ähnliches erlebe ich in unserer Jakobsweg-Community. Dort lernen wir Menschen durch den Austausch kennen, die wir vorher nicht kannten, und daraus entstehen Freundschaften und herzliche Begegnungen, unabhängig vom Ort. Wir teilen unsere Wege, unterstützen und ermutigen uns. Manche sind gerade selbst auf dem Jakobsweg und finden dort aufmunternde Worte für unterwegs.

5. Jeder Schritt zählt

Zum Camino gehören die Sonnentage und genauso die kleinen, unscheinbaren und schweren Schritte. Bei mir gab es einige Tage, an denen mir die Motivation schwerfiel und das Weitergehen auch. Müdigkeit und Schmerzen gehören dazu. Das sind Dinge, die wir normalerweise nicht gern aushalten oder denen wir aus dem Weg gehen. Sie sind trotzdem wertvoll, sie gehören zum Camino und zeigen, was wir auch im Alltag erleben: Es ist nicht immer Sonnenschein, es gibt schwerere Tage, und wir gehen trotzdem weiter.

Vertrauen ist eine Entscheidung, die du jeden Tag neu treffen kannst. Auf dem Camino und im eigenen Leben darfst du jeden Tag als neue Chance und als eigene neue Einheit sehen.

Was du vor dem ersten Schritt mitnehmen kannst

Wenn du dich auf deinen Jakobsweg vorbereitest, ist eine grobe Planung hilfreich. Ich plane selbst gern, und ein gutes Training hat sich für mich gelohnt. Ob du dabei jede Etappe festlegst, jeden Schlafplatz kennst und jedes Gramm im Rucksack gewogen hast, entscheidet nicht darüber, ob du losgehen darfst. Der Weg zeigt dir Schritt für Schritt, was kommt.

Falls du erst einmal herausfinden möchtest, welcher Jakobsweg zu dir passt, hilft dir das Jakobsweg-Quiz. Im kostenfreien Buen-Camino-Club findest du Inhalte für deine Vorbereitung und die Zugänge zu unseren Communitys.

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Taschenbuch: Jakobsweg 200 Fragen

Was muss ich wissen, bevor ich losgehe? Diese Frage stellen sich fast alle, die vom Jakobsweg träumen – egal, ob sie ihn gerade erst entdecken oder schon bald die ersten Schritte auf dem Camino gehen.

Ein Vorschlag zum Schluss

Nimm dir diese drei Fragen mit in die Woche:

  • Worauf wartest du gerade noch, bevor du deinen ersten Schritt machst?
  • Welche Umwege in deinem Leben waren im Rückblick vielleicht sogar Geschenke?
  • Was wäre heute dein nächster kleiner Schritt, der dich dem, was du bist, ein Stückchen näher bringt?

Such dir eine davon aus und geh den Schritt heute. Wenn du magst, erzähl mir in der Jakobsweg-Community, wie er aussieht.

Mit dem Gedanken „Jeder Camino beginnt mit dem ersten Schritt“ beginnt auch der Januar in unserem Jakobsweg-Kalender 2027. Darunter steht die Frage: Wer möchtest du sein, und wie möchtest du am Jahresende zurückblicken? Bis zum 8. Oktober gehören zum Kalender im Vorverkauf das eBook „Dein Camino beginnt vor dem ersten Schritt“, ein Camino-Lesezeichen und ein gemeinsamer Zoom-Abend am 19. Oktober.

Buen Camino, dein Peter

Über den Autor

Peter Kirchmann
Peter Kirchmann
Gründer von Jakobsweg-Lebensweg & Jakobsweg-Experte

Ich bin Peter Kirchmann und gehe seit 1993 Pilgerwege quer durch Europa, mehr als 6.000 Kilometer sind so über die Jahre zusammengekommen. Seit 2015 schreibe ich auf Jakobsweg-Lebensweg darüber, was unterwegs zählt und was davon zu Hause bleibt. Im Podcast und in der Community beantworte ich die Fragen, die Pilger vor und nach ihrem Weg beschäftigen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Braun habe ich 588 Pilger zu ihren Erfahrungen befragt. Was hier steht, kommt aus eigener Erfahrung.