Podcast Interview
Christine Thürmer: Was macht einen Weg wirklich zu einem Pilgerweg?
Mit Christine Thürmer habe ich das bislang längste Interview in meinem Podcast geführt. Ein weites und inspirierendes Gespräch über ihr Pilgerjahr 2025, über Wege in Osteuropa, über gelebten Glauben, Dankbarkeit und darüber, was Pilgern im Kern bedeutet.
Christine Thürmer im Podcast: Ein langes Gespräch über Wege, Pilgern und Glauben
Es gibt Folgen, die sind nach vierzig oder fünfzig Minuten rund. Und es gibt Gespräche, die werden beim Aufnehmen einfach immer weiter, weil sich hinter einer Frage schon die nächste öffnet.
So war es bei meinem Interview mit Christine Thürmer.
Am Ende wurde es das längste Gespräch, das ich in diesem Podcast bisher geführt habe. Und irgendwie passt das sehr gut. Wenn jemand zu einem langen Gespräch einlädt, dann vielleicht tatsächlich die meistgewanderte Frau der Welt.
Wobei das Interessante an dieser Folge für mich am Ende gar nicht die vielen Kilometer waren. Es war etwas anderes. Es war die Weite des Gesprächs. Die vielen Ebenen. Die Klarheit, mit der Christine auf Wege schaut. Und die Ernsthaftigkeit, mit der sie über Pilgern spricht.
Ich habe mir die Folge nach dem Interview noch einmal in Ruhe angehört. Und dabei wurde mir noch deutlicher, wie viel in diesem Gespräch steckt. Es ist kein Interview, das man auf ein oder zwei zugespitzte Aussagen reduzieren sollte. Dazu ist es viel zu reich. Es geht um ihren Weg aus einem ganz anderen Leben. Es geht um die Art, wie sie auf Langstreckenwandern schaut. Es geht um ihr Pilgerjahr 2025. Es geht um Polen, Litauen, Klöster, Gottesdienste, Dankbarkeit, Kirche, Heimat und um die Frage, was einen Weg wirklich zu einem Pilgerweg macht.
Christine Thürmer ist eine Frau mit einem sehr klaren Blick. Mit Erfahrungen, die nicht aus drei Wochen Fernwandern stammen, sondern aus vielen Jahren des Unterwegsseins.
Das war das bislang längste Interview bei Jakobsweg-Lebensweg.
Und genau das passt erstaunlich gut zu einem Gast, der für lange Wege steht wie kaum jemand sonst.
Eine Frau, die Wege anders erlebt
Viele kennen Christine Thürmer über ihre Bücher, ihre Shows oder ihre Geschichten von sehr langen Trails in Amerika, Europa und Asien. Insgesamt 70.000 Kilometer hat sie bisher wandernd zurückgelegt. In der öffentlichen Wahrnehmung steht oft zuerst die Strecke. Die Zahl. Die Leistung. Die unglaubliche Menge an Kilometern.
Im Gespräch hat mich viel stärker interessiert, wie jemand auf Wege schaut, für den Gehen kein gelegentliches Projekt ist, sondern ein Lebensmodell geworden ist.
Christine hat ja einmal in einer ganz anderen Welt gelebt. Sie war erfolgreiche Managerin, hat in Unternehmen Verantwortung getragen, strukturiert gearbeitet, geplant, entschieden. Irgendwann kam für sie die Frage auf, warum sie für Firmen langfristige Businesspläne entwerfen konnte, für ihr eigenes Leben aber nicht. Das war einer der Punkte, an denen ihr klar wurde, dass sie grundsätzlich etwas ändern wollte.
Was mir an ihrer Erzählweise gefallen hat: Sie beschreibt diesen Wechsel sehr nüchtern. Kein großer Befreiungsmythos, keine romantische Aussteigerpose. Eher eine klare Entscheidung. Wenn ich mein Leben verändern will, muss ich mein Leben verändern. Dazu gehörte auch, den eigenen Lebensstil zu überprüfen. Weniger ausgeben. Rücklagen bilden. Fixkosten senken. Die Wohnung aufgeben. Mit wenig auskommen. Das Zelt als Schutzraum. Später über viele Jahre ohne feste Wohnung leben.
Solche Entscheidungen verändern den Blick auf das Unterwegssein. Und ich glaube, man spürt das in der ganzen Folge. Christine spricht über Wege anders, weil sie sie anders lebt. Sie geht nicht für eine gewisse Zeit aus dem Alltag heraus auf einen Weg. Der Weg ist selbst ein Stück Alltag geworden. Das macht ihren Blick so interessant. Und an manchen Stellen vermutlich auch so ungewohnt für Menschen, die Pilgerwege vor allem als Übergangszeit, Neuorientierung oder Auszeit erleben.

Foto: Christine Thürmer, Amerika
2025 als Jahr des Pilgerns
Ein starkes Motiv in unserem Gespräch war Christines Beschreibung von 2025 als ihrem Jahr des Pilgerns.
Das fand ich schon im Vorfeld spannend. Denn viele kennen sie als Langstreckenwanderin. Dass sie selbst dieses Jahr so klar unter das Thema Pilgern stellt, verändert die Perspektive. Plötzlich geht es nicht nur um Strecke, Ausrüstung, Ausdauer oder Abenteuer. Es geht um eine Suchbewegung. Um eine bewusste Hinwendung zu Pilgerwegen. Um die Auseinandersetzung mit gelebter Spiritualität und mit dem, was Pilgern in seinem Kern eigentlich bedeuten könnte.
Christine war in diesem Jahr auf ganz unterschiedlichen Wegen unterwegs. Litauen, Polen, Österreich, Ungarn, Rumänien. Also nicht die Wege, die vielen als Erstes einfallen, wenn sie an Pilgern denken. Und gerade das macht das Gespräch so wertvoll. Es öffnet den Blick. Es zeigt, dass Pilgern in Europa viel größer ist als die bekannten spanischen Routen. Und es zeigt, dass sich auch die Frage nach Glauben, Ritual und geistlicher Praxis auf sehr unterschiedliche Weise stellen kann.

Taschenbuch: Jakobsweg 200 Fragen
Was muss ich wissen, bevor ich losgehe? Diese Frage stellen sich fast alle, die vom Jakobsweg träumen – egal, ob sie ihn gerade erst entdecken oder schon bald die ersten Schritte auf dem Camino gehen.
Für Christine war das Pilgerjahr offenbar auch eine Rückbewegung in einen kulturellen Raum, der ihr näher ist. Nach langen Jahren in Asien wollte sie wieder auf Wegen unterwegs sein, deren religiöse, historische und symbolische Sprache sie tiefer versteht. Kirchen, Wallfahrtsorte, Marienbilder, Klöster, Liturgie — all das war für sie nicht bloß Kulisse, sondern ein Teil des Weges selbst.
Dieser Punkt hat mir im Nachhören noch einmal gefallen. Weil er das Gespräch sofort aus dem engen Rahmen „gefällt mir ein Weg oder gefällt er mir nicht“ herausholt. Es geht tiefer. Es geht um die Frage, in welchem geistigen und kulturellen Raum ein Mensch unterwegs ist. Und wie sehr dieser Raum den Weg mitprägt.
Drei große Linien dieser Folge
- Christines Weg aus einem früheren Leben in ein Leben auf langen Wegen
- ihr Pilgerjahr 2025 mit Erfahrungen in Osteuropa
- die Frage, was Pilgern im Kern eigentlich bedeutet

Was ist Pilgern überhaupt?
Wenn ich das Gespräch auf eine Kernfrage verdichten müsste, dann wäre es wahrscheinlich diese:
Was ist Pilgern überhaupt?
Christine macht hier eine sehr klare Unterscheidung. Für sie ist es ein Unterschied, ob man auf einem Pilgerweg geht oder ob man tatsächlich pilgert. Das ist vielleicht der zentrale Gedanke des ganzen Interviews.
Sie verbindet Pilgern mit einer geistlichen Haltung. Mit Demut. Mit bewusster Einfachheit. Mit Ritualen. Mit Gottesdiensten. Mit Kirchenräumen. Mit Gebet. Mit einer Bereitschaft, sich einem Weg nicht nur körperlich, sondern auch innerlich auszusetzen.
Diesen Gedanken fand ich interessant, gerade weil er nicht so leicht zu konsumieren ist. Er stellt Fragen. Er lässt nicht alles sofort gelten, nur weil es auf einem Pilgerweg stattfindet. Er fragt genauer hin: Was suche ich auf einem Weg? Was erwarte ich von ihm? Was bin ich bereit, mitzutragen? Was bedeutet es überhaupt, sich auf einen Pilgerweg einzulassen?
Ich weiß, dass viele Menschen an dieser Stelle andere Erfahrungen haben. Und das ist auch gut so. Für manche beginnt Pilgern genau dort, wo sie ohne kirchliche Sprache, ohne religiöse Vorprägung und ohne fertige Antworten losgehen. Auch diese Form von Suche ist echt. Sie ist berührbar, manchmal sehr tief. Ich habe davon in meinem Podcast oft gehört.
Und trotzdem fand ich Christines Sicht an dieser Stelle wertvoll. Nicht als letzte Wahrheit. Aber als Erinnerung daran, dass Pilgern einmal aus einer ganz bestimmten geistlichen Bewegung entstanden ist. Ein Pilgerweg trägt nicht nur Landschaft. Er trägt Geschichte. Gebete. Hoffnungen. Schuld. Dank. Bitte. Heilungssehnsucht. Vielleicht geht etwas davon verloren, wenn der Weg nur noch als schöne Strecke wahrgenommen wird.
Fotos: Christine Thürmer, GR 1 Spanien, 2025
„Ein Pilgerweg trägt nicht nur Landschaft. Er trägt Geschichte. Gebete. Hoffnungen. Schuld. Dank. Bitte. Heilungssehnsucht.“
Der Camino im Gespräch — ein Teil, nicht das Ganze
Natürlich kommt in der Folge auch das Thema Camino vor. Und natürlich bleibt Christine dort klar in ihrer Wahrnehmung.
Sie beschreibt spanische Caminos als sehr gut organisierte, niedrigschwellige Wege. Mit guter Infrastruktur, klarer Markierung, Herbergen, Gepäcktransport und einer großen Zugänglichkeit. Dass viele Menschen dort einen ersten Zugang zum Gehen finden, versteht sie. Sie bestreitet gar nicht, dass dort viel in Bewegung kommen kann.
Was ihr fehlt, ist etwas anderes. Offene Kirchen. Gelebte religiöse Praxis. Eine stärkere geistliche Präsenz auf dem Weg. Für sie gehört das zum Pilgern dazu. Und sie beobachtet, dass diese Dimension auf manchen stark frequentierten Wegen in den Hintergrund rückt.
Das ist eine klare Sicht. Sie ist nicht neu. Aber im Gespräch wurde für mich besser verständlich, woher sie kommt.
Eine Rolle spielt dabei sicher auch ihre Erfahrung auf dem Camino del Norte. Die Geschichte mit der Steckdose war in der Folge deutlich mehr als eine kleine Reiseanekdote. Während sie davon erzählte, merkte man, wie sehr sie diese Szene bis heute beschäftigt. Sie saß dort, wollte etwas ganz Einfaches, bekam keine Reaktion und fühlte sich in einer verletzlichen Situation übergangen. Solche Momente brennen sich ein. Gerade auf Wegen, auf denen man ohnehin offen, müde und durchlässig ist.
Aber ich würde diese Szene nicht zum Hauptschlüssel ihres ganzen Blicks machen. Dazu ist ihre Sicht auf Pilgern zu grundsätzlich. Die Steckdosen-Geschichte ist eher ein prägender Moment innerhalb einer tieferen Haltung. Ihr geht es um mehr als um schlechte Erfahrungen. Ihr geht es um die Frage, was von einem Pilgerweg bleibt, wenn der religiöse Kern kaum noch sichtbar ist.
Ich fand wichtig, dass das Gespräch an dieser Stelle nicht hängenblieb. Der Camino war ein Thema. Aber eben nicht das einzige und auch nicht das größte. Dafür war der Horizont des Interviews viel weiter.
Polen als Schlüsselerfahrung
Besonders stark wurde das Gespräch für mich in dem Teil, in dem Christine von Polen erzählte.
Dort hat sie etwas erlebt, das sie tief beeindruckt hat. Nicht als Folklore. Nicht als hübsche Tradition am Rand. Sondern als gelebten Glauben mit einer Ernsthaftigkeit, die sie so in dieser Form lange nicht erlebt hatte.
Sie sprach von vollen Kirchen. Von mehreren Gottesdiensten am Tag. Von Pilgergruppen mit Kreuz, Gesang, Musik und Gebet. Von Menschen, die knien. Von Prozessionen. Von einer religiösen Selbstverständlichkeit, die nicht erklärt oder abgesichert werden muss.

Eine Szene blieb besonders hängen: eine singende Pilgergruppe um ein Marienbild, Menschen auf den Knien, Christine mitten darin mit schmerzhaftem Knie und zugleich spürbar berührt von der Intensität dieses Moments. Solche Bilder tragen ein Gespräch. Und sie machen verständlich, wonach sie im Pilgern sucht.
Polen wurde in der Folge fast zu einem Gegenraum. Nicht im Sinn eines einfachen Vergleichs, wer es besser oder richtiger macht. Sondern als Erfahrungsraum, in dem etwas sichtbar wurde, das Christine am Pilgern wesentlich findet: gelebte Frömmigkeit, Demut, Ernsthaftigkeit, religiöse Praxis als etwas Körperliches und Alltägliches.
Foto: Christine Thürmer, Polen
Polen wurde in der Folge fast zu einem Gegenraum. Nicht im Sinn eines einfachen Vergleichs, wer es besser oder richtiger macht. Sondern als Erfahrungsraum, in dem etwas sichtbar wurde, das Christine am Pilgern wesentlich findet: gelebte Frömmigkeit, Demut, Ernsthaftigkeit, religiöse Praxis als etwas Körperliches und Alltägliches.
Mich hat dieser Teil des Gesprächs sehr bewegt. Vielleicht auch, weil er einen Raum öffnet, der im deutschsprachigen Pilgerdiskurs oft nur am Rand vorkommt. Wenn wir über Pilgern reden, reden wir häufig über Aufbruch, Auszeit, Sinnsuche, Langsamkeit, Begegnung. Alles wichtige Themen. Aber die direkte, praktizierte religiöse Dimension wird oft leiser. Bei Christine war sie in Polen auf einmal sehr laut, sehr körperlich, sehr konkret.
Was Christine in Polen besonders berührt hat
- volle Kirchen und mehrere Gottesdienste am Tag
- Pilgergruppen mit Kreuz, Gesang, Musik und Gebet
- gelebte Frömmigkeit als Selbstverständlichkeit
- Pilgern als körperliche und geistliche Praxis
Litauen, Ungarn, Klöster und ein anderer Rhythmus
Ähnlich stark, nur stiller, war der Teil über Litauen und andere Wege ihres Pilgerjahres.
Christine erzählte davon, wie sie Kirchen besucht, Gottesdienste mitfeiert, in Klöstern übernachtet, Laudes und Vesper erlebt. Das klingt zunächst vielleicht klein. Ist es aber nicht. Denn genau dort zeigt sich, dass ihr Verständnis von Pilgern keine Theorie ist. Es ist gelebte Praxis. Der Weg ist für sie nicht nur der Abschnitt zwischen zwei Orten. Der Weg besteht auch aus dem, was unterwegs geschieht, wenn man innehält, eintaucht, mitgeht, betet, beobachtet, mitschwingt.
Das hat mir an der Folge gefallen: dass Pilgern darin nicht bloß als Fortbewegung erscheint. Es bekommt einen Rhythmus. Einen Atem. Eine Form von Verlangsamung, die nicht nur körperlich ist.
Vielleicht ist das auch ein Punkt, den viele Hörerinnen und Hörer für sich mitnehmen können, selbst wenn sie mit Klosterzeiten oder Liturgie nicht viel Erfahrung haben. Ein Pilgerweg ist mehr als die Etappe. Er besteht auch aus den Unterbrechungen. Aus den kleinen Räumen des Innehaltens. Aus dem, was nicht geplant werden kann und sich erst auf dem Weg zeigt.
Foto: Christine Thürmer, Maria ut in Ungarn
Dankbarkeit und der Weg zurück zum Glauben
Der persönlichste Teil des Gesprächs war für mich Christines Erzählung über ihren Glauben.
Sie ist katholisch aufgewachsen, hat sich in jüngeren Jahren davon entfernt und später Schritt für Schritt wieder angenähert. Was mir daran so gefallen hat: Diese Rückbewegung war bei ihr kein spektakuläres Ereignis. Kein plötzlicher Moment. Eher etwas Langsames. Etwas, das auf dem Weg gewachsen ist.

Foto: Christine Thürmer, Jakobsweg Litauen
Sie erzählte von den Abenden im Zelt. Von dem Gefühl der Dankbarkeit, das nach langen Tagen oft da ist. Ein stilles Danke. Für den Weg. Für den Tag. Für das Leben. Und irgendwann stand dann für sie die Frage im Raum, an wen sich dieses Danke eigentlich richtet.
Ich fand das einen sehr schönen Gedanken. Weil er nichts erzwingt. Weil er offen bleibt. Und weil er doch tief ist.
Vielleicht ist das überhaupt eine der schönsten Linien dieses Gesprächs: dass Glaube hier nicht als Theorie auftaucht, sondern als Antwort auf etwas Erlebtes. Auf Schönheit. Auf Bewahrung. Auf Staunen. Auf Dankbarkeit.
Dazu passt auch, wie Christine über Kirche spricht. Nicht zuerst institutionell. Eher als Heimat. Als ein Ort, den sie wiedererkennt. Als Raum, in dem sie sich nicht fremd fühlt. Gerade nach Jahren ohne feste Wohnung bekommt das eine besondere Tiefe. Wenn das Zelt über lange Zeit der einzige eigene Schutzraum ist, können Kirchen zu Orten werden, an denen man innerlich ankommt.
Diese Verbindung zwischen äußerem Unterwegssein und innerer Beheimatung fand ich sehr berührend. Und ich glaube, sie gehört zu den stärksten Momenten der ganzen Folge.
„Glaube taucht hier nicht als Theorie auf, sondern als Antwort auf etwas Erlebtes.“

Foto: Christine Thürmer, Australien
Die Shows als Weitergabe
Am Ende unseres Gesprächs ging es auch noch um ihre Shows. Und auch dieser Teil war mehr als nur ein kurzer Blick auf ihre Arbeit auf der Bühne.
Christine sagte, das schönste Kompliment sei für sie, wenn Menschen nach einem Vortrag sagen, sie wollten sofort loslaufen. Das hat mir gefallen. Weil darin nicht nur Freude an der eigenen Geschichte steckt, sondern ein Wunsch nach Weitergabe. Etwas soll überspringen. Eine Bewegung. Eine Ermutigung. Vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass Aufbruch möglich ist.
Spannend fand ich außerdem, dass ihr durch das Erzählen manches selbst erst klarer wird. Wenn sie ihre Wege für eine Show ordnet, schärft sich auch ihr eigener Blick. Erfahrungen verdichten sich. Zusammenhänge werden sichtbarer. Vielleicht ist das auch ein schöner Gedanke für uns alle: Man versteht nicht alles auf dem Weg selbst. Manches zeigt sich erst später, wenn man zurückschaut und Worte dafür findet.

Foto: Christine Thürmer, Show
Was von diesem Gespräch bleibt
Ich bin froh, dass dieses Interview so lang geworden ist.
Nicht aus Rekordgründen. Sondern weil es Zeit brauchte. Manche Gespräche haben eine innere Länge. Sie lassen sich nicht sinnvoll abkürzen, ohne dass etwas verloren geht. Dieses Gespräch mit Christine Thürmer gehört für mich dazu.
Es war inspirierend. Weit. Manchmal auch herausfordernd. Vor allem aber war es interessant, weil es nicht an der Oberfläche blieb. Es ging nicht nur um Wege, sondern auch um das, was Wege mit uns machen. Nicht nur um Pilgerorte, sondern auch um das, was Pilgern in seinem Kern bedeuten könnte. Nicht nur um Erfahrung, sondern auch um Haltung.
Wenn ich etwas aus dieser Folge mitnehme, dann vielleicht dies:
- Dass ein Weg immer mehr ist als das, was man auf der Landkarte sieht.
- Dass Pilgern eine Tiefe haben kann, die weit über Strecke, Landschaft und Gemeinschaft hinausgeht.
- Und dass es gut ist, Stimmen zuzuhören, die die Dinge klar benennen, selbst wenn man nicht alles genauso sieht.
Am Ende habe ich Christine drei kurze Fragen gestellt. Einen Pilgerweg, den sie sofort empfehlen würde. Ein Wort, das Pilgern für sie beschreibt. Und etwas, das auf einem echten Weg nicht fehlen darf.
Ihre Antworten waren: Berlin–Bad Wilsnack. Demut. Das Glück.
Ich finde, darin steckt viel von dem, was dieses lange Gespräch getragen hat.
Und vielleicht passt genau das auch zu dieser Folge:
Sie ist lang geworden. Und sie trägt.
Christine Thürmer gilt als die meistgewanderte Frau der Welt. Als sie 1967 geboren wird, deutet zunächst wenig darauf hin, dass sie einmal ein Leben auf langen Wegen führen würde. In der Schule ist sie Klassenbeste, im Sport dagegen nach eigener Beschreibung eine absolute Niete. Zunächst macht sie Karriere als Managerin. Nach einer unerwarteten Kündigung und dem Tod eines Freundes verändert sich ihr Blick auf das Leben grundlegend: Nicht Geld, sondern Zeit ist die wichtigste Ressource.
Obwohl sie untrainiert startet, wandert sie auf dem Pacific Crest Trail 4.277 Kilometer von Mexiko nach Kanada – trotz Plattfüßen, X-Beinen und Übergewicht. Das wird zum Anfang eines ganz neuen Lebens. Seither hat sie rund 70.000 Kilometer zu Fuß in 40 Ländern zurückgelegt und Europa wie auch die USA jeweils dreimal komplett durchquert. Ihr Leben folgt seitdem einer einfachen und klaren Formel: Laufen. Essen. Schlafen.
Heute ist Christine Thürmer Autorin, Show-Rednerin und eine der bekanntesten Stimmen für Langstreckenwandern im deutschsprachigen Raum.
Auf ihrer offiziellen Website bezeichnet sie sich als „die meistgewanderte Frau der Welt“ und bündelt dort ihre Bücher, Tourberichte und aktuellen Show-Termine. Ihr offizieller Instagram-Account läuft unter @christine_thuermer. Aktuelle Termine für „WANDERN TOTAL“ finden sich auf ihrer offiziellen Terminseite; dort sind aktuell unter anderem Frühjahrstermine 2026 in Solingen, Bischofswiesen, Ahlen, Emden und Meppen gelistet, dazu weitere Wintertermine 2026/27.
Offizielle Links:
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