Aufschwung des Jakobsweges

Der Aufschwung des Weges im 11. Jahrhundert

Der Aufschwung des Weges entwickelte sich im 11. und 12. Jahrhundert zur größten Pilgertradition des Christlichen Abendlandes. Die jungen Königreiche in Spaniens Norden hatten die Araber, die auf der Iberischen Halbinsel 711 das Kalifat von Cordoba errichtet hatten, in das Landesinnere zurückgedrängt. Die neuen Landstriche mussten bevölkert werden, der Aufschwung des Weges begann. So wurden entlang des Jakobsweges viele Städte und Franken-Siedlungen gegründet. Diese trugen zur Steigerung der Bevölkerung bei. Der Weg erlebte eine Zeit des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs.

 

Wieso gab es im Mittelalter so viele Pilger ?

Für den mittelalterlichen Menschen geschah eine so weite und entbehrungsreiche Reise hauptsächlich wegen der Sorge um das Seelenheil. Die Hoffnung auf Läuterung und auf körperliche oder materielle Besserung war verlockend. Dafür war der Pilger bereit seinen Lebensweg auf der Straße fort zu setzen, Eltern und Familie zu verlassen. Der Entschluß sich mehr oder weniger freiwillig ins Elend der Fremde zu begeben, stellte einen tiefen, heute für uns kaum nachvollziehbarer Einschnitt in das Leben der Betroffenen dar. Er konnte für ihn Krankheit und Tod bedeuten. Für die zurückgebliebene Familie konnte es bittere Not oder wirtschaftlichen Ruin bedeuten.

Daneben brachte die Hoffnung auf Heilung auch Scharen von Krüppeln und Kranken auf den Weg. Manch einer entzog sich durch eine überhastet angetretene Pilgerreise drohenden Problemen von zuhause. Die Fahrt nach Compostela konnte aber auch als Strafe für verschiedene schwere Vergehen wie Totschlag, Raub, Brandstiftung oder Unzucht verhängt werden. Ihr Vollzug war bei der Rückkehr nachzuweisen, bevor das Verbrechen als gesühnt galt.

 

prominente Pilger im Mittelalter

Der Jakobsweg verdankte seinen phänomenalen Aufschwung jedoch nicht nur der tiefen Frömmigkeit der mittelalterlichen Menschen wegen, oder der ständig wachsenden Schar von Ordensleuten die diese Menschen nach Santiago zu ziehen vermochten. Dazu bedurfte es auch eine wachsende Struktur, wie der ständige Ausbau des Weges durch Straßen und Brücken, Hospize, Wegkreuze und Kapellen. Private Herbergen, Gasthöfe, Läden und Werkstätten die jeder noch so bescheidene Pilger benötigte, trugen wesentlich zur Belebung des Caminos bei.

Noch mehr Bedeutung kamen den prominenten Jakobspilgern zu. Diese galten zuhause als erstklassige Werbeträger. Etwa die Heilige Brigitta von Schweden, Franz von Assisi, Isabella von Portugal, Heinrich der Löwe (1182) und Konrad von Wittelsbach, Erzbischof von Mainz (1164). Im 12.Jh. waren rund ein Drittel der Menschen des Abendlandes nach Santiago unterwegs.

So paradox wie es klingen mag, der Massenansturm an Pilgern und die daraus erfolgte Verdrängung der Araber aus der Iberischen Halbinsel, trug gleichzeitig zum Niedergang des Jakobskultes bei.