Camino Aragones

Der Camino Aragones beginnt in Somport. Er wird vor allem wegen seiner Einsamkeit und der eindrucksvollen Natur geschätzt. Immer wieder verläuft der Pilgerweg entlang des wunderschönen Rio Aragones. Vorbei an mittelalterlichen Dörfern und mit Abstechern zu zwei der bedeutendsten Klöstern Spaniens.

Der Weg mündet, nach 6-8 Tagen und 164 Km, bei Puente la Reina in den Camino Frances.

Camino Aragones

 

Geschichte

Der Höhenpass Somport (Summus Portus) 1.632m.ü.M. wurde schon von Kelten, Römern und Mauren als Übergang der Pyrenäen genutzt. Er ist einer der ältesten Pyrenäenübergänge zwischen Frankreich und Spanien.

Im 12.Jh wurde im Codex Calixtinus, Buch V, (auch Jakobsbuch genannt), ein Pilger Namens Aymeric Picaud erwähnt. Er berichtete, dass der Weg auf die Spanische Halbinsel über den Somport Pass führte. Oben auf der Passhöhe erreichte der Pilger das Pilgerhospiz Santa Cristina (früheste Erwähnung 1078).

Camino Aragones Klostergrundmauern

 

Im Codex Calixtinus wird von den drei Hospize der Welt berichtet: “ Drei unabdingbare Säulen hat der Herr in dieser Welt errichtet, um die Armen zu unterstützen: Das Hospiz zu Jerusalem, dasjenige auf dem St.Bernhard und das Hospiz von Santa Cristina auf dem Somport. Die Häuser sind dort errichtet, wo sie nötig waren. Es sind heilige Orte, Häuser Gottes.“ 

Heute sind von dem einst so bedeutenden Kloster Cristina nur noch ein paar wenige Überreste der Grundmauern erhalten. 

Im Mittelalter war der Weg, vom französischen Arles kommend als Via Tolosana, eines der Hauptrouten nach Santiago de Compostela. Viele Pilger aus Mitteleuropa wählten diese Route. Auch Französische Pilger nutzten diesen Pass um nach Navarra und Arragon zu gelangen. Dies auch, weil zwischen dem 11.Jh. bis zur Hälfte des 15.Jh. das Herzogtum Aquitanien und später das Territorium Guyenne unter englischer Herrschaft stand. Unter englischer Herrschaft stand auch St.Jean Pied de Port, dem heute am stärksten frequentierten Startort in Frankreich.

Nach der Grenze beginnt der Weg in Aragonien und setzt sich durch die Provinzen Huesca, Zaragoza und Navarra bis zu dem Ort Puente La Reina fort, wo er sich nach 6 Tagen und 167 Kilometern mit dem Französischen Weg vereint.

 

CAmino Aragones: Die Route

Camino Aragones Route

Die Via Tolosana aus Frankreich kommend, überquert auf dem Somportpass (1632m) die spanische Grenze. Hier geht der Jakobsweg als „Camino Aragones“ durch die ruhige und wunderschöne Bergwelt der Pyrenäen. Der Weg hat große Höhenunterschiede.

Die Kleinstadt Jaca ( 13.000 Einwohner) und San Juan de la Pena sind sehenswerte Orte. Kurz vor Sangüesa (5.000 Einwohner) überquert der Pilger die Grenze zwischen der Provinz Aragon und Navarra. Von dort führt der Weg weiter, vorbei am magischen Kirchlein Eunate bis nach Puente la Reina.

Empfehlenswerte Route für Pilger die mehr Zeit haben.  Der Weg ist im Vergleich zum Startpunkt San Juan Pied de Port um 73 Km länger. Die Route verläuft durch 20 kleinere Dörfer und keine Großstädte. Diesen mittelalterlichen Weg laufen deutlich weniger Pilger als die Route über Roncesvalles.

Auf dem Camino Aragones selbst gibt es ebenfalls zwei weitere sehenswerte Wegvarianten. Eine führt von Jaca durch die Bergwelt nach San Juan de la Pena, eines der ältesten Klosterruinen Spaniens. Eine weitere durch das sehenswerte Naturschutzgebiet Foz de Lumbier. Dort kann man viele Greifvögel bewundern.

Die Camino Aragones Etappen: Wegstrecke

Distanz: 164 Km (bis Puente La Reina)

Dauer: 6 Etappen, bzw.6-8 Tage; (ganzjährig sehr wenig Pilger)

Somport- Jaca (30 Km)- Arrés (25 Km)- Ruesta (29 Km)- Sangüesa (22 Km) – Monreal (27 Km) -Puente la Reina (31 Km)

Camino Aragones Karte

EtappeKM bis SantiagoStartZielKmHöhenmeterDauer
Etappe 01846SomportJaca30 1450 m 8,5 Std
Etappe 02816JacaArrés25280 m6,5 Std
Etappe 03791ArrésRuesta29480 m7,0 Std
Etappe 04762RuestaSangüesa22920 m6,0 Std
Etappe 05740SangüesaMonreal27910 m7,5 Std
Etappe 06713MonrealPuente la Reina31920 m8,5 Std

1.Etappe auf dem Camino Aragones:

Von Somport nach Canfranc Pueblo

Wir sind mit dem Bus von Jaca aus auf die Passhöhe gekommen. Um uns langsam an den Laufrhythmus zu gewöhnen, haben wir beschlossen, am ersten Tag nur 13 Km zu gehen. Was für eine herrliche Aussicht oben auf dem Somportpass.

Camino Aragones nach Somport

Der Weg führt durch die ruhige und einsame Bergwelt. Wir kommen am ehemaligen Kloster Santa Cristina vorbei. Allerdings sind hier nur noch die Grundmauern zu erkennen. Der Weg geht stetig bergab, wir können uns gar nicht satt sehen. Bis unten im Dorf, mitten in den Bergen, eines der größten Bahnhöfe Europas steht. Canfranc Estacion wurde 1928 erbaut.

 

2. Etappe: Canfranc -Jaca

Morgens führt unser Weg aus dem Dorf Canfranc hinaus und an der Kirche Trinidad vorbei. Alles wirkt ruhig und fast schon verlassen. Wieder überqueren wir den Rio Aragones, der uns fast den ganzen Tag begleitet. Die mittelalterliche Steinbrücke versetzt uns in eine andere Zeit.

Camino Aragones Santo Grial

Stetig bergab führt der Weg über felsige Pfade bis nach Villanua. Dort machen wir eine Pause. Der Weg ist gut markiert mit seinen Gelben Pfeilen. Ebenso sehen wir immer wieder den neu markierten Weg „Santo Grial“. Für alle Tempelritter-Fans empfehlenswert. Er verknüpft die alten romanischen Baudenkmäler der Region.

 

3.Etappe: Jaca-San Juan de la Peña

Wir haben uns für die Nebenroute des Camino Aragones nach San Juan de la Pena entschieden, ein traumhafter Weg mitten durch die Berglandschaft. Ein großartiges Naturerlebnis. Unzählige Schmetterlinge sowie Eichen und Pinienwälder begleiten uns. Nach frühem Aufstehen geht es aus Jaca hinaus. Der Aufstieg über die erste „Bergkette“ ist ein Geduldsspiel und prompt verlaufen wir uns.

Camino Aragones Bergkette

Zudem ist es heute den ganzen Tag über unglaublich heiß. Im Dorf Atares machten wir eine lange Siesta und füllten unsere Wasserflaschen auf. Die letzten Kilometer waren wieder ein Geduldsspiel für unsere zu ende gehenden Kräfte.

 

4.Etappe: San Juan de la Peña – Arrés

Der Tag beginnt mit einem sehr frühen Aufstehen beim Balkon de los Pirineos um den Sonnenaufgang zu bewundern. Unbeschreiblich wie sich die Farben des Himmels unmerklich verändern und der Frühnebel durch die Täler streift.

Camino Aragones Balkon de los Pirineos

Der Camino führt nun bergab bis zum alten Kloster Monasterio de San Juan de la Pena. Dieses liegt spektakulär unter einem Felsvorsprung. Im frühen Mittelalter, so beschreiben es die alten Schriften, soll hier der Heilige Gral der Tempelritter versteckt worden sein.

Camino Aragones Monasterio San Juan de la Pena

Der Camino führt danach wieder lange bergab über Santa Cruz de la Serós nach Santa Cilia de Jaca. Ein sehr faszinierender Weg. Nach einer Pause führt der Camino teilweise direkt am blaugrünen Rio Aragones entlang. Das letzte Wegstück des Tages führt in endlos erscheinenden Windungen einen Hang hinauf zum mittelalterlichen Dorf Arres.

 

5.Etappe: Arrés – Ruesta

Dieser Tag führt durch das Kernland von Aragonien. Es ist die Weizenkammer des Landes. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit der kleinen Pilgergruppe geht jeder seines Weges. Unbedingt genügend Wasser mitnehmen, es gibt wenig Möglichkeiten auf dem ca. 27 Km langen Weg unterwegs nachzufüllen.

Camino Aragones Weizenkammer

In Artieda machen wir eine große Mittagspause. Ruesta ist ein eigentümlicher Ort mitten im Nirgendwo. Im Mittelalter war Ruesta eine wichtige Grenzstadt zwischen Aragon und Navarra. Heute ist die Pilgerherberge die einzige Möglichkeit zu übernachten. Der Rest des Dorfes besteht aus Ruinen, seit dem Bau des Stausees.

 

6.Etappe: Ruesta – Monasterio de Leyre

Ein langer Tag steht uns bevor. Nach dem ersten Anstieg haben wir immer wieder eine herrliche Sicht auf die Hügellandschaft. In Sangüesa haben wir uns entschlossen eine alternative Wegroute zu wählen. Statt bis nach Sangüesa geht es für uns weiter zum nahegelegenen Kloster Monasterio de Leyre. Dieser Abstecher lohnt sich wirklich.

Camino Aragones Monasterio Leyre

Das Kloster wird noch aktiv von Mönchen betrieben. Als Pilger kannst Du sowohl die Abendmesse als auch die Frühmesse besuchen und den gregorianischen Gesängen zuhören. Vom Kloster aus hat man eine wunderbare Aussicht auf den Stausee und die Bergwelt.

 

7.Etappe: Monasterio de Leyre – Monreal

Der Tag wartet mit einem echten Natur-Highlight! Er führt durch das Naturschutzgebiet Foz de Lombier. Eine Schlucht, die nur durch zwei ehemalige Eisenbahntunnels begehbar ist. Wenn man im Tal ankommt, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Unten hört man das Rauschen des Flusses und über den Köpfen kreisen unzählige Greifvögel.

Camino Aragones Foz Lumbier

Der Weg führt danach weiter bis man in Isco wieder auf die ursprüngliche Route des Camino Aragones kommt. Durch einsame Landschaften wird der Hausberg von Monreal sichtbar. Es dauert jedoch noch eine ganze Weile bis man dort ist.

 

8.Etappe: Monreal – Puente la Reina

Der letzte Tag auf dem Camino Aragones beginnt mit einem frühen Aufstehen, sonst ist die Wegstrecke doch sehr lang. Immer wieder kommen wir durch kleine Dörfer und immer wieder auch sehr schöne Aussichtspunkte. Der Höhepunkt diese Etappe ist die kleine Templerkirche Eunate, kurz vor Puente la Reina. Mitten im einsamen Feld steht die achteckige Templerkirche Santa Maria de Eunate.

Camino Aragones Puente la Reina

Die letzten Kilometer führen nach Puente la Reina. Dort führt der Pilgerweg weiter auf dem Camino Frances nach Santiago de Compostela.

 

 

Pilgerführer

Seit der 14. Auflage 2011 des Outdoor-Wanderführers mit dem Titel „Camino Francés“ ist die Beschreibung für den Camino Aragones aus Platzgründen nicht mehr im Buchtext enthalten. Dennoch ist die Wegbeschreibung weitestgehend aktuell.

Raimund Joos hat eine kleine Seite zum Camino Aragones eingerichtet. 

Er schreibt: „Damit ihr dennoch nicht auf einen Pilgerführer für diesen schönen Weg verzichten müsst, habt Ihr hier die Möglichkeit, Euch die Beschreibung des Weges, mit Karten und Höhenprofilen, welche vom Conrad-Stein-Verlag erstellt wurden, kostenlos runterzuladen und auszudrucken.“

zur PDF – Datei Wegbeschreibung von Raimund Joos

 

 

Die beste Reisezeit

Die beste Reisezeit für den Camino Aragones ist ab Mitte Mai bis Ende September. Im Frühjahr ist auf der Passhöhe immer wieder mit schnellen, kurzen Wintereinbrüchen zu rechnen.

 

Weitere Reiseblogs:

Werner Kräutler berichtet in seinem Via Tolosana Blog von seinen Erlebnissen auf dem Jakobsweg durch Frankreich bis Puente la Reina. Auf seiner Etappe 25. bis zur 30. Etappe beschreibt er sehr schön und ausführlich den Camino Aragonés.

Auch Gertrudis vom Pilgerforum berichtet über ihren Weg auf dem Camino. Sie beschreibt unterschiedliche Etappen des Lebensweges.

 

Anreise Empfehlungen:

Anreise über Spanien: Wir sind mit dem Flieger nach Madrid geflogen und von dort aus mit dem Zug über Zaragossa nach Jaca. Ebenso wäre ein Flug nach Pamplona möglich und von dort mit dem Bus bis nach Jaca.

Anreise über Frankreich: Flug nach Pau, mit dem Zug nach Oloron-Ste-Marie und weiter mit dem Bus zum Somportpass.

nach Somport von Gerhard Brüstle

 

Wegdokumentation in Videos

Kurzfilme und erste Eindrücke vom Camino Aragones. Die phantastischen Videos/Photos sind von Pablo Guiroy zusammengestellt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Pablo für die Nutzung seiner schönen Videos.

1. von Somport nach Jaca

Der Aragonesische Weg startet in Somport, an der französisch-spanischen Grenze. Er führt durch die majestätische Bergwelt der Pyrenäen. Entlang des Rio Aragones führt der Weg bis Jaca rund 800 Höhenmeter bergab. Der Fluss gab dem Königreich Aragon seinen Namen. Jaca hat eine sehenswerte romanische Kathedrale.

2. von Jaca nach Arres

In Jaca verabschieden wir uns von der Santiago Kirche. Der Weg führt uns auf einer Nebenroute weiter zum Kloster San Juan de la Pena. Natur pur, und ein einmaliges Erlebnis. Das Kloster ist unter einem Felsvorsprung verborgen. Der letzte Wegabschnitt bis zum cahrmanten Dorf Arrés ist etwas beschwehrlich.

3. von Arres nach Uesca

Sehr schöne Etappe durch das Tal des Flusses Aragon. Das nächste Dorf Artieda ist erst in 17 Km zu erreichen, also genügend Wasser mitnehmen. Heute sind einige Höhenmeter zu bewerkstelligen. In Serpentinen führt der Weg nach oben. Immer wieder auch der Blick zum Yesa Stausee.

4. von Ruesta nach Sangüesa

Kurz nach Ruesta kommen wir an einem Jakobsbrunnen vorbei. Der Tag begann mit einem Abstieg. Sehenswert ist die kleine romanische Santiago Kapelle am Weg. Danach geht es wieder bergauf. Auf der Höhe von Fénérol ist das Flußtal von Onsella zu erkennen. Spektakuläre Ausblicke führen nach Undués von Lerda. Zwischen Weizenfeldern geht es weiter nach Sangüesa.

5. von Sangüesa nach Monreal

Dies ist eines der schönsten Wegstrecken. Viele Kilometer zwischen Getreidefeldern und abseits der Strassen. Auch auf diesem Wegabschnitt gibt es unterwegs keine Einkaufsmöglichkeit. Bitte genügend Wasser mitnehmen. Der Weg führt hinauf auf die Passhöhe von Alto de Aibar. Hier hat man eine herrliche Aussicht. Nach dem Dorf Izco geht es hinauf auf dem Berg La Higa. Zu seinen Füßen liegt das Etappenziel Monreal.

6. von Monreal nach Puente la Reina

Heute beginnt die letzte Etappe auf dem Camino Aragones. Von Monreal geht es durch die Sierra de Alaiz. Der Weg führt heute durch viele kleinere Dörfer. Ein langer Tag, aber nicht sehr anspruchsvoll. Die sehenswerte romanische Kirche Eunate ist ein wahres Kleinod am Jakobsweg. In Obanos trifft der Weg auf die Route aus San Juan Pied de Port. Nach den letzten Kilometer erreichen wir Puente la Reina.

 

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