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Zurück zu mir: 1000 Kilometer Jakobsweg – Anne läuft nach Finisterre
Annes Seidlers Reise zeigt auf leise und kraftvolle Weise, was entstehen kann, wenn wir uns erlauben, einen Schritt aus dem Alltag herauszutreten. Weg von Terminen, Rollen und Erwartungen. Hin zu den Fragen, die sonst kaum Raum bekommen. Auf dem Camino hat sie sich eingelassen auf die Stille, auf die Zweifel, auf dieses einfache Unterwegssein mit sich selbst.
Die Podcastfolge zum Blogartikel:
In der heutigen Podcastfolge geht es über Vertrauen, Loslassen und das Unterwegssein mit sich selbst
Manche Wege beginnen lange, bevor der erste Schritt getan wird. Sie entstehen im Inneren, wachsen still zwischen Alltag, Verantwortung und leisen Fragen. Anne ist einen solchen Weg gegangen. Erst innerlich, dann ganz konkret. Tausend Kilometer zu Fuß durch Spanien. Vom ersten Schritt in Saint Jean Pied de Port bis weit hinter Santiago hinaus Richtung Finisterre.
Als ich mit ihr gesprochen habe, war schnell klar, dass es bei ihrem Camino um etwas ging, das viele Menschen berührt. Um Vertrauen. Um das Loslassen von Rollen. Um die Frage, wer wir sind, wenn wir für einen Moment aufhören, zu funktionieren.
Diese Podcastfolge ist kein Reisebericht im klassischen Sinn. Sie ist eine Annäherung an einen Weg, der sich Schritt für Schritt entfaltet hat. Und an eine Frau, die sich erlaubt hat, diesem Weg zu vertrauen.
Der Gedanke, der nicht mehr verschwindet
Die Idee vom Jakobsweg war bei Anne lange präsent. Sie kam nicht plötzlich, sie drängte sich nicht auf. Sie war einfach da. Begleitet von einem Buch, das viele kennen.
„Ich habe es, glaube ich, viermal gelesen“, sagt Anne. Was sie daran fasziniert hat, war weniger das Unterwegssein als Erlebnis. Es war die Tiefe der Fragen. „Diese Frage, wer bin ich eigentlich, und die Suche nach der Begegnung mit Gott.“
Diese beiden Linien zogen sich früh durch ihre Gedanken. Selbstfindung und Spiritualität. Nicht laut, nicht missionarisch. Eher wie ein inneres Ziehen.
Über Jahre blieb dieser Gedanke. Und irgendwann wurde daraus eine Entscheidung.
„Okay, ich warte nicht bis zur Rente, ich will das bald machen.“
Anne beantragte ein Sabbat Halbjahr, sparte, plante und schuf Raum. Nicht als Flucht. Sondern als bewusste Zäsur.

Taschenbuch: Jakobsweg 200 Fragen
Was muss ich wissen, bevor ich losgehe? Diese Frage stellen sich fast alle, die vom Jakobsweg träumen – egal, ob sie ihn gerade erst entdecken oder schon bald die ersten Schritte auf dem Camino gehen.
Ein Schnitt im Alltag
Nach fünfundzwanzig Jahren Familienarbeit und zehn Jahren als Lehrerin bedeutete diese Entscheidung mehr als eine Auszeit. Es war ein Innehalten. Ein Herausgehen aus einem Leben, das stark auf andere ausgerichtet war.
Anne beschreibt es sehr klar.
„Jetzt bin ich nur mit mir selber unterwegs und schau mal, was da noch ist.“
Diese Klarheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie entsteht dort, wo jemand bereit ist, die gewohnten Sicherheiten für eine Zeit loszulassen. Der Camino wurde für Anne zu genau diesem Raum.
Wenn Ängste gehen, sobald man losläuft
Der Startpunkt war Saint Jean Pied de Port. Zwei Nächte zum Ankommen, zum Sortieren. Dann der Aufstieg nach Orisson. Steil. Anstrengend. Körperlich fordernd.
Anne war nicht ideal vorbereitet. Krankheit im Sommer, Schulterprobleme, wenig Training. „Ich bin mit relativ wenig Vorbereitung gestartet“, sagt sie offen.
Die größte Angst war da. Schaffe ich das körperlich. Trägt mein Körper mich wirklich über diesen Weg.
Und dann passierte etwas, das viele Pilger kennen. Mit dem ersten Schritt auf dem Camino wurden diese Gedanken leiser. Das Loslaufen selbst hat sie entmachtet. Nicht alles war leicht, aber das Vertrauen war da. Ich bin unterwegs. Und es geht.
„Ich glaube, das Loslaufen hat mir geholfen.“
Mit dem Gehen veränderte sich etwas. „Dieses, vielleicht klappt es gar nicht, das war weg, sobald ich den ersten Schritt auf den Weg gesetzt habe.“ Der Körper tat, was er konnte. Der Kopf wurde leiser. „Dann bin ich im Moment und habe nicht mehr so viele Gedanken darin, was sein könnte.“
Die körperliche Unsicherheit begleitete sie noch lange. „Die bin ich, glaube ich, erst relativ am Schluss losgeworden.“ Doch der Weg hatte begonnen. Und das reichte.
Orisson und die erste Camino Familie
Orisson ist ein Ort, an dem sich vieles verdichtet. Die Ankunft, das gemeinsame Abendessen, das Ritual mit dem Löffel. Ein Kreis von Menschen, die sich vorstellen. Und sofort über das sprechen, was wirklich zählt.
Anne beschreibt diese Runde eindrücklich.
„Dieser berühmte Teelöffel, Mikrofonteelöffel, der weitergegeben wird.“
Vierzig Menschen, vierzig Geschichten. „Warum laufe ich den Camino. Ich suche Gott. Ich bin gerade in Rente gegangen und werde mich neu orientieren. Ich bin unterwegs, weil ich jemanden verloren habe.“
Hier entsteht Verbindung. Schnell, tief, ungefiltert. „Dieses Gefühl von meiner ersten Camino Familie, die beginnt im Orisson.“
Als Anne an der Reihe war, sprach sie aus, was sie trug. „Ich wollte wissen, wer ich bin.“ Nach Jahren des Gebens. Nach Jahren des Kümmerns. Dazu kam die spirituelle Suche. „Als Zweites war sicher auch die Suche nach Gott dabei.“
Anne ist Pastorstochter. Der Glaube war immer da. Doch sie sagt einen Satz, der viel über ihren Weg erzählt. „Da muss man sich immer selbst für den Glauben entscheiden.“
Rollen, die mitgehen
Der Camino ist kein Ort, an dem Rollen einfach verschwinden. Manchmal zeigen sie sich sogar besonders deutlich. Schon am zweiten Tag begegnete Anne dieser Erfahrung.
Ein brasilianischer Pilger. Ein fast verlorener Schlafsack. Anne hilft. Ein kleiner Moment. Und dann seine Worte. Du bist eine gute Mama.
„Ich wurde mehrfach darauf angesprochen, du kümmerst dich so schön“, erzählt Anne. Und da war sie wieder, diese Rolle, die sie eigentlich hinterfragen wollte. „Ich dachte, super, ich werde diese Rolle nicht los.“
Dann folgt ein Satz, der viel Reife in sich trägt.
„Vielleicht ist es auch einfach Teil dessen, wer ich bin. Ich bin jemand, der sich kümmert.“
Der Camino nimmt nichts weg, was wesentlich ist. Er macht sichtbar. Und er lädt ein, bewusster mit dem umzugehen, was da ist.
Schreiben, Teilen und Pausen
Viele Menschen begleiteten Anne auf ihrem Weg. Ihre Familie zuhause. Die Jakobsweg-Community auf Skool. Über Texte, über Rückmeldungen. Schreiben wurde für sie ein Werkzeug der Reflexion.
„Mir hilft es immer, über das Schreiben für andere zu reflektieren, was bei mir gerade passiert.“
In schwierigen Phasen war die Unterstützung spürbar. „Gerade als es zwischendurch nicht so gut lief, kam ganz viel Unterstützung.“
Gleichzeitig lernte Anne, Grenzen zu setzen. Nicht jeden Tag posten. Nicht immer erreichbar sein. „Ich bin zwischendurch eine ganze Woche ohne zu Posten gelaufen.“
Diese Balance entstand aus dem Hineinspüren. „Will ich mich heute mitteilen. Brauche ich jetzt Ruhe.“
Loslassen unterwegs und zu Hause

Loslassen bedeutete für Anne, Menschen ziehen zu lassen, die schneller gingen oder andere Ziele hatten. „Diese Entscheidung, ich verstehe mich so gut mit diesen Menschen. Das sind Freunde geworden. Aber ich muss sie jetzt ziehen lassen.“
Es bedeutete auch, gegen eigene Gewohnheiten zu handeln.
„Ich habe dann diese Entscheidung getroffen, gegen meine Gewohnheiten.“
Und es bedeutete, Verantwortung zu Hause abzugeben. Drei Kinder, ein Sohn mit Down Syndrom. Das ist kein leichter Schritt. Am Anfang kamen Nachrichten. „Mama, mir tut das weh, was kann ich machen.“
Anne lernte, den Raum zu halten. „Papa ist zuständig. Ich bin in Spanien, ich kann nicht.“
Nach drei Wochen veränderte sich etwas. „Aber nach drei Wochen war ich so weit, da loszulassen.“ Sie spürte Freiheit. „Ich habe meine Freiheit wirklich genossen. Ich wusste, zu Hause läuft es.“
Als sie zurückkam, war da Staunen. „Zu sehen, wie gut es ohne mich lief.“ Eine Erfahrung, die trägt.
Versorgt sein

Einsamkeit spielte auf Annes Camino kaum eine Rolle. Obwohl sie viele Stunden allein unterwegs war, stellte sich dieses Gefühl des Verlassenseins nicht ein. Stattdessen wuchs etwas anderes. Leise. Beständig. Ein tiefes Vertrauen, dass sie getragen ist.
Der Wendepunkt kam auf einer Etappe hinter Burgos. Eine Begegnung, wie sie auf dem Camino oft geschieht. Ungeplant, unspektakulär, und genau deshalb so wirksam. Anne traf eine Engländerin. Ein kurzes Gespräch. Dann dieser Satz, der sich festsetzte.
„Halte doch mal die Hände auf. Nimm, was du kriegst. Sei offen dafür. Du wirst versorgt.“
Anne nahm diese Worte mit. Sie ließ sie nicht einfach stehen, sondern trug sie weiter. Sie wurden zu einem inneren Satz, den sie sich immer wieder sagte.
„Help me to receive.“
Es war ein Perspektivwechsel. Weg vom Tun, vom Organisieren, vom Sich Kümmern. Hin zum Empfangen. Zum Zulassen.
Und der Camino antwortete auf seine eigene Weise. Nicht mit großen Zeichen, sondern im Alltag. Anne beschreibt es ganz konkret.
„Ich finde immer jemanden, mit dem ich zu Abend essen kann. Ich mag es nicht alleine zu essen. Irgendwer war immer da.“
Menschen tauchten auf, oft genau dann, wenn der Tag lang war. Gespräche entstanden am Tisch, ohne Verabredung. Ein Bett fand sich. Etwas Warmes zu essen. Ein Platz, an dem sie bleiben konnte. Immer wieder diese Erfahrung. Ich bin nicht allein. Ich werde getragen.
Dieses Gefühl von Versorgtsein war kein einmaliges Erlebnis. Es zog sich durch ihren Weg. Still, verlässlich, fast unscheinbar. Und gerade deshalb so kraftvoll.
Kleine, stille Wunder
Die besonderen Momente auf dem Camino waren für Anne selten laut oder spektakulär. Es waren kleine Begegnungen, kurze Sätze, beiläufige Gesten, die sich im richtigen Moment als entscheidend erwiesen.
In Logroño sprach sie ein Mensch an, den sie vorher nicht kannte. Ein kurzer Blick, ein ehrlicher Satz.
„Du bist müde. Ja, dann mach eine Pause.“
Anne hörte hin. Sie blieb. Buchte zwei Nächte. Ruhte sich aus. Keine Rechtfertigung. Kein schlechtes Gewissen. Nur das Anerkennen dessen, was gerade war.
Ein anderes Erlebnis liegt auf dem Weg kurz vor Carrión de los Condes. In der Kirche von Villalcazar de la Sirga. Ein alter Raum, getragen von Jahrhunderten. Ein Stein im Boden, leicht versetzt, kaum auffällig.
Ein Spanier zeigte ihr den Ort und sagte sinngemäß, dass man dort Kraft bekommt, wenn man stehen bleibt. Anne folgte dieser Einladung. Sie stellte sich hin. Öffnete die Hände. Blieb.
Später beschreibt sie diesen Moment so.
„Bin dann die letzten fünf Kilometer praktisch geflogen.“
Was genau dort geschah, lässt sich schwer erklären. Vielleicht muss man es auch nicht. Manche Erfahrungen entfalten ihre Wirkung jenseits von Worten. Sie setzen sich im Körper fest. Und bleiben.
Erschöpfung und kluge Entscheidungen
Der Camino war kein durchgehendes Hoch. Es gab Phasen, in denen Anne sehr erschöpft war. Besonders die Morgen forderten sie heraus.
„Mein Kreislauf war wirklich furchtbar in den Morgen.“
Sie reagierte darauf, indem sie ihr Gehen veränderte. Kürzere Etappen. Mehr Pausen.
„Bin manchmal nur acht Kilometer gelaufen.“
Anne setzte sich kleine, überschaubare Ziele. Ein Ort. Eine Etappe. Dann weitersehen.
„Ich schaffe es bis Burgos und wenn es dann nicht geht, breche ich ab.“
Diese Haltung nahm Druck heraus. Sie öffnete Raum für Entscheidungen, die dem Moment entsprachen. Wenn es nötig war, nutzte Anne den Gepäcktransport. Sie schickte schwere Dinge voraus, um sich selbst zu entlasten.
Der Weg blieb ihrer. In Tempo, Rhythmus und Gestaltung.
Die Meseta – Weite, Erwartung und das, was dann wirklich kommt
Die Meseta hatte für Anne lange einen besonderen Klang. Sie hatte viel darüber gehört. Von Weite, von Spiritualität, von einer fast meditativen Erfahrung. Von einer Strecke, die etwas mit einem macht.
Mit diesen Bildern ging sie hinein. Und entschied sich bewusst für einen Rückzug.
„Auf der Meseta wollte ich das, was so viele berichten, dass das eine ganz spirituelle Zeit ist. Das wollte ich erfahren.“
Anne meldete sich ab. Kein Posten. Kein Teilen. Sie wollte schauen, was passiert, wenn sie ganz bei sich bleibt. Tage des Gehens, des Schweigens, der inneren Beobachtung.
Doch die Meseta antwortete anders, als erwartet.
„Bei mir war es dann letztendlich ganz anders.“
Statt großer innerer Klarheit kam Leere. Statt spiritueller Höhen ein Gefühl von Ermüdung. Die Weite war da, aber sie trug nicht automatisch. Anne ließ das zu. Sie blieb im Gehen. Und auch im Nichtwissen.
Diese Erfahrung war wichtig, gerade weil sie den Erwartungen widersprach. Anne beschreibt den Camino an dieser Stelle sehr ehrlich.
„Wenn man diese Erfahrungen sucht und gut in sich reinspürt, dann wird man dafür ein Gefühl kriegen, was man braucht.“
Für sie bedeutete das auf der Meseta, sich noch einmal zurückzunehmen. Keine Deutung. Kein Zwang, etwas erleben zu müssen. Einfach gehen. Und aushalten, dass nicht jeder Abschnitt Antworten bereithält.
Die Meseta wurde für Anne so zu einem Raum der Ent-Täuschung. Die Bilder lösten sich. Zurück blieb etwas Echtes. Ein stilles Weitergehen, ohne Etikett.
Rabanal del Camino – bleiben, um weitergehen zu können
Irgendwann auf dem Weg kam Anne an einen Punkt, an dem das Gehen schwerer wurde. Nicht nur in den Beinen. Es war eine Phase, in der sich vieles gleichzeitig zeigte. Erschöpfung, Zweifel, eine innere Müdigkeit, die tiefer ging als reine körperliche Anstrengung.
Anne spricht darüber sehr offen.
„Ich hatte eine Zeit, in der es mir nicht gut ging. In der ich mich sehr schwach gefühlt habe.“
Der Camino hatte begonnen, an Schichten zu rühren, die sich nicht im Vorbeigehen sortieren lassen. Genau in dieser Zeit begegnete sie zwei schottischen Pilgerinnen. Zufällige Begegnungen, wie sie auf dem Camino so oft geschehen. Man geht ein Stück gemeinsam, kommt ins Gespräch, hört zu.
Anne erzählt, dass diese beiden Frauen ihre Geschichte hörten und etwas sagten, das hängen blieb. „Die sagten, wenn wir uns deine Geschichte anhören, überlege dir doch, ob du da nicht ein paar Tage Pause machst, um dich im Kloster zu sortieren.“
Dieser Satz fiel nicht als Empfehlung von außen. Er traf etwas, das in Anne bereits da war. Ein inneres Wissen, dass jetzt Raum gebraucht wird. Zeit. Stille. Kein weiteres Abarbeiten von Kilometern.
Für Anne war klar, warum dieser Moment wichtig war. „Ich wollte, bevor ich aufs Cruz de Ferro gehe, ein paar Sachen für mich klarkriegen.“ Rabanal lag auf dem Weg. Das Kloster ebenso. Und plötzlich ergab alles Sinn.
Sie traf diese Entscheidung bewusst. „Ich habe dann gesagt, okay, ich mache das.“ Nicht impulsiv. Nicht aus Überforderung. Sondern aus einem tiefen Hineinspüren heraus.
Die Tage in Rabanal wurden zu einer Zäsur im Gehen. Ein Ort, an dem nichts verlangt wurde. Kein Weiter. Kein Ziel. Nur Dasein. Zeit, um zu hören, was im Inneren leise geworden war.
Anne beschreibt diesen Prozess als etwas, das sich nicht erzwingen lässt.
„Wenn man diese Erfahrungen sucht und gut in sich reinspürt, dann wird man dafür ein Gefühl kriegen, was man braucht.“
Der Camino zeigt Wege auf. Er öffnet Türen. Durchgehen muss man selbst.
Und manchmal sind es genau solche Begegnungen, die helfen, stehen zu bleiben, wenn Weitergehen eine andere Qualität braucht. Menschen, die zur richtigen Zeit auftauchen, zuhören und einen Satz sagen, der den nächsten Schritt möglich macht.
Stärke, die bleibt

Irgendwann veränderte sich etwas. Nicht abrupt. Eher schleichend. Anne spürte, dass ihr Körper wieder Kraft fand.
„Dass ich das Gefühl hatte, ja, jetzt ist mein Körper stark.“
Dieses Gefühl zeigte sich besonders am Ende des Weges. Am letzten Tag lief sie noch einmal eine lange Strecke.
„Ich bin am allerletzten Tag nochmal eine Strecke gelaufen von 28 Kilometern und das ging.“
Diese Erfahrung brannte sich ein. Nicht als Leistung, sondern als Gewissheit.
„Ich bin 1000 Kilometer zu Fuß durch Spanien gelaufen.“
Ein Satz, der bleibt. Der im Alltag wieder auftaucht. In Momenten von Zweifel oder Müdigkeit. Als leise Erinnerung an das, was möglich ist.
Wieder zusammengesetzt
Anne greift ein Bild auf, das viele Pilger kennen und das für sie eine sehr konkrete Bedeutung bekommen hat.
„Der Camino nimmt dich komplett auseinander und setzt dich dann Stück für Stück wieder zusammen.“
Bei ihr war das genau so. Es gab Phasen, in denen alles offen war. Der Körper müde, der Kopf leer, das Herz weit. Tage, an denen sie einfach gegangen ist, ohne zu wissen, was davon bleibt.
Begegnungen haben sich eingeprägt. Gespräche, die plötzlich Tiefe hatten. Zeiten, in denen Stille nichts Leeres war. Und irgendwann hat sie gemerkt, dass sich etwas ordnet. Still. Ohne dass sie es festhalten musste.
Am Ende spricht Anne von etwas, das sie lange nicht gespürt hatte.
„Eine wiedergefundene Lebensfreude, ein inneres Leuchten.“
Sie sagt das ruhig. Ohne große Worte. Als etwas, das da ist und das sie mitnimmt. Nicht jeden Tag gleich stark. Aber spürbar.
Was bleibt

Annes Weg lässt sich nicht kopieren. Er folgt keinem Plan. Und genau darin liegt seine Kraft. Er lädt ein, dem eigenen Gehen zu vertrauen. Pausen zuzulassen. Entscheidungen ernst zu nehmen, auch wenn sie leise sind.
Wenn du an einer ähnlichen Stelle stehst, findest du in unserer Jakobsweg Community Menschen, die diese Fragen kennen. Die gehen. Die stehen bleiben. Die weitergehen. Jeder auf seine Weise.
Vielleicht ist das genug für den Moment.
Buen Camino.
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