Auffinden des Apostelgrabes im frühen Mittelalter

Die Legende um das Auffinden des Apostelgrabes in Santiago de Compostella im frühen Mittelalter ließ ganz Europa aufhorchen. Urplötzlich war sie aufgetaucht, Jahrhunderte erst nach dem Märtyrertod des Apostels in Jerusalem. Dann entstanden Geschichten um Geschichten über den Lebensweg und das Wirken des heiligen Jakobus. Sie wurden ausgeschmückt und weitererzählt und bewegten die Menschen auf erstaunlichste Weise. Keine andere Heiligenstadt ist so lebendig geworden wie die des Zebedäussohnes.

 

Burgos Kathedrale

 

wie kam der Apostel Jakobus nach Spanien ?

Es war ein unwirklicher und abgelegener Landstrich am Ende der damaligen Welt, Finis terrae nannten es die Römer, und auch für die späteren Eroberer der Iberischen Halbinsel, für Vandalen, Westgoten und Mauren, lag es unendlich fern von den Zentren der Welt.

Die Gebeine des Apostel Jakobus wurden um 820 im äußersten Nordwesten Spaniens entdeckt, zu einer Zeit, als die heftigen Maurenstürme das Abendland erschütterten. Bischof Theodemir von Iría Flavia ließ unter Fasten und Beten die von wundersamen Lichtzeichen überstrahlte Stätte ausgraben und bestätigte den Fund des in Vergessenheit geratenen Apostelgrabes.

Jakobus soll der Legende nach, die Frohe Botschaft in Spanien verkündet haben. Nach seiner Rückkehr ins Heilige Land ließ ihn Herodes Agrippa 44 n.Ch. enthaupten. Sein Grab sollte man folglich in Jerusalem vermuten. Wie die sterblichen Überreste nach Spanien gelangten, bleibt unklar.

Den genauen übernatürlichen Hergang erzählt der mittelalterliche Pilgerführer ‚Codex Calixtinus‘ : Der Leichnam des Apostels wurde nach seiner Enthauptung in ein Boot gebracht und dem Willen des Herrn überlassen. Engel haben dann das Boot nach Galizien gelenkt.

Die Pilgerschaft zu seinem Grab durch ganz Europa, wurde zum waffenlosen Kreuzzug gegen die Mauren.

Santiago de Compostela übte mit dem zweiten Apostelgrab, neben dem von Petrus in Rom, eine ungemein starke Anziehungskraft aus. Trotz der Randlage dieses Ortes am Ende der Welt, machten päpstliche Privilegien, Ablässe und schier unglaubliche Wunderberichte den Jakobsschrein auf Jahrhunderte zum bevorzugten Pilgerziel. Mit der Eroberung Jerusalems durch die Araber war ein wichtiges Pilgerziel unerreichbar geworden. So wurde Santiago zum bedeutendsten Wallfahrtsort der Christenheit, mit dem nur noch Rom konkurrieren konnte. Der Aufschwung des Weges begann.