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Niedergang des Jakobskultes in Europa

Der Jakobsweg erlebte seine Glanzzeit zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert, danach kam ein schärferer Wind auf. Es mißfiel, daß sich unter die Pilger allzuviele Galgenvögel mischten, die auf Kosten des Heiligen von Freitisch zu Freitisch zogen. Der Niedergang der Jakobspilgerschaft begann mit dem Einsetzen der Reformation in Europa.

 

was beendete die Jahrhunderte alte Tradition der Pilgerschaft ?

 

die Reformation Martin Luthers schmälerte ebenfalls den Strom der deutschen Pilger. Die Protestanten kritisierten den Legenden- und Reliquienglauben der Pilger und hielten sich an Martin Luthers Rat, lieber daheim zu bleiben, als einen so mühsamen Marsch auf sich zu nehmen:

“ Da haben wir nu nichts gewiss von dem

etlich sagen, er lieg in Frankreich zu Thalosa,

aber sie seind ihrer Sach auch nit gewiß.

Darumb laß man sie liegen und lauf nit dahin,

denn man weiß nit, ob Sant Jakob oder ein toter Hund

oder ein tots Roß da liegt…“

Das Ergebnis war ein bedeutender Verlust an Pilgern, zumal auch die Humanisten in ihrer wachsenden Abkehr vom Jenseitsdenken des Mittelalters eine ähnliche Haltung einnahmen.

Der Bruch Heinrichs VII. von England mit Rom stoppte die Wallfartslust der Angelsachsen. Die Zahl derer nahm zu, die an der Echtheit des Jakobsgrabes zweifelten. Der englische Arzt Andrew Boorde pilgerte zwar noch im 16. Jahrhundert zu ihm, verlor aber seinen bereits schwankenden Glauben vollends, als ihm ein Kleriker in der Kathedrale gesagt hatte:

„Wir besitzen weder ein Ohrläppchen noch ein Knöchelchen des Heiligen“

Die Spanier selbst befürchteten ein Überschwappen des Reformationsgedankens auf ihren Camino. Deshalb wurden die Pilger an den Gränzübergängen Kontrollen der Inquisition unterworfen. Sie wurden bespitzelt, verhört und durchsucht.

Ludwig XIV. verbot seinen Untertanen unter Androhung lebenslänglicher Galeerenstrafe, nach Santiago zu gehen. Kaiserin Maria Theresia versuchte die Jakobspilger auf österreichische Wallfahrtsorte umzuleiten.

In Spanien war ebenfalls ein religiöser Wandel eingetreten. Mit der Eroberung Granadas 1492 waren alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Bald schon neigten sich die Spanier mehr der Mystikerin Teresa von Avila (1515-1582) zu. Mit Mühe konnten die Jakobisten verhindern, daß der Apostel Jakobus als Schutzpatron Spaniens nicht von der Mystikerin Teresa verdrängt wurde.

Der Niedergang auf der Iberischen Halbinsel beschleunigte sich. Indes setzte sich der Lebensweg des Jakobus fort, er ging selbst auf die Reise. Zeitgleich mit der Eroberung des letzten maurischen Königreiches auf der Iberischen Halbinsel entdeckte Christoph Columbus Amerika. Unter Karl V. ( Carlos I. de Espana ) begann die Epoche der Habsburger in Spanien, und auch die Wanderung des Apostels rund um den Erdball. Überall, wo es unter spanischer Herrschaft galt, das Christentum mit dem Schwert zu verkünden, erschallte der Schlachtruf „Santiago ultraea“, wie einst in Spanien als Matamorus.

Die Konquistadoren bedienten sich weiter seines Namens bei der blutigen Christianisierung der Neuen Welt. In Chile, Cuba und an zahlreichen anderen Plätzen Lateinamerikas entstanden ihm zu Ehren viele Ortschaften die seinen Namen Santiago tragen: Santiago de Chile, Santiago de Cuba, Santiago de Estero, San Diego.

1589, ein Jahr nach dem Untergang der spanischen Armada, wurden die Reliquien aus Angst vor einer englischen Invasion unter Sir Francis Drake versteckt. Dummerweise aber kannte, nachdem die Gefahr gebannt war, niemand mehr den Ort des Versteckes.

Es sollte nun fast 300 Jahre dauern, bis durch die Wiederentdeckung des Grabes eine langsame Rückbesinnung und Wiederbelebung stattfand. Wie kam es eigentlich, dass Jakobspilgern heute so ein starkes Phänomen wurde ?