Die Magie des Weges

Die Magie des Weges

Die Magie des Weges, einfach einmal alles hinter sich lassen, keine Verpflichtungen haben, reduziert leben, die Einfachheit genießen, ganz bei sich sein, seinem Herzen folgen, das macht den Jakobsweg zu etwas ganz Besonderem.

Jeder kann die Magie des Weges erleben. Auf seine eigene, individuelle Art. Dies kann ein Ort sein, ein Gefühl, ein Moment oder die Begegnung mit Menschen.

Für die Magie des Weges gibt es so unterschiedliche Erlebnisse, wie es unterschiedliche Gründe gibt den Jakobsweg zu laufen.

 

 

Sehnsucht nach Abenteuer

Hast du auch schon einmal davon geträumt, deinem hektischen Alltag zu entfliehen und einen inneren Drang verspürt einfach loszulaufen?

Es ist die Ursehnsucht des Menschen nach fernen Ländern, nach Abenteuer und der Suche nach verborgenen Geheimnissen. Oder der Wunsch, dem Alltag zu entfliehen und einzutauchen in eine eigene Welt, umgeben von der Natur, der Ruhe und Begegnungen mit Menschen. Oder die Suche nach sich selbst.

manchmal zeigt sich - jakobsweg-lebensweg.de

Ich glaube fest daran, dass der Camino für jeden immer das bereit hält, was er braucht. Man sieht es nur nicht immer. Vielleicht ist das im „richtigen“ Leben genauso.

Sei immer bereit für ein Wunder, auch wenn du von Schmerzen oder Müdigkeit geplagt bist. Lächle während du gehst.

„Vergiß nie, dass Wunder möglich sind, weil wir an Wunder glauben.“ (Paulo Coelho)

 

 

Unterschiedliche Gründe den Weg zu laufen

Ich traf Menschen aus der ganzen Welt die aus den unterschiedlichsten Gründen los gelaufen sind. Einige weil sie eine religiöse Pilgerreise unternehmen oder sich selbst besser kennenlernen wollten.

Andere, um den Verlust eines geliebten Menschen zu betrauern oder sich selbst von einem Leiden zu erlösen. Einige weil sie sich dem Ende eines persönlichen Übergangs in ihrem Leben näherten und ein Ritual durchführen wollten, dass ihnen ein Gefühl der Vollendung geben würde. Wieder Andere kamen einfach, um die körperliche Herausforderung zu genießen 800 Km in Spanien zu wandern.

Was auch immer der Grund ist, im Verlaufe des Weges entsteht eine einzigartige Gemeinschaft die den Camino zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Die Magie des Weges hat das Potential die Seele eines jeden einzelnen zu berühren.

Die Magie des Weges ist auch, dass dieser Pilgerweg schon vor über 1000 Jahren entstanden ist und seither Millionen von Menschen diesen einen Weg gegangen sind.

 

Auch nachdem du wieder zuhause angekommen bist, hast du die Chance den Camino daheim weiterleben zu lassen. Die Offenheit unterschiedlichsten Menschen gegenüber, die Hilfsbereitschaft der Menschen, deren Wege sich kreuzen. Die Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und die Gabe sich über Kleinigkeiten zu freuen, all das kann auch deinen Alltag zuhause bereichern.

 

 

Mein Magischer Weg

Die Magie des Weges hatte mich sanft in seinen Bann gezogen. Als ich zurück kam war ich ein anderer Mensch geworden, ohne dass ich es zunächst bemerkte.

Bei der Ankunft in Santiago war ich stolz darauf, es geschafft zu haben. Der Weg gab und gibt mir eine ungeheure Kraft in meinem Alltag. Eine Pilgerin hat hierfür treffende Worte gefunden:

„Jetzt da ich den Weg geschafft habe, kann ich in meinem Leben alles erreichen“

Für mich war Santiago de Compostela nicht das Ziel aller Ziele. „Das Ziel ist der Weg“ und er ist nicht in Santiago zu Ende. Der Weg geht weiter in uns, in den Erfahrungen die wir gemacht haben und in den Freundschaften die wir geschlossen haben.

 

Ich hatte einen für mich „magischen Abend“ auf dem Camino erlebt. Es war ein Zusammentreffen von sechs Pilgern in San Juan de Ortega, als Pfarrer Maria Alonso noch lebte. In einem baufälligen Nebenschuppen hatten wir alles Essbare aus unseren Rucksäcken auf den Holztisch gelegt und geteilt. Die Nacht hindurch haben wir seine „berühmte“ Knoblauchsuppe und seine letzten Rotweinschläuche geleert. Bis in den frühen Morgen hinein philosophierten wir über die Ausstrahlung des Caminos und die Menschen die diesen Weg auf sich nehmen.

Von allen Wegen - Jakobsweg-lebensweg.de

„El camino no existe, el Camino somos nosotros, cada uno de nosotros con sus experiencias“

Der Weg existiert nicht, der Weg sind wir, jeder einzelne von uns mit seinen eigenen Erfahrungen. Dieser Satz hat mich tief berührt und begegnet mir immer wieder.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns voneinander. Die Menschen die ich nur an diesem Abend traf, die mir in diesen wenigen Stunden so vieles gaben, habe ich danach nie wieder auf dem Camino getroffen.

 

 

Magische Momente einer Pilgerin

“ Für mich waren es weniger magische Orte als magische Momente. Ganz hauptsächlich Momente mit anderen Pilgern, oftmals mit ziemlich unbekannten, die aus dem Nichts auftauchten und wieder verschwanden, aber durch eine kurze Bemerkung, eine kurze Unterhaltung, einen kurzen Denkanstoss ganz viel bei mir bewirkt haben. Sodass ich mich hinterher fragte „war das eigentlich ein Zufall?“. Das Gefühl, dass es oft eben kein reiner Zufall war, war erst recht magisch.

Aber auch die Magie, wenn sich manche Menschen plötzlich öffnen können, plötzlich zu weinen anfangen. Wenn man sich versteht, ohne große Worte, ohne die Sprache des anderen eigentlich zu verstehen, ohne auch nur im entferntesten in dessen Lage zu sein.

Die Magie, dass ich auch gestern noch Gänsehaut bekommen habe, wenn ich das Lied „Alegria“ höre, mit dem ich vor vielen Jahren lautstark in einer magischen Herberge in Ruitelan geweckt worden bin. Dass ich heute noch einen selbstgebastelten Stern habe, den die Nonnen in Carrion de los Condes uns abends in der Pilgermesse gegeben haben. Die Magie des Weges, dass in Pilgermessen ganz normale Pilger etwas vorlesen können und man Gänsehaut bekommt. Die Magie, wie man zu einem schwingenden Weihrauchkessel schluchzen kann. Die Magie, dass normale kleine Füsse einen normalen kleinen Menschen von der einen Seite eines großen Landes auf die andere Seite eines großen Landes tragen können.

Die Magie, mit der Natur verbunden zu sein und zugleich ihren Launen ausgeliefert zu sein.

Die Magie, auf einem Camino genau das zu bekommen, was man braucht.

Die Magie, wenn man selber für einen kleinen Moment ein Engel auf dem Camino sein darf. „

 

Peregrina29, 

Original Beitrag  , Webseite von Peregrina29

(Danke Peregrina29, dass du deinen Beitrag freigegeben hast)

 

Magische Momente eines Pilgers

“ Auf unserem ersten Camino Frances im Frühsommer hatten wir einen Abstecher nach Eunate fest eingeplant. Einen der magischen Kraftorte der Welt selbst zu erleben, war sehr verlockend. Ein Besuch der kleinen Kirche ist wirklich empfehlenswert, ein richtiges Kleinod. 

In der Nachmittagshitze hatten wir die Kapelle für uns, sind barfuss um das Gebäude gekreist und haben zusätzlich zur Stille und dem Fusskribbeln die angenehme Kühle im Inneren sehr genossen. Ein wunderbarer Ort um in Ruhe in seinen Gedanken und im Gebet zu verweilen, denn nur gelegentlich war das Zirpen der Grillen oder den Gesang der Lerche zu hören.

Nur wo du - Jakobsweg-lebensweg.de

Wir hatten Glück und bekamen beim Abstempeln des Credenzial durch Herbergsvater Gerard die 2 letzten Schlafplätze von 8 oder 9 Matratzen auf dem Dachboden in dem nahe des Kirchlein gelegenen Gebäudes. So erlebten wir an diesem stillen Ort einen wunderbaren Sonnenuntergang…

 

Ein gelungener Pilgertag!

 

Gegen 22.00 Uhr kam die Überraschung. Gerard lud uns Übernachtungspilger in die nachts sonst verschlossene Kirche ein. Nur der Sternenhimmel über der Dunkelheit dieser alten Kirche. Jeder von uns bekam eine Kerze in einem Windlicht und sprach ein Gebet in der jeweiligen Sprache. Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch.

Anschließend stellte ein jeder die Kerze in den Vorraum und ein Pilger aus Dänemark sang ein dänisches Pilgerlied. Es war eine ganz besondere Stimmung, richtig feierlich – so unglaublich viel mit doch ganz wenig! Dann bildeten wir einen Kreis in der Mitte der Kirche, fassten uns an den Händen, schlossen die Augen, konzentrierten uns und der Hospitalero sprach mit bedächtiger Stimme ein Gebet in Englisch.

Er bat um Gottes Hilfe, um Unterstützung und Segen für die Verzweifelten, Kraft für die Gläubigen sowie Nichtgläubigen und besonders für Zweifelnden, für die Pilger, für die Armen und Kranken und diejenigen, die nicht mehr bei uns sein dürfen. Anschließend lange Schweigeminuten mit gedrückten Händen.

Diese unglaubliche Klarheit eines einmaligen Momentes mit einer zufälligen Zusammenführung von Menschen auf Basis vieler weiterer Zufälle, Umstände, Entscheidungen und die sich alle in diesen Augenblick einbrachten.

Nicht nur meine Tränen sind in der Kirche von Eunate geblieben. Diese Erfahrung hat mich sehr beschäftigt, sodass ich noch lange wach lag, diesmal auch ohne Schnarcher. Wenn ich heute daran denke, bekomme ich Gänsehaut und empfinde eine tiefe Dankbarkeit. Ein für mich magischer Moment an einem magischen Ort. “    

 

Manfredo 

Original Beitrag im Pilgerforum

(Danke Manfredo, dass du deinen Beitrag freigegeben hast)

 

 

 

Zusammenfassung:

Jeder kann die Magie des Weges auf seine eigene individuelle Art erleben. Der Camino gibt jedem Pilger das was er braucht. Magische Momente lassen sich nicht erzwingen und auch nicht wiederholen. Sie geschehen einfach – und bleiben in unserer Erinnerung lebendig.

 

Was war für dich die Magie des Weges?

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